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Präsidentenwahl in Österreich Katerstimmung nach der Siegesfeier

Der gemässigtere Kandidat hat sich in Österreich durchgesetzt. Auch «profil»-Chefredaktor Christian Rainer hat sich im Vorfeld für Alexander van der Bellen ausgesprochen. Die Freude über dessen Wahl ist aber getrübt.

Legende: Audio Christian Rainer: «Abstand beträgt nur drei Prozentpunkte» abspielen.
3:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.12.2016.

SRF News: Sie haben die Wahl in der Wiener Hofburg mitverfolgt. Wie war die Stimmung dort nach Bekanntgabe des Resultats?

Christian Rainer: Abgesehen vom Umfeld des Kandidaten Norbert Hofer war die Stimmung fast durchgehend ausgezeichnet. Erleichterung hat sich breit gemacht.

Erwartet wurde ein knappes Ergebnis. Nun liegt Alexander van der Bellen mit 53 Prozent vorn...

Ja, das Ergebnis ist relativ klar, und ich habe noch niemanden gefunden, der mir erklären konnte, was nun zwischen der letzten, annullierten Stichwahl und gestern passiert ist. Ich wäre aber wirklich vorsichtig mit jeglicher Interpretation. Denn der Abstand beträgt trotzdem nur drei Prozentpunkte. Gestern wurde zwar gefeiert. Man sollte heute aber dennoch einen Kater haben. Denn das Resultat ist doch das, dass ein radikal rechter Parteikandidat fast eine absolute Mehrheit bekommen hat.

Die FPÖ geht also nicht geschwächt aus dieser Bundespräsidentenwahl heraus?

Nein, überhaupt nicht. Ein Jahr Wahlkampf hat gezeigt, dass die beiden regierenden Parteien, die SPÖ und die ÖVP, ihre Kandidaten überhaupt nicht durchbringen konnten. Diese hatten nur je zehn Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang erhalten. Gestärkt ist die FPÖ mit einem unglaublichen Ergebnis von fast 50 Prozent. Das ist nun wirklich einmalig in Europa, dass eine radikal rechte Partei so hart an der absoluten Mehrheit kratzt.

Es ist einmalig in Europa, dass eine radikal rechte Partei so hart an der absoluten Mehrheit kratzt.

Van der Bellen will Präsident aller Österreicher sein. Kann ihm das gelingen?

Das kann ihm wesentlich eher gelingen als Norbert Hofer, der viel radikaler auftritt. Van der Bellen ist eher der verbindende Typ. Anders wäre es nicht möglich gewesen, dass ein grüner Kandidat von über der Hälfte des Landes gewählt wird. Van der Bellen hat den Nimbus eines älteren Professors, der beruhigend wirkt.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Christian Rainer

Porträt Christian Rainer
Legende: Imago

Rainer ist ein österreichischer Journalist. Er ist Chefredaktor und Herausgeber des Nachrichtenmagazins «profil». Er ist 1961 geboren und hat Recht und Volkswirtschaft studiert. 2015 hat Rainer für seine Leistungen das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhalten.

10 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Auch in Österreich gilt: Wer fast 50% aller Wähler als "vergiftet, unvernünftig, hassgetrieben, menschenverachtend, destruktiv, verblendet usw..." tituliert, hat noch immer nichts von den wahren Problemen und Sorgen der Bevölkerung begriffen...So einfach wird es nicht funktionieren...
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    1. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Es ist die extreme Rechte, eine Minderheit, die versucht, der vernünftigen Mehrheit ihre Doktrin aufzuzwingen. Da diese extreme Ideologie auf gesellschaftlicher Ebene nicht durchkommt, probieren Sie es auf der politischen. In der Schweiz, wird direktdemokratisch, via Bundesverfassung nach der Exekutive (Volks-Bundesratswahl) und die Judikative (Fremde Richter) gegriffen, in anderen Ländern direkt nach dem Staat. Und genau hier… Stop!!!
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
    Es ist schon bedenklich, dass fast die hälfte der Stimmen an eine Politik der Sündenböcke und Problembewirtschaftung gegangen sind. Dass sich soviele Menschen blenden lassen von einer Politik, die anstatt Lösungen zu suchen Probleme schafft.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      T.Steiner und die Hälfte hat sich dagegen entschieden,wer am Ende besser gewählt hat wird erst die Zukunft zeigen.Oder wissen Sie es heute schon?
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Warum Herr Steiner sollen wir, die anderen also, genau die Problem lösen, die Sie und ihresgleichen erst schaffen und offensichtlich alleine nicht bewältigen können? - Warum sollten sie Ihnen dabei dann auch noch helfen müssen ?
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Ich sage auch Bravo zu Van der Bellen und zum Wahlverhalten der Stimmbürger! Aber jetzt dieses Gejammer wegen des "Katers" nach der Wahl bei den Verlierern. Folgendes gilt hier: Wer Gift sät, wird Gift ernten! Also, "schläft" den Kater aus und entgiftet Euch, Ihr Verlierer! Setzt Euch für eine menschenfreundlichere Politik mit dem Blick auch auf Benachteiligte im Land ein. Weg von Machtgehabe zur Zuwendung zu den Menschen - zu denen,die der Hilfe bedürfen! Machen Sie es gut, Herr Van der Bellen!
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