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Dringend gesucht: Corona-Impfstoff für Afrika
Aus Rendez-vous vom 20.04.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
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Kampf gegen Corona Afrika hat im Verteilkampf um Covid-Impfdosen keinen Stich

In Afrika südlich der Sahara erhielt noch nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung eine Covid-Impfung. Und doch gerät die Impfkampagne in vielen afrikanischen Ländern bereits wieder ins Stocken. Die Gründe dafür sind Lieferschwierigkeiten und falsche Prioritäten afrikanischer Staaten, aber auch die jahrelange Hilfe von aussen.

Optimismus ist verschwunden

Noch im Januar hatte die Afrikanische Union Optimismus versprüht. Sie teilte mit, bereits 670 Millionen Impfdosen für ihre Mitgliedsländer gesichert zu haben. Die Initiative Afrikas fand global Anerkennung.

Unterdessen jedoch zeigt sich, dass die Ankündigungen verfrüht waren. Der Einkauf von Impfstoff ist komplex, der Markt volatil, Absichtserklärungen sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben werden. Fakt ist: Bisher konnte sich die Afrikanische Union bloss 220 Millionen Dosen des Impfstoffes von Johnson & Johnson sichern, der frühestens im Juli eintreffen wird.

Prioritäten werden anders gesetzt

Afrikas Regierungen verlassen sich primär auf Spenden. Dank der Covax-Initiative zur gerechten Verteilung von Impfstoffen haben die meisten Staaten eine erste Lieferung erhalten. Viele Länder Afrikas aber beschaffen selbst keine Impfungen – weil sie nicht können oder nicht wollen.

Sie setzen ihre Prioritäten anders. Kenia etwa nimmt fleissig Kredite für Infrastrukturprojekte auf und leistet sich eines der teuersten Parlamente der Welt. Doch erst nach Protesten aus der Bevölkerung kündigte die Regierung an, selbst Impfstoff erwerben zu wollen.

Es herrscht ein Impfchaos

Dazu kommt, dass in vielen Staaten Afrikas ein Impfchaos herrscht. In Malawi und Südsudan müssen abgelaufene Impfdosen vernichtet werden. Ghana hat schon fast alle erhaltenen Dosen verimpft – nun fehlt der Stoff für den zweiten Stich. In Kenia wurde der russische Impfstoff Sputnik V kommerziell angeboten, und nach einer Empörungswelle wieder verboten.

Dazu kommt, dass die Impfskepsis in Afrika gross ist. Die Sicherheitsbedenken westlicher Länder, was etwa die Impfstoffe von Astra-Zeneca oder Johnson & Johnson betrifft, spielen dabei sicher mit.

Nicht zuletzt hat Afrikas Gesundheitssystem ein strukturelles Problem. Die Gesundheitsversorgung ist von Spenden und Hilfsorganisationen abhängig. Der Kontinent besitzt kaum eine eigene Pharmaindustrie. 99 Prozent aller Impfungen auf dem Kontinent werden importiert.

Strukturwandel braucht Zeit

Die Afrikanische Union hat darum letzte Woche eine Impfkonferenz durchgeführt – mit dem Ziel, bis in 20 Jahren die Mehrheit der Impfstoffe selbst herstellen zu können. Das Problem ist erkannt, doch der Strukturwandel braucht Zeit und politischen Willen.

Vorderhand ist Afrika weiter auf Almosen angewiesen – und hat im globalen Verteilkampf um Impfungen keinen Stich.

Samuel Burri

Samuel Burri

Afrika-Korrespondent

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Samuel Burri berichtet seit 2017 für SRF über das Geschehen in Afrika. Er lebt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Der studierte Historiker war vor seinem Engagement bei SRF als freier Journalist in Ghana und Westafrika tätig.

Rendez-vous, 20.4.2021, 12:30 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Wen wundert's. Ich habe nicht viel anderes erwartet. Gewisse Kreise werden sich schon abgesichert haben. Gut vorstellen kann ich mir auch, dass China versuchen wird gegen Hilfe seine weiteren Interessen anzumelden. Dass schlussendlich jedes Land sich am nächsten ist, ist wohl menschlich. Wie bereits erwähnt wurde, steht in vielen afrikanischen Ländern die Beschaffung von Nahrung im Vordergrund. Zudem denke ich, dass auf dem Land die Menschen wenige brauchbare Informationen haben.
  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Na ja, Afrika ist aufgrund seiner Altersstruktur vom Coronavirus kaum betroffen. Es gibt in keinem afrikanischen Staat eine Übersterblichkeit und die Spitäler sind nicht stärker belastet als in "normalen" Zeiten. Genau deshalb sehen viele Afrikanischen Staaten keine Notwendigkeit, die Impfungen voranzutreiben. Es gibt andere, viel dringendere Probleme, wie beispielsweise der Hunger, die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser, hohe Kindersterblichkeit oder kriegerische Auseinandersetzungen.
  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Das hier keine Kommentare kommen zeigt eindrücklich wie egal uns das ist solange wir nicht geimpft worden sind.
    1. Antwort von Fabian Malovini  (malovini.ch)
      ich verzichte gerne auf die impfung, solange es noch jemanden gibt, der sie dringender braucht als ich - egal ob in afrika oder sonst wo.