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Neue Abgasvorschriften Jetzt geht’s den Schummeleien an den Kragen

Ab 1. September gelten strengere Abgasvorschriften für Autos. Die neuen Prüfverfahren sollen die Tricks der Hersteller verunmöglichen und vor allem Dieselautos sauberer machen. Dennoch dürfte es Jahre dauern, bis die Autos auf der Strasse auch sauberer sind.

Legende: Video Neue Abgasnormen abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.09.2017.

Jeder Autofahrer weiss: Der reale Spritverbrauch ist viel höher als die Angabe im Prospekt seines Autos. Der Diesel-Skandal hat ausserdem aufgedeckt, dass die Hersteller bei der Zulassung tricksen, um die Grenzwerte bei den Schadstoff-Emissionen einzuhalten.

Schuld am Missstand sind die illegalen Praktiken der Autobranche. Tatsache ist aber auch, dass die Prüfverfahren der Behörden ungenügend sind und der Industrie viele Schlupflöcher bietet. Bis jetzt.

Ab 1. September treten europaweit neue Abgasvorschriften in Kraft, welche die Schweiz automatisch übernimmt. Sie bringen im Wesentlichen drei Verbesserungen:

  • Realistischere Messverfahren im Labor: Die Tests auf dem Prüfstand werden etwas angepasst an die Realität. Bisher konnten beispielsweise Fahrzeuge im Labortest mit teilweise wesentlich geringerem Gewicht geprüft werden, als sie in der Praxis auf den Strassen umherfahren. Mit den neuen Vorschriften muss sowohl die leichteste wie auch die schwerste Version des Fahrzeugs geprüft werden
  • Offenlegung Abgasreinigung: Bisher mussten Fahrzeughersteller keinerlei Details über die Steuerung ihrer Abgasreinigung angeben und konnten die Abgasreinigung ausserhalb des Labors einschränken. Mit den neuen Bestimmungen zur Offenlegung der Funktionen zur Abgasreinigung in der Motorsteuerung ist dies nicht mehr möglich
  • Messungen auf der Strasse: Die wichtigste Neuerung ist jedoch die Einführung realitätsnaher Strassenmessungen. Damit soll endlich sichergestellt werden, dass sich die Diskrepanz zwischen Labormesswerten und realen Emissionen verringert.

Lange Übergangsfristen

Dennoch werden die Autos nicht auf Anhieb sauber. Das neue Abgasmessverfahren namens WLTP «world-wide light duty vehicle test procedure» stellt eine Verschärfung der Euronorm 6 dar, die seit 2014 gilt. Doch die Vorschriften gelten nur für neue Modelle, die ab September zugelassen werden.

Ausserdem erfolgt die Einführung stufenweise: Den Autohersteller werden lange Übergangsfristen gewährt. Für die Messungen auf der Strasse müssen erst im September 2019 Grenzwerte erfüllt werden. Erst ab 2021 darf schliesslich die Abweichung zwischen Strassen- und Labortest nur noch minimal sein.

«Wirklich sauberer müssen die Autos erst in zwei Jahren sein», betont Christian Bach, Christian Bach von der EMPA, der an der Entwicklung des neuen Prüfverfahrens mitgearbeitet hat. Er empfiehlt darum nur Dieselauto zu kaufen, die die strengsten Vorschriften erfüllen.

Grundsätzlich ist Bach aber überzeugt, dass die neuen Abgasvorschriften zu besseren Abgaswerten der Dieselautos führen werden. Umso bedauerlicher findet er die langen Übergangsfristen. Mit anderen Worten: Erst in 3 Jahren kommen die neuen strengen Vorschriften ganz zur Geltung.

Übergangsfrist eher knapp bemessen

Das Autogewerbe wehrt sich gegen diese Sichtweise. Das neue Prüfverfahren sei ein Fortschritt schon ab heute. Übergangsfrist von 2 Jahren sei ausserdem für so komplexe Verfahren eher knapp bemessen.

Generell führt der neue Messzyklus im Labor zu realistischeren Verbrauchswerten. Andreas Burgener von Auto-Schweiz betont: «Wir begrüssen diese Neuerung. Endlich sind wir die leidige Diskussion los über abweichende Resultate bei Treibstoffverbrauch.»

Spritverbrauch-Daten etwas realistischer

Generell wird beim Treibstoffverbrauch führt der neue Messzyklus im Labor zu etwas realistischeren Verbrauchswerten. Experten schätzen, dass die Diskrepanz zwischen Angaben in der Werbung und dem realen Spritverbrauch auf ca. 20 Prozent schrumpfen wird. Andreas Burgener von Auto-Schweiz betont aber: «Wir begrüssen diese Neuerung. Endlich sind wir die leidige Diskussion los über abweichende Resultate bei Treibstoffverbrauch.»

Nach wie vor aber werden für die Ermittlung des Verbrauchs keine realen Strassenmessungen gemacht. Viele Autofahrer werden also immer noch staunen, welch tiefen Verbrauchswerte in ihrem Kaufprospekt stehen.

Euro6: Der kleine Unterschied

Die neue strenge Abgasnorm Euro 6 wird in mehreren Stufen eingeführt. Wichtig: Erst ab September 2019 sind die Strassenmessungen verbindlich für die Hersteller.  Umweltbewusste Käufer sollten also auf die Bezeichnung Euro6d-Temp und Euro6d achten. Die Empa empfiehlt aus lufthygienischen Gründen, Dieselfahrzeuge nur nach der strengen Abgasnorm Euro 6d-Temp oder Euro 6d zu kaufen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Also mal langsam. Da stellt man fest dass in Büroräumen und z.B. In der S-Bahn wesentlich mehr Stickoxide vorhanden sind als im Abgas. Was tun? S-BAHN und Büroräume verbieten? Die ganze Diskussion ist stark lobbymässig belastet und geht an der Wirklichkeit aber so etwas von vorbei. Die Amis verbrauchen pro 100 km = 20 Liter, die europäischen Autos deutlich weniger. Also ran an die Europäer und schlechte Ergebnisse Geiseln.
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  • Kommentar von Helmut Meier (Helmi)
    Wir haben jetzt über 100 Jahre Entwicklung am Verbrennungsmotor und haben es gerade mal geschaft, aus Benzin, Disel oder Gas 20-30% Energie für die Vortbewegung zu nutzen. Der Elektromotor kommt ohne grossen Aufwand über 90%. Gut das mit der Batterie ist noch in den Kinderschuhen, aber wenn wir uns noch ein wenig anstrengen bekommen wir das besser hin.
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Ich habe kürzlich ein deutsches Auto in DE mit Euro6d gekauft und mit dem Parallelimport sogar gegenüber den Schweizerpreisen noch Geld gespart. Die Polemik und Klagen der Amis gegen Europäische Firmen (Auto und Banken) scheint wirtschaftlich begründet und ist kein Grund zu einem schlechten Gewissen.
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    1. Antwort von Helmut Meier (Helmi)
      Glückwunsch Herr Bühler, ich denke mal, ist schon ein ordentlicher Wagen, damit sich die Aufwendungen auch lohnen. Weil er so sauber ist mit Euro6d, starten Sie ihn jetzt immer eine Std. früher in der Garage, damit wenn sie starten, er auch richtig klimatisiert ist. So wie die Spatzen von den Dächern pfeiffen kommt die eingesogene Luft ja hinten sauberer raus.
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