Jubel und Trauer auf den Strassen Roms

Das Ende der Ära Berlusconi sorgte in Rom für Aufruhr auf beiden Seiten. Während die Unterstützer des ehemaligen italienischen Premiers vom «Todestag der Demokratie» sprachen, liessen seine Kritiker die Korken knallen.

Berlusconi winkend.

Bildlegende: Auf Wiedersehen Senat – als Parteichef der Forza Italia bleibt er sicher im Gespräch. Keystone

Der Ausschluss Silvio Berlusconis aus dem Senat erhitzt die Gemüter im Parlament – und in den Strassen Roms. Während die Anhänger des «Cavaliere» vor dessen Residenz Palazzo Grazioli ihre Solidarität mit dem Ex-Premier signalisierten, liessen Anhänger der Berlusconi-kritischen Bewegung «lila Volk» die Korken knallen.

Parlamentarier der «Fünf Sterne»-Bewegung rollten im Senat Spruchbänder gegen Berlusconi aus, während einige zum Zeichen der Trauer in schwarz gekleidete Senatorinnen der Berlusconi-Partei Forza Italia trostlos den Kopf schüttelten.

Marina Berlusconi, älteste Tochter des Medientycoons und Chefin seiner TV-Holding Fininvest, betonte in einer Medienmitteilung, Italien sollte sich für all das schämen, was ihr Vater erleiden müsse. «Die Politik wird es bereuen, vor einer Justiz kapituliert zu haben, die all jene zerstört, die ihre Übermacht in die Schranken weisen wollen», kommentierte Marina Berlusconi.

«Italien verdient nicht einen Mann, den Millionen von Italienern mit ihren Stimmen gewählt haben, jedoch vom Parlament wegen einer absurden Verurteilung ohne Beweise ausgeschlossen wird», sagte die 46-jährige Unternehmerin. Ihr Vater sei jedoch nicht politisch am Ende und werde weiterhin als Chef der Forza Italia in der Politik bleiben.

«Todestag der Demokratie»

«Heute ist der Todestag der Demokratie in Italien. Der Chef der Mitte-Rechts-Allianz wird aus dem Parlament rausgeworfen», betonte der Fraktionschef der Forza Italia (FI) im Senat, Paolo Romani. «Parlament und Linke haben sich mit blinder Wut gegen Berlusconi verbündet, doch Berlusconi ist wie Phönix, der aus der Asche immer wieder aufersteht», kommentierte die FI-Senatorin Anna Maria Bernini.

Alfano solidarisch

Solidarisch mit Berlusconi erklärte sich Ex-Innenminister Angelino Alfano. Die langjährige «rechte Hand» des Medienzaren hatte sich vor zwei Wochen von ihm getrennt und die Mitte-Rechts-Partei NCD (Neue Rechte Mitte) gegründet.

«Heute haben wir einen schlimmen Tag für das Parlament und Italien erlebt», betonte Alfano. Im Gegensatz zu Berlusconis Forza Italia, die am Dienstag aus der Regierungskoalition um Premier Enrico Letta ausgetreten ist, will Alfano dem Kabinett treu bleiben.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Italiens Senat wirft Berlusconi raus

    Aus Tagesschau vom 27.11.2013

    Der frühere italienische Premierminister Silvio Berlusconi muss seinen Sitz als Senator räumen. Eine Mehrheit im Senat hat den Cavaliere in einer mit Spannung erwarteten Abstimmung aus dem Parlament geworfen. Damit verliert der 77-Jährige auch seine politische Immunität. Einschätzungen von Italien-Korrespondent Philipp Zahn.