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Jamaika im Ausnahmezustand Morde für Adressen: Auf Jamaika herrschen Gewalt und Betrug

Legende: Audio Der jamaikanische Premier Andrew Holness begrüsst US-Aussenminister Tillerson Anfang Februar. abspielen. Laufzeit 4:40 Minuten.
4:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2018.

Ausnahmezustand auf Jamaika: Auf der Karibikinsel sind die Morde drastisch angestiegen. Für den Bezirk St. James, dem westlichen Teil der Insel, zu dem auch der bekannte Touristenhafen Montego Bay gehört, hat Premierminister Andrew Holness Ende Januar deshalb den Notstand ausgerufen. Er wurde vom Parlament mehrmals verlängert und gilt bis am 2. Mai. Holness hat auch die Armee in die Region beordert, wie der jamaikanische Staat bekannt gab.

Was bedeutet das für die Touristen? Die meisten Touristen kommen aus Kanada, Grossbritannien und den USA. Diese drei Länder haben denn auch Reisewarnungen herausgegeben. Sie machen ihre Landsleute darauf aufmerksam, dass sie aus Sicherheitsgründen in den gesicherten Hotel-Resorts bleiben und keine Ausflüge unternehmen sollen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seinen Reisehinweis für Jamaika nicht verschärft. Es warnt aber allgemein vor der hohen Kriminalitätsrate auf der Insel.

Die Folgen des Ausnahmezustandes: Die Sonderregelung erlaubt militärischen Einheiten, die Polizei bei Sicherheitsoperationen zu unterstützen. Dies könne Strassensperren und andere Einschränkungen zur Folge haben. Für die Touristen bedeutet dies, dass sie die Anweisungen lokaler Behörden befolgen sollen. Die Polizei patrouilliert auch auf den Strassen.

Kriminalität auf Jamaika: Schon bevor der Ausnahmezustand verhängt wurde, war Jamaika eines der gefährlichsten Länder der Welt. Es ist eines der zehn Länder mit den höchsten Mordraten. Letztes Jahr wurden auf der Karibikinsel 1600 Menschen ermordet, das waren 19 Prozent mehr als 2016. Allein auf dem Gebiet St. James, in dem der Ausnahmezustand verhängt wurde, wurden letztes Jahr 335 Personen umgebracht. «Die Gewalt ist ein gesellschaftliches Grundübel in Jamaika», sagt der freie Journalist und Jamaika-Kenner Klaus Ehringfeld.

Lottobetrügereien in grossem Stil verschärfen das Gewaltpotential: Gutgläubige Rentnern aus den USA und aus Kanada werden abgezockt, indem man ihnen einen Lotto- Millionengewinn in Aussicht stellt, der nicht existiert. «Der Gewinn wird ihnen gegen eine kleine Bearbeitungsgebühr, die 750 bis 2000 Dollar pro Woche ausmachen kann, versprochen», wie Ehringfeld sagt. Der Mechanismus funktioniert so: Wer einmal zu bezahlen anfängt, wird ständig aufgefordert, mehr zu bezahlen, und die Forderung wird durch angedrohte Gewalt unterstrichen. Durch diese Machenschaften kommen Hunderttausende von Dollars in den Kreislauf der Gewalt und der Kriminalität.

Morde für lukrative Adressen: Die Gangs, die sich an diesen Betrügen beteiligen, investieren das Geld in Waffen und Drogen und vergrössern ihre Gangs. «Gemordet wird nicht für Kokain, sondern für lukrative Adresslisten», sagt der jamaikanische Gewaltforscher Damoin Blake von der Elon Universität in North Carolina gegenüber der «Süddeutschen Zeitung».

Die Reaktion der USA: Aussenminister Rex Tillerson hat auf seiner Reise durch Lateinamerika in Kingston Premierminister Holness aufgefordert, die Lotteriebetrüger an die USA auszuliefern. Das sei allerdings bis jetzt noch nicht geschehen, sagt Kenner Ehringfeld.

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