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International Jetzt fordern die Schotten mehr Autonomie

Die Befürworter des Referendums zeigen sich enttäuscht über ihre Niederlage. Sie fordern jetzt weitreichende Autonomie von London. Premierminister David Cameron hat erste Gesetzesentwürfe bereits für Januar angekündigt.

Legende: Video Schottland sagt „no“ zur Unabhängigkeit abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.09.2014.

Ministerpräsident Alex Salmond räumte in einer ersten Stellungnahme die Niederlage ein. «Danke Schottland für 1,6 Millionen Stimmen für die Unabhängigkeit Schottlands», sagte Salmond vor Anhängern. «Wir wissen jetzt, dass es eine Mehrheit für die Nein-Kampagne geben wird. Ich akzeptiere das Urteil des Volkes, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Unabhängigkeit geben soll.»

Er sei jedoch stolz darauf, was die Nation in den letzten Tagen geleistet habe. «Das ist ein Triumph der Demokratie.» Salmond erwartet jetzt aber, dass die britische Regierung ihre Versprechen für eine weitgehende Autonomie rasch erfüllt.

«Persönlich und politisch enttäuscht»

Auch die schottische Vizeministerpräsidentin Nicola Sturgeon sagt: «Ich bin persönlich und politisch enttäuscht.» Dennoch habe das Stimmvolk ein wichtiges Signal für den Wandel gegeben. Sie ist sich sicher, dass sich Schottland für immer verändert hat.

Legende: Video SRF-Korrespondent Urs Gredig zum Ergebnis abspielen. Laufzeit 2:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.09.2014.

Der Labour-Politiker und ehemalige britische Schatzkanzler Alistair Darling, der die Kampagne gegen die Unabhängigkeit angeführt hatte, zeigte Verständnis für die Enttäuschung der Unabhängigkeitsbewegung. Es sei jetzt wichtig, das geteilte Land wieder zusammenzubringen.

Der schottische Labour-Politiker Jim Murphy ist Mitglied des Unterhauses in London und Kämpfer für die Union. Er sagte gegenüber der BBC: «Die Debatte um die schottische Unabhängigkeit wird ganz Grossbritannien und vor allem England wecken.» Denn auch Nordengland fühle sich von der Regierung in London abgehängt. Es brauche schnell eine Änderung der britischen Politik.

Cameron für föderaleres Grossbritannien

Dieses Signal scheint der britische Premierminister David Cameron verstanden zu haben. Er sei wie viele andere erfreut über das Ergebnis. In einer Ansprache erklärte er aber auch: «Schottland, wir haben euch gehört und eure Nachricht verstanden. Wir werden eine bessere Zukunft sorgen und unsere Versprechen für mehr Autonomie einhalten.» Erste Gesetzesentwürfe sollen im Januar bereitstehen.

Er sagte auch, dass er sich für föderalere Strukturen im ganzen Königreich stark machen wolle. Das gelte nicht nur für Schottland, sondern auch für England, Wales und Nordirland.

Weitreichende Verfassungsreformen

Nick Clegg, stellvertretender Premierminister des Vereinigten Königreichs, zeigt sich hoch erfreut über den Ausgang der Abstimmung. Er sagt jedoch auch, dass seine Regierung bald ein Paket für grössere schottische Autonomie liefern müsse. Gleichzeitig hält er fest: «Dieses Referendum öffnet nicht nur ein neues Kapitel für Schottland innerhalb Grossbritanniens, sondern auch für weitreichende Verfassungsreformen im ganzen Königreich.»

4 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Autonomie? Da ist immer eine Mogelpackung dabei. Man kann sich zwar selber regieren, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Letztlich wird doch von aussen entschieden, wie es läuft. Vor 80 Jahren z.B. wären viele Schotten und Waliser noch froh gewesen, sie wären so neutral gewesen wie die Iren. Zudem ist eine Autonomie keine Garantie dafür, dass es wirklich besser läuft. Wie war es bei uns? Man wurde zwar Gessler & Co. los, hatte aber nach Stauffacher & Co. unzählige hauseigene Vögte.
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    1. Antwort von andreas furrer, prilly
      ganz ihrer meinung juha stump, aber hier toben die achtziger aus wovon die achtundsechziger nur träumten (während die alles-wird-guten schon marignano aufgleisen).
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  • Kommentar von Peter Schuler, Bern
    Toll, mehr föderale Strukturen fördern. Die Wege zu dieser Erkenntnis sind oft schwierig. Ich hoffe, die EU nimmt dies ernst, sie hat keine andere Wahl.
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Erste starke Auflösungserscheinungen in Europa überall. Weil all das, was man mit Gewalt zusammenklebt, irgendwann wieder aufbricht. Das gilt für die Ukraine genauso wie für Schottland oder Bayern und sollte insbesondere einer EU zu denken geben. Die Reaktion der Briten mit weitreichender Autonomie und weniger Zentralisierung sollte ein Vorbild in der Konfliktlösung sein. Europa braucht keine Steuerzentrale, um Europa zu sein. Weniger EU wäre mehr EU.
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