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International Kann Polanski doch noch nicht aufatmen?

Die polnischen Justizbehörden wollen Roman Polanski nicht an die USA ausliefern. Nun droht allerdings der polnische Justizminister, das Verfahren neu aufzurollen. Die USA möchten den Filmemacher seit Jahrzehnten vor Gericht stellen. Was bisher geschah.

Roman Polanski nach einem Hearing im Februar 2015 in  Krakau. (reuters)
Legende: «Ich bin sehr glücklich, dass die Sache vorbei ist», sagte Polanski bereits Ende Oktober. Reuters

Seit fast 40 Jahren ist Roman Polanski auf der Flucht vor der US-Justiz. Wegen eines ihm vorgeworfenen Sexualverbrechens fordern die USA die Auslieferung des polnisch-französischen Filmemachers.

Eigentlich schien klar: Polen wird den Star-Regisseur nicht an die USA ausliefern. Dies hatte Ende Oktober das Krakauer Bezirksgericht entschieden. Konkret hatte es das Auslieferungsgesuch der USA für unzulässig erklärt. Jetzt hat Polens Staatsanwaltschaft beschlossen dieses Urteil nicht anzufechten. Damit wäre eine Auslieferung Polanskis definitiv vom Tisch.

Justizminister will Richterspruch überprüfen

Doch Polens Justizminister Zbigniew Ziobro will den Entscheid nicht so hinnehmen. Es wäre nun seine Aufgabe die amerikanischen Behörden darüber zu informieren. Ziobro sagte aber, er wolle den Entscheid des Gerichts in Krakau, welches das US-Gesuch für unzulässig erklärt hatte, überprüfen.

Wenn es dabei Rechtsverstösse gegeben habe, würden entsprechende aufklärerische Massnahmen einleitet, kündigte Ziobro an. Darunter fielen etwa auch Disziplinarverfahren gegen die Staatsanwälte.

Der polnische Richter hatte Ende Oktober in Krakau auf eine Einigung hingewiesen, die Polanski in den 70er-Jahren mit der US-Staatsanwaltschaft geschlossen hatte. Polanski hatte damals zugegeben, Sex mit einer damals 13-Jährigen gehabt zu haben und darauf «freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüsst», so der Richter. Der Filmemacher habe somit seinen Teil der Vereinbarung eingehalten.

«Keinen Schutz für einen abscheulichen Akt»

Es ist aber auch kein Geheimnis, dass sich der nationalkonservative Ziobro nicht gegen eine Auslieferung des Filmers gestellt hatte. Kurz bevor der neue Justizminister in die Regierung eingetreten war, sagte er in Bezug auf Polanskis Fall: «Man kann niemanden für einen solch abscheulichen Akt, wie der des Kindsmissbrauchs, schützen.»

Seit vier Jahrzehnten ist Roman Polanski auf der Flucht vor der US-Justiz. Ein Überblick:

  • 1977: In der Villa seines Freundes Jack Nicholson missbraucht Polanski in Los Angeles die 13-jährige Samantha Galley, heute Geimer. Der damals 43-Jährige bekennt sich schuldig und steht in Untersuchungshaft 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung.
  • 1978: Weil ihm in den USA jahrelange Haft droht, setzt er sich nach Frankreich ab. Bei der Einreise in die USA droht ihm die Festnahme.
  • 2005: Ein US-Richter erwirkt einen internationalen Haftbefehl. Da Polanski mittlerweile französischer Staatsbürger ist, muss er keine Auslieferung befürchten.
  • September 2009: Bei der Einreise in die Schweiz wird er verhaftet. Gegen die drohende Auslieferung legt er Widerspruch ein. Die USA beantragen offiziell die Auslieferung. Er kommt gegen Kaution frei und steht zunächst unter Hausarrest.
  • 2010: Samantha Geimer will, dass das Verfahren eingestellt wird. Es belaste ihr Familienleben. Ein kalifornischer Richter lehnt Polanskis Antrag auf Verurteilung in Abwesenheit ab. Er soll sich in den USA stellen. Auch ein Berufungsgericht in L.A. weist den Antrag zurück. Die Richter lehnen zudem Geimers Ersuchen ab.
  • 2013: Geimer veröffentlicht ihre Memoiren.
  • 2014: Polanski reist zu einer Museumseröffnung nach Warschau. Die US-Staatsanwaltschaft bittet die polnischen Behörden um Festnahme. Polen lehnt ab. Vor einem Gericht in Kalifornien scheitert Polanski erneut mit dem Antrag, das Verfahren einzustellen.
  • Januar 2015: Die polnischen Behörden haben einen Auslieferungsantrag der US-Justiz erhalten. Die Krakauer Staatsanwaltschaft vernimmt den Regisseur.
  • Oktober 2015: Ein Krakauer Bezirksgericht erklärt das Auslieferungsersuchen für unzulässig.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Suter (Rolf_Suter)
    Polanski hat das Mädchen mit Drogen gefügig gemacht und dann zweimal vergewaltigt. Dazu gibt es keine Ausrede, auch nicht, dass andere Kinder noch mehr leiden. Er hat für diese Tat 42 Tage Gefängnis abgesessen, dann ist er geflohen. Das ist keine Sühne. Für mich können nur im Kopf kranke Personen, das rechtfertigen.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Lasst den Polanski endlich in Frieden! Er hat als Holokaust-Überlebender in seinem Leben schon genug gelitten. Und er hat die Menschheit mit seinen Filmen bereichert. Und nun wollen sich einige Juristen profilieren, indem sie unendlich lange an dem Pädophilen-Süppchen aus den 70er Jahren kochen. Es wäre nur zu schön, wenn man an diesen juristischen "Saubermännern" auch einmal ein Stäubchen finden würde und sie dann gehörig in die "Pfanne hauen" könnte.
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  • Kommentar von Patrik Schaub (Kripta)
    Als Kleinkind, zum angewöhnen mit Daddy in den Schiessstand. Mit 16, the first car. Dann, mit 21, the first beer. Alles, was Gott verboten hat - mit einer Ausnahme: Um himmelswillen, NO SEX, PLEASE! Wenn es um Sex geht, versteht die US-Justiz mit der Jugend no fun! (Wenn sie beim Sex erwischt werden, darf man sie erschiessen, aber nur, wenn man eine Polizeiuniform trägt.)
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    1. Antwort von D. Thrum (Thrum)
      Ja, die USA hat ein Problem mit Sexualität. Kinder sollen durchaus ihre sexuellen Erfahrungen machen dürfen, aber was hat das bitte mit dem Fall hier zu tun? Hier geht es um Kindsmisshandlung. Wer als 42 Jähriger mit einer 13 Jährigen Sex hat, ist krank und gehört hinter Gitter, egal wie 'berühmt' er ist. Dass er ein dermassen feiger Hund ist und seine Strafe nicht absitzen will und ihm andere Länder dabei noch helfen, macht die Sache nur noch peinlicher.
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    2. Antwort von Patrik Schaub (Kripta)
      D. Thrum: Das waren doch tatsächlich noch andere Zeiten. Geimers Mutter war an dieser Party auch selbst anwesend und Samantha hat im längst verziehen und die Sache zu den Akten gelegt. Es ist einfach lächerlich, wie sich die USA gebärden. Hier in der CH ist es nicht besser: Da werden verurteilte pädophile Lehrer, nach einer Strafe wieder auf Schüler losgelassen. Das ist peinlich. Die USA hätten weissgott in ihrem Saustall manch anderes, zum ausmisten.
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    3. Antwort von Anaj Miliv (Anaj Miliv)
      D. Thrum, Zürich: Mehr als 140 Millionen junge Mädchen verheiratet werden, bevor sie überhaupt die Volljährigkeit erlangen. Die Heirat zwischen einem älteren Mann und einem minderjährigen Mädchen wird im traditionellen Islam als Tradition betrachtet, die auf den Propheten des Islam, Muhammad, zurückgeht. Wie aus den als authentisch betrachteten Überlieferungen zu schließen ist, soll Muhammad im Alter von etwa 53 Jahren seine jüngste Frau Aischa geheiratet haben, als diese nur 9 Jahre alt war.
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    4. Antwort von Anaj Miliv (Anaj Miliv)
      D.Thrum, Zürich: Oktober 2014 fand die Hochzeit der 12-jährigen Thea und des 37-jährigen Geirs in Oslo, Norwegen statt. ... Achtjährige Kindsbraut verblutet in Hochzeitsnacht…. Ein 13-jähriges Mädchen im Jemen ist vier Tage nach der Zwangsheirat mit einem zehn Jahre älteren Mann an Verletzungen seiner Genitalien gestorben….. ....................und Samantha hat freiwillig Sex gehabt......
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