«Kalter Krieg»: Säureanschlag auf Moskauer Ballett-Direktor

Es tönt wie in einem Krimi. Der Posten des Ballett-Direktor im Moskauer Bolschoi-Theater zählt zum begehrtesten in der Branche. Sergej Filin bekam dies am eigenen Leib zu spüren.

Balletttänzer

Bildlegende: Sergej Filin (r.) zählt zu den weltbesten Tänzern (hier mit seiner Ballettpartnerin Inna Petrova). Reuters

Ärzte eines Moskauer Krankenhauses kämpfen um das Augenlicht Sergej Filins, dem Ballet-Direktor des Bolschoi Theaters. Ein Unbekannter hatte Filin am späten Donnerstagabend vor seiner Wohnung angegriffen, wie die Polizei mitteilte. Filins Posten gilt als einer der einflussreichsten in der Welt des Tanzes – und als einer der umkämpftesten. Seit 2011 führt er die grösste und berühmteste Balletttruppe der Welt.

«Kalter Krieg» in der Branche

«Russische Medien erinnern heute daran, dass bereits seine Wahl skandalumwoben war», sagt SRF-Russland-Korrespondent Christof Franzen. Favorit für den Posten sei damals Star-Tänzer Gennadij Janin gewesen. «Allerdings zirkulierten dann pornographische Fotos im Internet, die angeblich Janin zeigten. Janin musste das Theater verlassen.»

Der Familienvater hatte Medien zufolge viele Neider. Ausserdem bestimmt Filin die Tänzer für Rollen, was immer wieder zu Konflikten innerhalb der Truppe führt.

Überhaupt werde im russischen Ballettgeschäft seit Jahren mit harten Bandagen gekämpft, sagt Franzen. «Es war auch schon von ‹Kaltem Krieg› die Rede.» Aber mit dem Säureanschlag auf Filin nehme das ganze neue Dimensionen an.