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International «Italiens Aufnahmepolitik ist löchrig»

Der Flüchtlingsstrom nach Italien reisst nicht ab. In den vergangenen 40 Tagen sind jeden Tag über 200 Menschen per Boot aus Afrika ins Land gelangt. SRF-Korrespondent Rolf Pellegrini kennt das Problem und weiss, warum gerade Italien als Einreiseland so beliebt ist.

Italien weiss nicht wohin mit seinen Flüchtlingen. Der Bürgerkrieg in Syrien und die jüngste Krise in Ägypten haben die Situation verschärft. Allein in den letzten 40 Tagen sind über 9000 Flüchtlinge per Boot nach Italien gereist. Hinzukommen Menschen, die auf dem Landweg via Balkan Asyl in Italien beantragen wollen.

Die Folge: überfüllte Auffanglager mit hitziger Atmosphäre. Erst kürzlich kam es in zwei Lagern in Kalabrien und Triest zu Migrantenrevolten. Zwar tun die italienischen Behörden, als hätten sie Situation im Griff. «Aber das entspricht nicht der Wahrheit», sagt SRF-Korrespondent Rolf Pellegrini.

Das Problem Italiens mit seinen Flüchtlingen ist nicht neu. Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi pflegte die Politik getreu dem Motto «Aus den Augen aus dem Sinn». Das heisst: abschieben statt aufnehmen. Er erachtete es als humaner, Flüchtlinge auf dem Mittelmeer abzufangen und zurück in die Heimat zu schicken. «Andernfalls kommen sie hierher und landen in einem Lager, das – ich sollte das nicht sagen – einem Konzentrationslager ähnlich ist.»

Sackgeld für die Weiterreise

Die Abschiebe-Mentalität Berlusconi erntete von Menschenrechtsorganisationen Kritik. Die Zustände in den so genannten Identifikations- und Ausweiszentren aber beschreiben sie laut Pellegrini ähnlich. Sie seien «Zwangslager, schlimmer als Gefängnisse, die häufig auch nicht den Minimalanforderungen genügen».

Warum Italien als erste Anlaufstelle für Migranten so beliebt ist, habe auch mit seinem Ruf zu tun, sagt Pellegrini. «Es hat sich in vielen Ländern herumgesprochen, dass man Italien relativ einfach abtauchen kann oder von Italien aus relativ einfach weiterziehen kann in andere Länder.» Die Ausreise werde von den italienischen Behörden auch unterstützt. Offenbar auch mit Geld.

Italien fühlt sich von der EU alleine gelassen mit den Flüchtlingen. «Eine berechtigte Kritik», findet der Korrespondent. Bislang fehle eine gemeinsame Integrationspolitik. Aber die nördlichen Staaten als Egoisten zu bezeichnen, wie es in Italien heisse, sei falsch. Pellegrini: «Man vergisst dann aber zu erwähnen, dass zum Beispiel Deutschland zehn Mal mehr Asylgesuchsteller aufnimmt als Italien.»

Italiens Aufnahmepolitik, resümiert Pellegrini, ist «unzulänglich und löchrig». Stattdessen versinke vor allem der Süden in viel Selbstlob über seine Gastfreundschaft den Ankömmlingen gegenüber.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Und der Niedergang des "Roemischen Reiches" schreitet voran. Letztendlich tauchen die Untergetauchten bei uns wieder auf und reklamieren dann sofort wegen der nur CH - maenner-tauglichen Unterkunft. Dann werden wir noch gleichzeitig islamisiert.. grazie mille bella Italia!
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    In 'United Europe' funktioniert, mit Ausnahme der Schuldenmacherei, in Wirklichkeit politisch doch rein gar nichts, die einzigen Europäer, die wohl selber noch daran glauben, es uns zumindest immer wieder weismachen wollen, wie gut doch Europa funktioniere, sind die Schweizer, oder zumindest der Teil davon, der hofft, irgendwann auch noch Teil der Euro Verwaltungs-Bürokratie zu werden, sich einen dieser hochbezahlten und mit viel Privilegien ausgestatteten Freizeitjobs reinzuziehen. Viva Europa.
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  • Kommentar von franz schleiniger, montecatini/italien
    Alles richtig, was Pellegrini sagt. Es kommt dazu, dass in der neuen Regierung eine Ratsvorsitzende (Boldrini) und eine Integrationsministerin (Kyenge), Beide sogenannte Gutmenschen aus der linken politischen Ecke, das ganze noch fördern. Das Problem der illegalen Einreise (kaum Flüchtlinge, da sie ja in Italien kein Asyl beantragen) ist eigentlich ein EU-Problem und Italien wird allein gelassen! Illegale aus dem Balkan hat in Italien "Tradizion" und ist ein rein ital. Phänomen.
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    1. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Ohne EU müsste Italien ja auch mit dem Problem fertig werden. Es ist anscheinend Mode geworden bei Problemen, sei es mit der Schuldenmacherei oder hier den Flüchtlingen gleich nach der EU zu schreien, andererseits man sich aber in nichts dreinreden lassen will und lustig drauf los misswirtschaftet. Italien erhält von der EU Geld aus dem Flüchtlingsfond und auch sonst Subventionen en masse, wo bleibt denn nur das Geld ? Dem Schmarotzertum im Süden sollte man sich mit Null-Toleranz begegnen.
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Die Italiener haben afrikanischen Flüchtlingen 500 € in die Hand gedrückt und sie nach Norden geschickt,wo sie dann in Hamburg auf dem Jungfernsteg obdachlos campierten. Gem.EU-Recht müssen sie dahin zurückgeschickt werden,wo sie herkamen: Nach Italien.So sieht die Rechtslage aus,nichts mit EU-Hilfen. Das wäre wieder so ein Fass ohne Boden, solche Fässer haben wir schon mehr als genug in Europa. D z.B. hatte während des Balkankrieges Hunderttausende Flüchtlinge,davon wollte I keinen haben!!
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