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International Katalanen-Märsche für Unabhängigkeit

Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien zeigt erneut ihre Stärke und fordert die Zentralregierung in Madrid heraus. Bei Kundgebungen in Barcelona und anderen katalanischen Städten haben am Freitag 1,4 Millionen Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien demonstriert.

Menschen in Strassenschluchten
Legende: Mega-Demo in Barcelona. Die Mehrheit der Katalanen ist gewillt, sich von Spanien loszusagen. Reuters

Allein in der katalanischen Hauptstadt Barcelona marschierten den Veranstaltern zufolge eine halbe Million Menschen an ihrem «Nationalfeiertag» (Diada). In weissen T-Shirts liefen sie in einem Meer katalanischer Fahnen auf der gesamten Breite einer grossen Strasse in Richtung Innenstadt.

Die Demonstranten skandierten Unabhängigkeitsparolen, stiessen laute Pfiffe aus, und einige von ihnen bildeten menschliche Pyramiden – in Katalonien eine Art Volkssport. «Unabhängigkeit, Unabhängigkeit, Unabhängigkeit» skandierten die Demonstranten am Freitagnachmittag immer wieder.

Unabhängigkeit innert 18 Monaten

Der konservative katalanische Regierungschef Artur Mas strebt eine Unabhängigkeit innert 18 Monaten an und hofft auf ein «demokratisches Mandat» für die Loslösung Kataloniens von Spanien bei der regionalen Parlamentswahl am 27. September.

Die Verfechter des Vorhabens wollten mit der Grosskundgebung in Barcelona und Demonstrationen in anderen katalanischen Städte ihre Anhänger für die Regionalwahl mobilisieren, bei der sie sich eine Mehrheit der Mandate im Regionalparlament versprechen.

«Unabhängigkeitsplebiszit»

Die Separatisten um den katalanischen Regierungschef Artur Mas haben den vorgezogenen Urnengang vom 27. September nach dem gescheiterten Referendum vom Herbst 2014 zum «Unabhängigkeitsplebiszit» erklärt.

Die zum Regionalparlament im Parc de la Ciutadella im Zentrum Barcelonas führende Hauptverkehrsader Avinguda Meridiana war am Freitag schon lange vor dem offiziellen Kundgebungsbeginn über eine Distanz von mehreren Kilometern mit Menschen gefüllt. «Die Unabhängigkeitsbewegung hat erneut ihre Stärke gezeigt», bilanzierte früh die liberale Renommierzeitung «La Vanguardia» in der Onlineausgabe.

Menschenschatten hinter der Flagge Kataloniens
Legende: Hunderttausende Katalanen standen auch am Freitag hinter ihrer Fahne und der Forderung nach Unabhängigkeit. Reuters

Trainer von München ist Kandidat

Nach Angaben der verschiedenen Veranstalter hatten sich mehr als 500'000 Menschen zur Kundgebung angemeldet. Neben Regionalpolitikern und Amtsträgern aller Couleur waren auch zahlreiche bekannte Künstler, Unternehmer und Spitzensportler wie Barcelonas Fussballstar Gerard Piqué unter den Teilnehmern. Zu den aktiven Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung gehört auch der katalanische Trainer des deutschen Fussball-Rekordmeisters FC Bayern München, Josep Guardiola, der bei der Wahl als Kandidat antritt.

Ein Sprecher des Hauptveranstalters Katalanische Nationalversammlung (ANC) erklärte, die Demonstranten seien unter anderem mit 2000 Bussen eigens nach Barcelona gereist.

«Wir werden diesen Weg bis zum Ende gehen»

Die Veranstaltung fand unter dem Motto «Weg frei für die katalanische Republik» statt. Sie fiel diesmal mit dem Beginn des Wahlkampfes in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens im Nordosten des Landes zusammen.

Nach einem Triumph in den Urnen wolle man die Abspaltung von Spanien einleiten, bekräftigte Mas am Freitag. «Wir werden diesen Weg bis zum Ende gehen.» Man sei aber auch zu Verhandlungen mit der Zentralregierung in Madrid und mit der Europäischen Union bereit.

Umfagen sehen absolute Mehrheit für Separatisten

Nach jüngsten Umfragen können die Separatisten bei der Wahl die absolute Mehrheit der Mandate im katalanischen Parlament erreichen. Laut SRF-Auslandredaktor Martin Durrer darf eine allfällige Mehrheit im katalanischen Parlament jedoch nicht mit einem Volksmehr gleichgesetzt werden. Und ohne die Unterstützung einer Mehrheit der Stimmbevölkerung würde die Legitimation der Separatisten schwinden.

Dies heisse aber nicht, dass die spanische Regierung, die im Dezember neu gewählt wird, der Konfrontation mit den Separatisten ausweichen könne. «Die neue spanische Regierung steht mit Sicherheit unter grösserem Druck, sich mit einer echten Föderalisierung des Staates zu beschäftigen», hält der SRF-Auslandredaktor fest.

Ministerpräsident Mariano Rajoy hat wiederholt betont, er werde eine Trennung der Region, die 7,6 Millionen Einwohner hat und über eine eigene Sprache und Kultur verfügt, unter keinen Umständen zulassen. Der Chef der Zentralregierung hatte vor gut einem Jahr die Abhaltung des von Mas angestrebten Referendums verhindert.

Die alljährlich begangene Diada erinnert an die Eroberung Barcelonas am 11. September 1714 durch spanische und französische Truppen während des spanischen Erbfolgekriegs. Das Datum wird von vielen Katalanen als Schicksalstag betrachtet, an dem sie ihre Selbstbestimmung verloren.

Reiche Provinz

Das reiche Katalonien liegt im Nordosten Spaniens und verfügt über ein eigenes Parlament und eine Regierung. Die autonome Region, die mit Katalanisch auch eine eigene Sprache hat, erwirtschaftet etwa ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Besonders laut wurden die Rufe nach staatlicher Souveränität im Zuge der Finanzkrise und der im Jahr 2008 geplatzten Immobilienblase in Spanien. Zwar hatte sich Katalonien im Jahr 2006 schon zur «Nation» erklärt, doch das spanische Verfassungsgericht erkannte der Region diesen Status wieder ab.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Ich wünsche Spanier und Katalanen alles Gute auf ihren zukünftigen getrennten Weg. Es macht mir Sorgen, wenn ich lese, dass gewisse Generäle sich überlegen mit Militär Macht gegen Katalanische Unabhängigkeit zu wiedersetzen. Ich hoffe, dass Trennung verläuft Gewaltlos. Weg zu Abspaltung haben EU Politiker 1992 gemacht, wenn sie Grenze von Jugoslawien verändert haben. Damals war klar, dass Jugoslawien keine einmalige Fall sein wird. Und es wird weiter gehen.
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    1. Antwort von c jaschko (politically correct player)
      Am 12. Juni 1994 hat US-Präsident William Clinton eine " symbolische " Rede auf dem Brandenburger Tor in Berlin , in dem er deutlich gemacht, an die Welt , dass ein wiedervereinigtes Deutschland waren die USA wichtigsten Europa Partner bei der Herbeiführung einer neuen Weltordnung . Am zugehörigen Sitzungen bezog er sich auf Bundeskanzler Hemut Kohl als: " Helmut ist mein Hauptpartner in Europa " ... und " Ein wiedervereinigtes Deutschland wird der Führer eines vereinten Europas sein." Also, :-)
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    2. Antwort von c jaschko (politically correct player)
      Warren Zimmermann war US-Botschafter in Jugoslawien während der Schlüsselperiode und Zimmermann machte deutlich : was war kann nicht für immer sein : " Wir sind für eine Auflösung Jugoslawiens in unabhängige Staaten mit dem Ziel friedlich . "Balkan Gelehrter Raju Thomas bezeichnet dies als eine neue Methode der Aggression: " Diplomatische Anerkennung " Die territoriale Integrität Jugoslawien, die auf freiwilliger Basis erstellt wurde, und die hatte es seit Dezember 1918 wurde beiseite gefegt :-)
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  • Kommentar von Ramon Lopez (Lopi)
    Ein Volk von Egoisten und Profiteuren auf dem Ego Trip. Verträge gelten nichts. Gemeinschaft was kümmert es diese Leute. Nur profitieren und nichts beitragen. Katalonien ist nicht die stärkste Wirtschaftsregion Spaniens, es ist Kastilien! Man will die Zeit 200 Jahre zurückdrehen. Wer will einen Partner der so unzuverlässig ist? Den Sympathisanten in der Schweizer möchte ich nur mitteilen, bitte bedenken sie das Jura Problem. Auch das Jura ist nicht selbständig geschweige vereint!
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    1. Antwort von Linus Oechslin (LinusOechslin)
      Im Ernst? Die Geschichte und Kultur Kataloniens steht in erheblichem Widerspruch zu den seit über 300 Jahren vorherrschenden Machtverhältnissen. Bedenken Sie, dass die katalanische Zugehörigkeit zu Kastilien nur auf kriegerischen Ereignissen beruht. Seither betrieb Madrid eine stoische Einverleibungspolitik mitsamt systematischer Ausmerzung jegliches Katalanischen. Leider ist in Zeiten der Dikdatur zu viel Wasser den Ebro runtergeflossen, als dass eine konsequente Korrektur noch anzubringen wäre
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