Präsidentenwahl Frankreich Kandidat Fillon zunehmend isoliert

In Frankreich verliert der Präsidentschafts-Kandidat der Konservativen weitere Unterstützer aus dem eigenen Lager.

Fillon an Rednerpult

Bildlegende: Viele Konservative drängen Fillon dazu, wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre zurückzutreten. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wahlkampf-Leiter und der Sprecher des französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon sind zurückgetreten.
  • Auch mehrere konservative Politiker distanzieren sich von Fillon.
  • Ex-Premierminister Alain Juppé steht nun offenbar als möglicher Ersatzkandidat bereit.

Bereits in den vergangenen Tagen wandten sich eine Reihe konservativer Politiker von Präsidentschaftskandidat Fillon ab. Nun werfen auch Fillons Sprecher Thierry Solère und Wahlkampf-Leiter Patrick Stefanini das Handtuch.

Der frühere Premierminister Dominique de Villepin forderte Fillon zum Rückzug auf. «Er kann nicht mehr Kandidat sein, weil er keinen inhaltlichen Wahlkampf mehr führen kann», sagte de Villepin im Sender Europe1.

Verzicht lässt sich nicht erzwingen

Nach Zählung der linksliberalen Zeitung «Libération» distanzierten sich bereits mehr als 100 Politiker der konservativen Republikaner und ihrer Verbündeten von Fillon. Allerdings können die Konservativen Fillon nicht zu einem Verzicht auf eine Präsidentschaftskandidatur zwingen.

Ausserdem hat er bereits die Unterschriften von Abgeordneten und Bürgermeistern zusammen, die für eine Präsidentschaftskandidatur nötig sind. Er braucht mindestens 500, hatte am Freitagmittag aber schon mehr als 1100.

Juppé als Ersatz?

Fillons Rivale, Ex-Premierminister Alain Juppé, soll nun offenbar doch als möglicher Ersatzkandidat bereit stehen. Der 71-Jährige würde sich bei einem Verzicht Fillons nicht vor der Verantwortung «drücken», verlautete aus dem Umfeld Juppés. Bislang hatte es der Bürgermeister von Bordeaux stets abgelehnt, gegebenenfalls für Fillon einzuspringen.

Zugleich stellt Juppé, der Fillon bei der Präsidentschaftsvorwahl der Republikaner im November klar unterlegen war, nach Angaben seines Umfelds zwei Bedingungen: Fillon müsse von sich aus auf seine Kandidatur verzichten, und die Konservativen müssten sich geschlossen hinter ihn stellen.

Juppé gilt vielen Konservativen als möglicher Retter in der Fillon-Affäre. Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Odoxa könnte er als Kandidat in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen erzielen und damit die Dynamik des Wahlkampfs zugunsten der Konservativen verändern.

Fillon ruft zum Widerstand auf

Fillon selber appellierte an seine Anhänger, dem Druck zu widerstehen. In einer Videobotschaft forderte er sie auf, am Sonntag an einer Demonstration in Paris teilzunehmen. «Ich erwarte euch zahlreich, sehr zahlreich, um allen zu zeigen, was der Wille der Aktivisten Frankreichs ist», sagte Fillon. Er bezeichnet die Vorwürfe gegen ihn als Schmutzkampagne und wirft der Justiz «politischen Mord» an ihm vor.


Ist Fillon für die Konservativen noch haltbar?

7:05 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.03.2017

Laut dem Journalisten Rudolf Balmer versucht sich Fillon als Opfer zu inszenieren. «Das kommt in Fillons Lager sehr schlecht an», so Balmer. «Am Sonntag wollen einige seiner Anhänger eine Grosskundgebung durchführen. Präsident François Hollande hat aber erklärt, Demonstrationen gegen die Justiz seien nicht legal.»

Die Kundgebung könne für Fillon sogar kontraproduktiv sein, sollten sich nur sehr radikale Kräfte für ihn mobilisieren, die damit auch eine vermeintlich offene Rechnung mit der Justiz und den Richtern begleichen wollten.