Italienische Spitäler verweigern Abtreibungen

Eigentlich dürfen Frauen in Italien ganz legal abtreiben. Doch immer mehr Ärzte weigern sich, Schwangerschaften abzubrechen. Betroffenen Frauen bleibt dann nur die Reise ins Ausland – oder sie helfen sich selber. Mit teils verheerenden Auswirkungen.

In einer denkwürdigen Abstimmung haben Anfang der 1980er Jahre zwei Drittel der Italienerinnen und Italiener dem Recht auf Abtreibung zugestimmt. Mehr als 30 Jahre danach sieht die Situation dramatisch aus: Zwar sind sämtliche Gesetze und Bestimmungen noch in Kraft. Doch in Süditalien, in der Grossraum Mailand und in der Gebirgsregion Trentino Alto Adige weigern sich immer mehr Ärzte und Gynäkologinnen, die Eingriffe vorzunehmen.

Aussenansicht eines Spitals in Mailand.

Bildlegende: Symbolbild: An etlichen italienischen Spitälern werden keine Abtreibungen vorgenommen. Reuters

Gegen Bares geht vieles

Laut der neusten Untersuchung des Gesundheitsministeriums sagen bis zu 85 Prozent der Mediziner Nein zu einem Eingriff – aus Gewissensgründen. Doch in zahlreichen Fällen versteckt sich dahinter gewissenloses Verhalten. Manch zugelassener Arzt sagt im Spital Nein, um dann anzudeuten, dass der Eingriff sehr wohl in der privaten Praxis durchgeführt werden kann. Gegen Bezahlung in bar, versteht sich.

Wer nur auf ablehnende Ärzte stösst und es sich leisten kann, wendet sich an eine Klinik im Ausland. Frankreich, Grossbritannien und die Schweiz sind die bevorzugten Destinationen. Wer nicht über das nötige Kleingeld verfügt, hilft sich selber. Laut der Guardia di Finanza mischt die chinesische Mafia ganz vorne mit und verkauft den Frauen gefälschte Abtreibungspillen – zu einem Spottpreis.

Manchmal geht etwas schief

90 Prozent der Abtreibungen in den eigenen vier Wänden verlaufen gut. In jedem 10. Fall kommt es aber zu Komplikationen, mitunter auch zum Tod der Patientin. Etwas sicherer sind die ebenfalls häufig von Chinesinnen betriebenen illegalen Ambulatorien. Doch auch dort geht manches schief und dann ist niemand da, der wirklich helfen kann.

Das italienische Gesundheitsministerium schätzt, dass jedes Jahr 20'000 Frauen mit ihrem Anliegen auf Abtreibung in den öffentlichen Kliniken auflaufen. Laut Gesetz müsste der Staat abtreibungswilligen Frauen jedoch eine kostenlose Beratung anbieten, damit der Eingriff sicher verläuft. Doch das Angebot ist ungenügend ausgebaut.

Politischer Druck von rechts

Dafür verlangen die Rechte von Silvio Berlusconi und die katholische Kirche, dass sich abtreibungswillige Frauen zwingend in einer Einrichtung beraten lassen müssen, die ihnen den Entscheid zum Schwangerschaftsabbruch ausredet.

Mancher Beobachter vermutet, dass die hohe Zahl der Ärzte, die keine Abtreibung vornehmen will, eine Reaktion auf diesen permanenten politischen Druck von rechts ist. Ganz im Sinne von ‹besser, sich nicht um dieses heikle Thema kümmern, als bei einem allfälligen Politikwandel mit diesem Thema gebrandmarkt zu werden.›