Italiens Kleinsparer bezahlen die Zeche

In Italien nimmt sich ein Rentner das Leben, weil er all seine Ersparnisse verloren hat. Dem Suizid liegt ein grundsätzliches Systemversagen zugrunde: Der Mann hatte sein Geld in trügerischen Obligationen angelegt und ging bei einer Bankenrettung leer aus. Betroffen sind Zehntausende Italiener.

Ein italienischer Rentner verliert all sein Geld – und erhängt sich. Seine Witwe berichtet, er sei überredet worden, das Vermögen in Bankobligationen zu investieren. Ein Angestellter des Finanzinstituts habe ihr und ihrem Mann noch vor kurzem versichert, sie müssten sich keine Sorgen machen. Doch jetzt ist das Geld weg und ihr Mann tot. Zudem kann der Sohn nicht wie geplant heiraten, weil auch er Wertpapiere der Bank gekauft hatte.

Symbolbild: Eine Person sitzt auf einer Bank am Comersee, fotografiert im Gegenlicht.

Bildlegende: Zehntausende Italiener haben im Zuge der Bankenrettung viel Geld verloren. Imago

Regionalbanken unter Druck

Es ist dies eine italienische Tragödie. Den Hintergrund dazu bildet die lange und zähe italienische Schulden- und Wirtschaftskrise. Sie hinterlässt überall Lücken und Löcher. Die Banken spüren das, indem Hausbesitzer ihre Hypotheken schuldig bleiben, kleine und mittlere Unternehmer können Bankkredite nicht mehr zurückzahlen. Vor allem Regionalbanken drohen unter faulen Krediten zusammenzubrechen.

Vier von ihnen musste die italienische Regierung Anfang Dezember retten. Sie standen kurz vor dem Konkurs. Der Staat nahm dazu kein Geld in die Hand. Er konnte aber andere, liquide Banken dazu verpflichten, die Rettung zu finanzieren. Diese akzeptierten das Vorgehen murrend im Wissen darum, dass ein Konkurs den ganzen Finanzsektor und mit ihm die italienische Wirtschaft erschüttert hätte.

Nur Spareinlagen sind sicher

Die Rettung der vier Regionalbanken kostet dreieinhalb Milliarden Euro, sichert aber nur die Einlagen der Sparer. Ungedeckt bleiben die Obligationen, die diese Banken verkauft hatten. Und auch wer Aktien dieser vier Banken in seinem Besitz hatte, geht leer aus. Betroffen sind 140'000 Sparer, viele von ihnen Rentner, wie jener, der sich nun das Leben genommen hat.

Man müsse untersuchen, ob die Banken zu wenig über die Risiken solcher Wertpapiere informiert hatten oder Fahrlässigkeit der Finanzinstitute im Spiel war, wird nun gefordert. Dabei geht in der Diskussion weitgehend unter, dass sich die Sparer auch selber hätten informieren müssen und dass Wertpapiere nie ganz ohne Risiken sind.

Ruf nach dem Staat

Den Tod des Rentners vor Augen denkt die italienische Regierung sogar darüber nach, einen Solidaritätsfonds einzurichten. Auch mit Steuergeld soll also jenen geholfen werden, die ihr Vermögen mit unsicheren Wertschriften verloren haben.

Um das Ersparte anderer zu retten, müssten so aber auch all jene mitbezahlen, die selber gar kein Geld auf der Bank haben, also über kein Erspartes verfügen. Die lange und zähe italienische Krise hat dazu geführt, dass es auch von diesen immer mehr gibt.