Kampf um die neuen Internet-Domänen

Im Internet tobt derzeit eine Debatte um neue Domain-Namen: Die private kalifornische Firma Icann hat eine Menge neuer Adress-Endungen auf den Markt gebracht, die viele haben wollen. Zum ersten Mal wollen auch die Staaten bei der Verteilaktion ein Wörtchen mitreden.

Darf sich eine bankenkritische Vereinigung eine Internetadresse mit der Endung .bank sichern? Gehören Adressen, die auf .amazon oder .swiss enden einem Unternehmen oder der Allgemeinheit? Und darf sich ein Adressenhändler tausende Namen mit der Endung .gmbh reservieren, auch wenn er selbst keine GmbH ist? Solche Fragen muss derzeit die Internet-Adressenverwalterin Icann beantworten.

Schweizer sucht den Kompromiss

Seit kurzem ist der Schweizer Thomas Schneider neuer Präsident des staatlichen Icann-Beirats. Er ist stellvertretender Leiter des internationalen Dienstes beim Bundesamt für Kommunikation. «Wir sind mit den neuen Domain-Namen von einer technischen Verwaltung in eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Diskussion gerutscht», stellt er fest.

Bisher wurde die Adressvergabe primär über den Markt geregelt. Icann stellte die Adressen zur Verfügung, und wer sie zuerst registrierte war deren Besitzer. Die Adressen wurden gehandelt und es wurde vor Gericht im sie gestritten.

Weil es mittlerweile Millionen von Webseiten gibt, wurde der Platz für neue Namen knapp. Deshalb hat Icann zu den Länderkennzeichnungen wie .ch und den Spezialendungen wie .net, .org oder .com nun 1500 neue, so genannte Toplevel-Domains hinzugefügt.

Es geht um viel Geld und Macht

Der weltweite Verteilkampf um diese Adressblöcke ist heftig. Wer die Kontrolle über solche Domänen hat, kann damit viel Geld verdienen. Vor allem aber fürchtet sich die Politik vor missbräuchlichen Registrierungen. Deshalb wollten die Staaten mehr Kontrolle darüber erhalten, wer überhaupt eine Domain erhält, erklärt Schneider.

Für ihn sind gewisse Regulierungen bei der Adressvergabe durchaus sinnvoll. Es gehe darum, eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten, den Unternehmen und Bürgern aber auch grösstmögliche Freiheit zu lassen.

Widersprechen solche staatlichen Eingriffe nicht dem freien Geist des Internets? Denn man kann solche auch einfach zur Zensur verwenden – etwa indem ein Staat unliebsame Bürger oder Organisationen davon ausschliesst eine Adresse zu reservieren? Es gehe um einen Ausgleich der Interessen, sagt Schneider.

Ohne Konsens geht nichts

Dass ausgerechnet ein Schweizer in dieser entscheidenden Zeit für das Internet zum Präsidenten gewählt wurde, komme deshalb nicht von ungefähr: «Es ist allen bewusst, dass es mehr Konsens braucht. Da hat man als Schweizer eine gewisse Glaubwürdigkeit, um dieses gegenseitige Verständnis mitentwickeln zu können, die von allen akzeptiert werden.»

Eines lässt sich zu Beginn von Schneiders Amtszeit mit Bestimmtheit sagen: Es wird schwierig, die unterschiedlichsten Interessen von Privatwirtschaft, Regierungen, nicht staatlichen Organisationen aber auch den Verfechtern eines freien Internets unter einen Hut zu bringen. Das Resultat jedoch wird massgeblich bestimmen, wie die Landkarte des Internets in Zukunft aussieht.

Icann

Das Internet wurde von Universitäten geschaffen, die Organisation der Adressverwalterin Icann übergeben. Das ist eine private Firma nach kalifornischem Recht. Der einzige Weg für die Staaten in die Internet-Machtzentrale hinein ist der so genannte staatliche Beirat, an dem 140 Nationen beteiligt sind. An seiner Spitze sitzt nun Thomas Schneider.