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Jahresziele der UNO «Die internationale Gemeinschaft versagt»

Legende: Audio UNO-Generalsekretär Guterres hat ehrgeizige Ziele abspielen.
1:49 min, aus HeuteMorgen vom 17.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaum je zuvor hat ein UNO-Generalsekretär bei der Vorstellung seiner Jahresziele ein derart düsteres Bild der Weltlage gezeichnet wie nun Antonio Guterres.
  • Für dieses Jahr formuliert er ehrgeizige Ziele – von Nordkorea über Burma bis Syrien.
  • Doch zugleich macht er klar: Wirklich auf Kurs ist die UNO bei keinem einzigen dieser Ziele.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres beschönigt nichts: Bei der Vorstellung seiner Jahresziele vor der UNO-Generalversammlung sprach er von einer Welt, die sich im Rückwärtsgang bewege. Mehr Menschenrechtsverletzungen, mehr Rassismus, mehr Ungerechtigkeit, weniger Freiheit, sagte er. Bei seinem Amtsantritt hoffte er, 2017 zu einem Jahr des Friedens zu machen. Jetzt stelle er fest: Von Frieden könne keine Rede sein.

Es gebe mehr Konflikte, nicht weniger, sagte er. Die Angst vor Atomwaffen sei seit dem Kalten Krieg nie mehr so gross gewesen wie gerade jetzt. Und: Der Klimawandel schreite rascher voran als der Kampf dagegen. Die UNO ist nicht daran schuld – und auch nicht ihr Chef. Die Vertreter vieler Staaten attestierten ihm, er habe sein Bestes getan. Doch Guterres selber weiss: Es reichte nicht.

Mal fehlt das Geld, mal der Wille, mal das Vertrauen oder die Einigkeit

Für das neue Jahr setzt er sich einen ehrgeizigen Zwölfpunkteplan. Angefangen bei der UNO-Nachhaltigkeitsagenda 2030 über grössere Efforts gegen den Klimawandel bis hin zu einem Frieden in Syrien, der nukleare Entwaffnung Nordkoreas oder der Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge nach Burma. Noch passiere viel zu wenig, um es zu erreichen – warnt er bei praktisch jedem einzelnen Ziel. Mal fehlt das Geld, mal der Wille, mal das Vertrauen oder die Einigkeit.

Als gälte es, das Negativbild noch zu schärfen, sickerte gleich nach Guterres Auftritt durch, dass die USA beim Palästinenserhilfswerk UNWRA ihre Beiträge um die Hälfte kürzen wollen. Kurz: Man komme nicht umhin, es zuzugeben: Im Moment versage die internationale Gemeinschaft – und zwar in vielfacher Hinsicht, sagte er.

Als Guterres wichtigster und auch fast einziger Erfolg bleibt: Er erhöhte den Frauenanteil in der UNO-Chefetage, wie versprochen, erstmals in der Geschichte der Weltorganisation auf 50 Prozent.

6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    mehr Rassismus, mehr Ungerechtigkeit, weniger Freiheit... und alles von der UNO selber organisiert.
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Die Internationale Gemeinschaft hat nicht versagt. Sie ist nur den Staaten dieser Gemeinschaft mehr gerecht geworden.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Der UNO Generalsekretär muss wohl berufsbedingt ein düsteres Bild der Gegenwart zeichnen. Dass es all das Negative noch gibt ist sicher richtig. Was eindeutig falsch ist, ist das "Mehr". Z.B. erleben z.Z. viele Regionen eine noch nie dagewesen lange Periode des Friedens und weltweit gab es noch nie so wenig Kriegsopfer pro Mio. Erdbewohner wie heute. Ebenfalls bezweifle ich, ob der wirkliche Rassismus heute grösser ist als z.B. vor ca. 80 Jahren, z.Z. des Kolonialismus. der alten Römer, etc.
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