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Winter-Chaos in Griechenland Katastrophale Zustände in Flüchtlingslagern

Trotz des Wintereinbruchs leben in Griechenland noch immer zahlreiche Flüchtlinge in Zelten. Die EU kritisiert die Zustände in den Lagern – die Regierung schiebt die Verantwortung dafür jedoch ab.

Legende: Video Flüchtlinge leben in Zeltlager abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.01.2017.
  • In Griechenland schneite es erneut heftig in vielen Regionen – etliche Dörfer und auch Inseln sind mittlerweile von der Aussenwelt abgeschnitten.
  • Trotz des Wintereinbruchs leben in Griechenland noch immer zahlreiche Flüchtlinge in Zelten.
  • Die Behörden machen sich gegenseitig für den mangelnden Schutz der Flüchtlinge vor Kälte verantwortlich.

Vielerorts in Griechenland gebe es keine Stromversorgung und damit auch kein Wasser und keine Heizung mehr, weil Pumpen nicht betrieben werden könnten oder Wasserrohre zugefroren seien, berichtete der lokale Radiosender Athina 984.

Die Schulen blieben in weiten Teilen des Landes geschlossen. Auf der Insel Euböa lag der Schnee selbst in Küstenorten bis zu drei Meter hoch. Selbst auf Kreta fielen die Temperaturen nachts auf rekordverdächtige minus 15 Grad. Hafenstädte wie Rethymno, Chania und Heraklion waren seit Jahrzehnten erstmals tief verschneit.

Schneebedeckte Zelte für Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos.
Legende: Schneebedeckte Zelte für Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos. Keystone

Flüchtlinge haben nur Zelte

Besonders leiden zahlreiche Flüchtlinge unter der Kälte, die in Zeltlagern auf den griechischen Inseln leben. Die griechischen Behörden haben offenbar keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen, um die Flüchtlinge vor der aktuellen Kältewelle schützen zu können. «Es gibt ein echtes Problem», sagte ein Vertreter des Ministeriums für Migrationspolitik der Nachrichtenagentur AFP.

Beispielsweise auf der Insel Lesbos hätten die Flüchtlinge im Lager Moria nur Zelte, um sich vor dem Schnee und der klirrenden Kälte in Sicherheit zu bringen. In Moria lebten mehr als 2500 Menschen ohne heisses Wasser und ohne Heizung in Zelten, sagte Apostolos Veizis von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

Auf der Insel Samos seien mehr als 300 Flüchtlinge betroffen, weitere Betroffene gebe es auf den Inseln Kos, Leros und Chios. Mehr als 15'000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf den griechischen Inseln fest.

Regierung in der Kritik

Die Europäische Kommission hat die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern als «unhaltbar» kritisiert. Die Verantwortung liege bei der griechischen Regierung.

Der griechische Migrationsminister geriet auch im Athener Parlament unter Beschuss. «Noch Anfang Januar hiess es, die Lager seien winterfest, die Flüchtlinge würden nicht frieren. Und jetzt leben die Menschen in schneebedeckten Zelten», hiess es aus der Opposition. Mouzalas gestand ein, dass seine Behörde und auch er selbst die Verantwortung für die Zustände trügen. Von März an werde sich die Zahl der Flüchtlinge und Migranten auf den Inseln spürbar verringern, versicherte er.

Die winterliche Wetterlage hatten Meteorologen rechtzeitig vorhergesagt. Die griechische Regierung hatte bereits Ende Dezember angekündigt, die Situation zu verbessern. Getan wurde jedoch nichts.

21 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Eine Kultur die auf derartigem Religionsunsinn aufgebaut ist - dass sich ihre Splittergruppen bis auf die gegenseitige Auslöschung bekämpfen, müssen die daraus eintstehenden Folgen selbst tragen. Es ist nicht unsere Aufgabe, deren Streitigkeiten bei uns lösen zu wollen, sie müssen selbst erkennen, dass nur eine radikale Anpassung an die Gegebenheiten des 21.Jahrhundert ihre Lebenssituation verbessern kann. Was die Zustände in den Lagern angeht, sind wir verpflichtet, menschlich zu handeln.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Quelle Pro Asyl;" 2016: Das tödlichste Jahr in der Geschichte der EU-Flüchtlingspolitik.Über 5.000 Flüchtlinge und Migranten kamen in diesem Jahr im Mittelmeer ums Leben.Die Todeszahlen strafen die heuchlerische Argumentation der Europäischen Union Lügen." Es sind die Politiker in Europa und der Schweiz welche für diese antihumanitäre, neoliberale EU weibeln und damit die Mitverantwortung für die Zustände in Griechenland und die unmenschliche europäischen Flüchtlingspolitik tragen.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      Wofür bezahlt die Schweiz die Unsummmen an Flüchtlingshilfe wenn Niemand kontrolliert was die Verantwortlichen mit dem Geld machen.Jeder weiss dass der Winter kommt das ist keine überraschende Naturkatastrophe da hätte man Vorkehrungen treffen müssen, die Leidtragenden sind immer die am Ende der Kette.Erneut ein Beweis der Asylproblematik und des gedankenlosen Willkommrufens.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Dann wäre es das Beste, wenn man die nicht echten, also die Wirtschaftsflüchtlinge wieder in ihre warmen, nicht vom Krieg betroffenen Heimatländer zurückschickte. Dann hätte man genug heizbare Unterkünfte und Betreuungspersonal für echte Flüchtlinge .
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