Jemen: Huthi-Rebellen erobern Ölfelder

Die schiitischen Huthi-Rebellen machen im Südjemen Boden gut. Auch Luftangriffe haben die Kämpfer nicht stoppen können. Iran wirft dem saudischen Herrscherhaus «Völkermord» vor. Um die Hafenstadt Aden toben heftige Gefechte. Hilfe für die Einwohner kommt erst sporadisch an.

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Jemen-Konflikt: US-Aussenminister Kerry warnt den Iran

1:08 min, aus Tagesschau vom 9.4.2015

Die schiitischen Huthi-Rebellen haben die südjemenitische Stadt Atak und die umliegenden Ölfelder unter ihre Kontrolle gebracht. Der Vorstoss erfolgte trotz saudischer Luftangriffe gegen die Huthis, berichteten Augenzeugen.

«Saudis wie Israel»

Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, dessen Land die Huthi-Kämpfer unterstützen soll, bezeichnete das militärische Eingreifen der Saudis als «Fehler». Dem Herrscherhaus in Riad warf er wegen der Tötung von Zivilisten «Völkermord» vor. Die Saudis verhielten sich wie Israel im Gazastreifen. Irans Präsident Hassan Ruhani prophezeite dem saudischen Königshaus ein ähnliches Schicksal wie dem irakischen Diktator Saddam Hussein. Der war 2003 gestürzt und 2006 hingerichtet worden.

Bei ihrem Vordringen auf Atak stiessen die Rebellen laut der Berichte auf keinen Widerstand. Die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt der Provinz Schabwa waren dem 2012 abgetretenen Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben.
Salih-treue Armeeverbände dürften landesweit für die militärischen Erfolge der Huthis ausschlaggebend sein. Mit der Eroberung von Atak vermochten die aus dem Norden stammenden Rebellen ihre Position im Südjemen zu festigen.

Rebellen wollen Aden erobern

Derzeit greifen sie die südliche Metropole Aden an, die von Anhängern des ins Ausland geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi verteidigt wird. Eine von Saudi-Arabien geführte lokale Allianz bombardiert seit mehr als zwei Wochen Stellungen der Huthis aus der Luft und von See aus. Die USA unterstützen Riad dabei mit Waffenlieferungen und Geheimdiensterkenntnissen.

Die Intervention stiess auf Kritik, weil sie Opfer unter der Zivilbevölkerung fordert und den Vormarsch der Huthis und ihrer Verbündeten nicht zu stoppen scheint. Ruhani sagte an die Adresse der USA: «Ihr habt eure Fehler in Syrien eingesehen, das werdet Ihr demnächst auch im Jemen einsehen.»

Hilfe für Aden bitter nötig

Der Bürgerkrieg in Jemen stellt auch die internationalen Hilfswerke vor grosse Herausforderungen. Das gilt besonders für die Stadt Aden im Süden des Landes. Dort liefern sich Huthi-Rebellen und Anhänger von Präsident Hadi Kämpfe. Weil Adens Flugplatz ausser Betrieb ist, muss dringend benötigte medizinische Hilfe über den Seeweg nach Aden gebracht werden.

Durch den Golf von Aden versuchen die Hilfswerke medizinische Hilfe in die umkämpfte Hafenstadt zu bringen. Nun erreichte erstmals ein Ärzteteam des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) die Hafenstadt. Über zehn Stunden habe das Team auf See verbracht, sagt IKRK-Sprecherin Sitara Jabeen.

Zu viele Kriegsverletzte für zu wenige Ärzte

Die IKRK-Ärzte seien mit dem Nötigsten ausgestattet. Es sei aber schwierig, den Ansturm der Kriegsverletzten in den Spitälern in Aden zu bewältigen. Ein Team der Organisation Ärzte ohne Grenzen, das schon länger in Aden arbeitet, bestätigt die IKRK-Angaben.

Seit Beginn der Kämpfe habe man in einem Spital fast 600 Kriegsverletzte behandelt – weitere medizinische Hilfe sei bitter nötig. Immerhin: Gestern erreichte ein erstes Boot mit Hilfsgütern das Team von Ärzte ohne Grenzen. Auch das IKRK will versuchen, weitere Hilfe nach Aden zu senden. Das IKRK wolle versuchen Hilfsgüter zuerst in die Hauptstadt Sanaa zu fliegen – und dann auf dem Landweg nach Aden zu senden.