Italienische Polizei beendet Sitzstreik von Flüchtlingen

Die Flüchtlinge an der italienisch-französischen Grenze wollten nach Frankreich einreisen. Nun hat sie die Polizei in die nahegelegene Stadt Ventimiglia zurückgedrängt.

Italienische Polizisten stehen in einer Reihe am Grenzübergang zu Frankreich

Bildlegende: Kein Durchkommen: Die italienische Polizei hat die Sitzblockade der Einwanderer aufgelöst. SRF

Rund 200 Flüchtlinge haben an der italienisch-französischen Grenze einen Sitzstreik abgehalten, um nach Frankreich eingelassen zu werden. Nun hat die italienische Polizei den Sitzstreik beendet. Nach Angaben eines AFP-Reporters drängten die Sicherheitskräfte die Flüchtlinge am späten Nachmittag in Richtung der nahegelegenen Stadt Ventimiglia zurück. Nach ersten heftigen Protesten gingen die meisten der Männer, Frauen und Kinder freiwillig mit.

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Hunderte Flüchtlinge wollen nach Frankreich

1:23 min, aus Tagesschau vom 13.6.2015

Die Flüchtlinge, die zumeist nach gefährlichen Überfahrten über das Mittelmeer in Süditalien eingetroffen waren, hielten sich nach Angaben des Roten Kreuzes seit Donnerstag an dem Grenzübergang zwischen Ventimiglia und Menton auf. Französische Gendarmen sagten, sie hätten Anweisung, die Migranten nicht über die Grenze zu lassen. Daraufhin traten diese auf der Strasse an dem Grenzübergang in einen Sitzstreik.

Von Sizilien an die französische Grenze

Ein junger Mann aus der sudanesischen Provinz Darfur sagte, die Flüchtlinge stammten aus Somalia, Eritrea, der Elfenbeinküste und dem Sudan. Er selber sei mit dem Boot im sizilianischen Catania gelandet und anschliessend mit Bus und Bahn nach Norden gereist. Am Bahnhof von Menton sei er von der französischen Polizei festgenommen und nach Italien zurückgebracht worden. Er wolle nach Frankreich, aber andere wollten weiter in die Schweiz, nach Deutschland oder Grossbritannien.

In Italien befinden sich derzeit 76'000 Migranten in den Aufnahmezentren, die völlig überlastet sind. Hunderte Migranten campieren zudem an den Bahnhöfen in Mailand und Rom.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Europas Flüchtlingsdrama ohne Aussicht auf ein Ende

    Aus Tagesschau vom 14.6.2015

    Die Innenminister der EU diskutieren nächste Woche, wie die Tausenden Flüchtlinge auf die einzelnen Länder verteilt werden sollen. Eine Lösung ist zwingend, denn ununterbrochen kommen täglich neue überfüllte Flüchtlingsboote an den Küsten Europas an