Zum Inhalt springen

International Kampf gegen IS-Terror: Kobane wieder unter kurdischer Kontrolle

Kurdische Kämpfer haben die Terrormiliz IS aus der syrischen Stadt Kobane vertrieben. Die Dschihadisten haben sich in die Umgebung Kobanes zurückgezogen. Die Rückeroberung der Stadt gilt bislang als wichtigste Niederlage für die IS-Extremisten – und als möglicher Wendepunkt.

Kurdische Kämpfer gehen in Richtung Ortseingang von Kobane.
Legende: Kobane wird laut Aktivisten praktisch vollständig von kurdischen Einheiten kontrolliert. Keystone

Nach mehr als vier Monaten erbitterter Kämpfe haben die Kurden die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) aus der syrischen Grenzstadt Kobane vertrieben.

Mit Hilfe von Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten ist es den Kurden gelungen, die Extremisten nach und nach zurückzudrängen. Jetzt ist die Stadt wieder voll unter Kontrolle der Kurden. Dies bestätigt die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Dies ist ein Sieg für alle Kurden.
Autor: Idriss NassanKurden-Sprecher

Die Kurden seien nun dabei, im Osten der Stadt Häuser auf der Suche nach Sprengladungen zu durchkämmen, so die Beobachtungsstelle. Kurden-Sprecher Idriss Nassan bestätigte die Information: «Dies ist ein Sieg für alle Kurden.»

Die kurdischen Einheiten in Kobane werden von verbündeten kurdischen Kämpfern aus Nordirak unterstützt. Zudem startete eine internationale Koalition unter der Führung der USA Ende September Luftangriffe gegen IS-Stellungen. Die Stadt liegt an der Grenze zur Türkei in einer Enklave, die bislang überwiegend von Kurden bewohnt wurde.

Eine Explosion und Rauch steigen über Häusern auf
Legende: Bei teilweise heftigen Gefechten wurde in den letzten vier Monaten die Hälfte der Stadt komplett zerstört. Reuters

1600 Tote bei erbitterten Kämpfen

Der IS hatte Mitte September seine Offensive gegen Kobane gestartet. Laut der Beobachtungsstelle in London wurden seither mehr als 1000 IS-Kämpfer um Kobane getötet. Insgesamt habe es 1600 Tote gegeben. Nur im äussersten Osten, am Rand des Stadtteils Maktala, kämpften noch einige Extremisten. Ansonsten hätten sich die IS-Kämpfer vor die Stadt zurückgezogen.

Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen. Die oppositionsnahe Organisation verfügt aber in Syrien über ein dichtes Netz von Informanten. Dass die Kurden Kobane verteidigen konnten, werten Experten als bislang wichtigste Niederlage für die IS-Extremisten und als möglichen Wendepunkt.

US-Zentralkommando: 90 Prozent unter Kontrolle

Gemäss Schätzungen des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) sind derzeit 90 Prozent von Kobane unter kurdischer Kontrolle. «Obwohl der Kampf gegen den IS noch längst nicht vorbei ist, hat der IS durch sein Versagen in Kobane eines seiner strategischen Ziele verfehlt», gaben die Militärs in der Nacht auf Dienstag bekannt.

«Kobane bleibt umkämpft», sagte auch die Sprecherin im US-Aussenministerium, Jen Psaki, in Washington. Die Extremisten würden zwar zurückgedrängt, dieser Prozess sei aber noch nicht beendet.

Auch im benachbarten Irak meldeten die Sicherheitskräfte laut Berichten Erfolge gegen den IS. Die Extremisten seien aus der kompletten Provinz Dijala nördlich von Bagdad vertrieben worden, zitierte der Nachrichtensender Al-Arabija einen Polizeioffizier.

Rauch über Kobane
Legende: Kobane wurde zu einem Symbol des kurdischen Widerstandes gegen den IS Reuters

Friedensgespräche ohne Opposition

Mit wenig Hoffnung auf eine Verhandlungslösung begannen unterdessen in Moskau neue Friedensgespräche über ein Ende des syrischen Bürgerkriegs. Zu dem Treffen seien 27 bis 28 Vertreter der Opposition eingetroffen, sagte Russlands Vizeaussenminister Michail Bogdanow laut russischen Nachrichtenagenturen. An ihrer Spitze stehe der ehemalige UN-Syriengesandte Lakhdar Brahimi.

Auch die Regierung schickte eine Delegation in die russische Hauptstadt.
Am Verhandlungstisch fehlen allerdings Vertreter des grössten Exil-Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition. Eine Koalitions-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, keiner ihrer neun eingeladenen Mitglieder nehme an den Gesprächen teil. Das vom Westen unterstützte Bündnis mit Sitz in Istanbul kritisiert, Russland habe nicht die Oppositionsgruppen an sich, sondern nur einzelne Regimekritiker eingeladen.

IS beherrscht immer noch riesige Flächen

Die mächtigen radikalislamischen Milizen des Islamischen Staates und der Nusra-Front sind gar nicht eingeladen. Sie bekämpfen sowohl die Regierung als auch die vom Westen unterstützten Oppositionsgruppen. Der IS kontrolliert auch nach dem Verlust Kobanes noch immer rund ein Drittel Syriens. Auch im Irak beherrscht er riesige Flächen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von André Pi, ebikon
    wieso wird da um eine Stadt gefightet die schon total zerstört ist?? macht das sinn?? gibt es überhaupt noch einen einzigen Bewohner da oder 1 Haus das noch ganz ist????
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Kein Fussbreit diesen IS-Killern und ihren Unterstützern aus aller Welt. Sie sind erwachsen und sie wissen was sie tun! Und wenn sie den Tod in Kauf nehmen weil sie Geschichten aufgesessen sind, bitte, auch damit wird der geübte,kurdische Scharfschütze oder der US-Kampfpilot fertig. Zum Schluss wird man ohnehin nur eine schwarz-weiss Silhoulette in einer Nachtsicht-Richtkamera sein. Aber um das zu merken,dazu reicht es bei den "Europäern", die sich nach Syrien/Irak als Kämpfer aufmachen,nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Kobane wurde wie ich voraussagte gehalten. Das ist gut für die Moral der Kurden. Viel wichtiger ist jedoch das Kirkuk im Irak nicht in die Hände der IS fällt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Kirkuk wird nicht in die Hände der ISIS fallen - im Gegenteil: Die müssen froh sein, wenn sie nicht schon bald aus Mosul verjagt werden. Die ersten Dörfer um Mosul haben die Peshmerga bereits zurückerobert und die ISIS- Nachschublinien in die Stadt gekappt. Die ISIS ist schon so verzweifelt, dass nun alle Männer, Frauen und Jugendliche über 15 Jahre dazu gezwungen werden, die Stadt an der Seite der Jihadisten zu verteidigen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen