Jemen – ein kaum beachteter Stellvertreterkrieg

Mit dem erstmaligen direkten militärischen Eingreifen der USA wird der Konflikt zunehmend internationaler. Die Grossmacht hat kürzlich Vergeltung für den Beschuss ihrer Kriegsschiffe geübt und drei Radarstationen an der Küste Jemens zerstört. Doch nicht nur die USA mischen mit.

Aufgebrachte jemenitische Männer

Bildlegende: Krieg in Jemen: Aufgebrachte jemenitische Männer protestieren nach einem Luftangriff der Saudis. Keystone

Bisher fand der Krieg in Jemen im Schatten der Schlagzeilen aus Syrien statt, obwohl bis anhin mehr als 10'000 Jemeniten getötet wurden und drei Viertel der Bevölkerung humanitäre Hilfe benötigen. Doch aus Jemen kommen keine Flüchtlinge nach Europa, auch deshalb wird der Konflikt wohl kaum beachtet.

Bis vor anderthalb Jahren hätte sich der Konflikt wohl intern beilegen lassen. Dafür ist es nun zu spät. Er hat sich zu einem weiteren Stellvertreterkrieg mit internationaler Beteiligung entwickelt.

Wer gegen wen kämpft

Saudi-Arabien und andere arabische Staaten unterstützen den halbwegs demokratisch gewählten jemenitischen Präsidenten Abedrabbo Mansur Hadi. Iran wiederum unterstützt die Allianz aus schiitischen Huthi-Rebellen und dem gestürzten Ex-Diktator Ali Abdullah Saleh.

Das saudische Militärengagement stützt sich auf eine UNO-Resolution, aber Riad geht erschreckend rücksichtslos vor. Der Anteil der zivilen Opfer beläuft sich fast auf einen Drittel.

Die USA liessen sich bis anhin nicht direkt in die jemenitischen Wirren hineinziehen. Sie beschränkten sich auf Drohnenangriffe gegen lokale Ableger von al-Kaida und des IS. Und auf Rüstungshilfe für Saudi-Arabien, bei der auch die Europäer kräftig mitmischen und damit ebenfalls Akteure in diesem Konflikt sind. Nachdem nun aber gleich zweimal patrouillierende US-Kriegsschiffe von der Huthi-Saleh-Allianz angegriffen wurden, schiessen die Amerikaner zurück.

Daran, dass sich die USA zunehmend in Jemen verstricken, hat Iran ein Interesse. Theran will zudem einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien treiben. Das absorbiert Energien in Washington und schwächt die USA, in denen das Regime in Teheran – Atomabkommen hin oder her – noch immer den Hauptfeind sieht.

Iran unterstützt die Huthi

Iran hat mit den Huthis einen starken Hebel im Jemenkonflikt, obschon die iranische Unterstützung für die Zweckverbindung aus Huthis und Ex-Diktator Saleh nicht riesig ist. Sie bekommen von Teheran zwar Geld und Waffen, doch noch immer weit weniger als etwa die libanesische Hisbollah.

Auf jeden Fall wird der Jemenkrieg immer internationaler. Das erschwert eine Lösung. Es fliesst immer mehr Blut. Lange kann die Welt diesen Konflikt nicht mehr ignorieren.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • IKRK-Präsident Peter Maurer besichtigt Ruinen in der Altstadt von Sanaa, der hauptstadt Jemens.

    IKRK-Präsident Peter Maurer - «katastrophale Lage» in Jemen

    Aus Rendez-vous vom 19.8.2015

    Wenn der IKRK-Präsident die Lage in einem Land als «katastrophal» bezeichnet, dann muss es schlimm sein. Peter Maurer ist eben zurückgekehrt von einer Reise nach Jemen - und Gast von Susanne Brunner.

  • Elham Manea.

    Elham Manea, Politologin, über die Lage in Jemen

    Aus Rendez-vous vom 20.2.2015

    In Jemen herrscht das politische Chaos, seit sich die Huthi-Rebellen an die Macht geputscht haben. «Das Land zerfällt und droht zum gescheiterten Staat zu werden», sagt die Politologin Elham Manea im Tagesgespräch bei Marc Lehmann.

    Marc Lehmann