Karadzic' Verzögerungstaktik

Vor dem Jugoslawien-Tribunal in Den Haag ist der Prozess gegen Radovan Karadzic wieder aufgenommen worden. Das Verfahren gegen den ehemaligen Führer der bosnischen Serben war im Juli unterbrochen worden, um ihm mehr Zeit für seine Verteidigung zu geben.

Karadzic sitzt im Verhandlungssaal, ebenfalls anwesend zwei uniformierte Polizisten und mehrere Juristen.

Bildlegende: Karadzic während der Verhandlung im vergangenen Juli. Reuters

Vor einem guten Jahr hatte Radovan Karadzic vor dem UNO-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag mit seiner Verteidigung angefangen. In der Anklageschrift steht, er habe zwischen Oktober 1992 und November 1995 in Ex-Jugoslawien zahlreiche Kriegsverbrechen angeordnet. Unter anderem werden ihm zweifacher Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Mehrere Völkermord-Fälle angeklagt

Beim einen Völkermord-Vorwurf geht es um das Massaker von Srebrenica im Juli 1995, als 8000 muslimische Männer ermordet wurden. Beim anderen geht es um die Gefangenenlager von Oomarska, Keraterm und Trnoplje. Die Insassen in diesen Lagern – es waren bosnische Muslime und bosnische Kroaten – waren laut Anklageschrift ebenfalls Opfer von Völkermord.

Im Verlauf des Prozesses haben die Richter aber verfügt, diesen zweiten Völkermord-Vorwurf zu streichen, weil ihn Chefankläger Serge Brammertz nicht genügend habe erhärten können. Um Völkermord zu beweisen, muss aufgezeigt werden können, dass ein Angeklagter die Absicht hatte, eine Gruppe aus ethnischen, religiösen, oder rassistischen Motiven ganz oder teilweise auszurotten.

Der Chefankläger wehrte sich mit Erfolg gegen die Richter, so dass dieser zweite Völkermord-Vorwurf nun doch Teil des Prozesses bleibt. Und um Karadzic die Zeit zu geben, sich auf die Verteidigung dieses Vorwurfs vorzubereiten, war der Prozess für ein paar Wochen unterbrochen worden.


Karadzic will 91 neue Zeugen befragen

1:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.10.2013

Karadzic' Verzögerungstaktitk

Nun fährt der Ex-Chef der bosnischen Serben also weiter mit seinen Zeugenbefragungen. Noch letzte Woche hatte er eine Liste mit den Namen von 91 neuen Zeugen eingereicht. Zudem verlangt er zusätzliche 100 Stunden, um ehemalige Zeugen nochmals aufrufen zu können. Ob ihm die Richter dies alles gewähren, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Der Monsterprozess gegen den Ex-Chef der bosnischen Serben, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, läuft nun schon seit vier Jahren. Bis Ende 2014 will die Uno die Pforten des Tribunals schliessen. Bis dann sollten die Richter das erstinstanzliche Urteil gegen Karadzic gefällt haben. Um die Berufung wird sich die Nachfolgeorganisation kümmern müssen.

(stric)