Krise am Golf Katar will diplomatische Lösung

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Diplomatische Krise am Persischen Golf

1:57 min, aus Tagesschau vom 6.6.2017

  • Katars Aussenminister will keine Eskalation der Krise am Golf.
  • Er hat zur Verständigung mit den anderen Golfstaaten aufgerufen.
  • Gleichzeitig streicht die Qatar Airways Flüge in ebendiese Länder.

Der Aussenminister Katars, Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani sucht einen «offenen und ehrlichen» Dialog. Dies angesichts des schweren diplomatischen Zerwürfnisses zwischen Katar und mehreren arabischen Staaten. Al-Thani bekräftigte gegenüber dem Fernsehsender «Al-Jazeera», dass es von Seiten Katars «keine Eskalation geben werde».

Zugleich bezeichnete er die Beziehungen seines Landes zu den USA als «strategisch». «Es gibt Dinge, bei denen wir nicht zustimmen, aber die Bereiche, in denen wir kooperieren, sind zahlreicher als diejenigen, in denen wir Auseinandersetzungen haben», sagte der Aussenminister. Die Militärbasis Al-Udeid in Katar ist der grösste Standort für die US-Luftwaffe in der Region. Sie ist für die USA von zentraler Bedeutung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Donald Trump will helfen

Das Weisse Haus schlägt besänftigende Töne an. Eine Sprecherin sagte am Montag, dass Präsident Donald Trump mit allen Beteiligten sprechen werde, um die Situation zu beruhigen. Zudem bemühte sich Kuwaits Emir Sabah al-Salim al-Sabah um Vermittlung in dem Streit. Er telefonierte am Montagabend mit seinem katarischen Amtskollegen Tamim bin Hamad Al-Thani und forderte diesen nach Angaben der Agentur Kuna auf, den Bemühungen um Entspannung «zwischen Brüdern» eine Chance zu geben.

Die aktuelle Krise am Golf spitzte sich montags zu, als Saudi-Arabien und mehrere Verbündete ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen hatten. Als Grund gaben sie an, Katar unterstütze zahlreiche Terrororganisationen, darunter auch den IS. Das Land bestreitet diese Vorwürfe. Neben Saudi-Arabien stellten auch Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, der Jemen sowie die Malediven ihre Beziehungen zu Katar ein.

Das in der Region nun weitgehend isolierte Emirat wurde zudem aus der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz ausgeschlossen, die seit zwei Jahren im Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft.

Eigenständige Politik

Das kleine Land sorgte immer wieder mit einer eigenständigen Politik für Ärger bei seinen Nachbarn. Unter anderem unterhält es gute Beziehungen zu Saudi-Arabiens Erzrivalen Iran und beherbergt eine Reihe wichtiger Vertreter der Muslimbruderschaft, die von Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten als «Terrororganisation» eingestuft wird.

Die Qatar Airways fliegen bis auf weiteres nicht mehr nach Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate. Das teilt die Fluggesellschaft auf ihrer Internet-Seite mit. Die Flüge nach Saudi-Arabien wurden bereits am Montag gestoppt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Das Emirat Katar: Vom Wüstenzwerg zum globalen Riesen

    Aus Tagesschau vom 6.6.2017

    Diesen Reichtum verdankt Katar den Gasvorkommen vor der Küste. Um die Abhängigkeit vom Gasgeschäft zu verkleinern, begann Katar ab 2005 sein Geld im Ausland anzulegen, auch in der Schweiz.