Kann die Alitalia gerettet werden?

Etihad, eine Fluggesellschaft aus dem Golf Emirat Abu Dhabi, ist willens, die defizitäre italienische Fluggesellschaft Alitalia zu übernehmen. Innerhalb von vier Wochen sollen die Einzelheiten geregelt werden. Den Gewerkschaften und Banken in Italien werden Opfer abverlangt.

Der italienische Premierminister Enrico Letta verhandelt mit Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum in Dub

Bildlegende: Der italienische Premierminister Enrico Letta verhandelt mit Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum in Dubai. Keystone

Alitalia befördert im Jahr 25 Millionen Passagiere. Doch die Gesellschaft ist nicht profitabel. Jeden Tag fliege sie 700'000 Euro Verlust ein, heisst es. Insgesamt beläuft sich der Verlust auf rund 1 Milliarde Euro. Der Grosspartner Air France/KLM hat im November klargemacht, dass er nicht ausbluten, und diese Verluste nicht mittragen will. Einige Beobachter mutmassen gar, er möchte aus dem Verbund mit den Italienern raus.

Umsteigen am Golf

Etihad hingegen, aus dem ölreichen Emirat mit tiefen Arbeitskosten und einem Flughafen, der 24 täglich Stunden im Betrieb ist, sieht die Möglichkeit, auf ihrem Expansionskurs in Europa einen gewaltigen Schritt zu machen. Das Ziel ist, europäischer Hauptcarrier zu werden mit Umsteigestopp am Golf für Flüge nach Asien, aber auch nach anderen Destinationen.

Mit diesem Horizont vor Augen soll Etihad bereit sein, in Alitalia 200 bis 300 Millionen Euro zu investieren. Dafür übernimmt sie im Gegenzug 40 Prozent der Anteile der Gesellschaft. Alitalia wurde im letzten Jahr durch Geldzuschüsse der beiden Grossbanken Unicredit und Banca Intesa sowie nach heftigem Druck der Regierung auch durch die italienische Post – das heisst mit dem Geld der Sparkonteninhaber - notdürftig über Wasser gehalten. Es galt, den drohenden Bankrott zu vermeiden.

Etihad will keine Bank sein

Etihad wäre eine ideale Lösung. Aber wir sind keine Bank, hatte der Etihad Chef im September vorsichtig gesagt. Fest steht: Bevor Etihad definitiv einsteigt, müssen Sparmassnahmen bei Alitalia greifen. 1900 der insgesamt 14000 Jobs bei Alitalia sollen verschwinden. Dazu haben sich die Gewerkschaften sogar schon bereit erklärt. Unter der Voraussetzung allerdings, dass kein Angestellter zunächst in die provisorische Überbrückungskasse versetzt und danach entlassen wird. Vielmehr sollen Rotationen unter dem Personal und Arbeitszeitkürzungen allen ein Überleben bei Alitalia erlauben. Ob dieser grosse Spagat möglich ist, wird man sehen.

Verzichten die Grosskreditgeber?

Ausserdem müssen die Grosskreditgeber, die Banken, wohl auf einen Teil ihrer Guthaben verzichten, damit die Kassenlage von Alitalia für Etihad akzeptabel wird. Um dieses heisse Eisen werden sich die Verhandlungen in den nächsten Wochen drehen. Und schliesslich auch um die Rolle der italienischen Flughäfen, nicht nur in Fiumicino Rom sondern auch in Norditalien.

Aus Mailand – trotz Krise immer noch die Wirtschaftsmetropole des Landes – tönt es ultimativ: auch wir wollen unseren gerechten Anteil an den neuen Flugplänen mit dem neuen starken Partner am Golf haben. Es müssen also viele Eier des Kolumbus gefunden werden, bevor der Vertrag zwischen Alitalia und Etihad unterschriftsreif ist.