Zum Inhalt springen
Inhalt

International Keine Anzeichen für Entspannung in der Ostukraine

Das jüngste Geschehen in der Ostukraine erinnert an die Krim-Krise: Moskautreue Aktivisten besetzen Regierungsgebäude, in Donezk wird eine Republik ausgerufen, und noch immer ist die Gebietsverwaltung in den Händen von pro-russischen Demonstranten. Wie sind diese Ereignisse einzuschätzen?

Ein vermummter Mann sitzt hinter einer Barrikade aus Reifen und Stacheldraht.
Legende: Die Besetzer haben in der Nacht die Barrikaden ausgebaut. Keystone

In den ostukrainischen Städten Donezk und Lugansk besetzen pro-russische Aktivisten seit Sonntag Verwaltungsgebäude. Die Regierung in Kiew hat gestern Dienstag angedroht, eine «antiterroristische Aktion» durchzuführen, sollte sich die Lage im Osten des Landes nicht beruhigen. Die Menschen stellten sich deshalb auf das Schlimmste ein, sagt Moritz Gathmann im Gespräch mit SRF.

«Es herrscht ein heftiger Propaganda-Krieg»

Der Journalist befindet sich in Donezk. Die mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffneten Besetzer hätten die Barrikaden um das Gebäude der Gebietsverwaltung im Stadtzentrum über Nacht weiter ausgebaut. Reifen und Pflastersteine sowie Stacheldraht seien aufgehäuft. «Das erinnert an die Ereignisse in Kiew während des Maidan», sagt Gathmann. Gerüchten zufolge solle das Gebäude in nächster Zeit erstürmt werden. «Die Lage ist angespannt.»

Agenturmeldungen aus der Nacht, wonach pro-russische Aktivisten in Lugansk 60 Personen festhalten, seien mit Vorsicht zu geniessen, erklärt der Journalist. In der Ukraine wüte ein heftiger Propaganda-Krieg, an dem sich sowohl die Regierung in Kiew als auch die Opposition im Osten des Landes beteiligten.

Wer steckt hinter den Protesten?

Auch über die möglichen Drahtzieher der Proteste im Osten kursierten verschiedene Informationen, so Gathmann. Die Regierung in Kiew behauptet, es handle sich um bezahlte Provokateure. «Die Menschen hier in Donezk sagen mir natürlich, dass sie aus eigenem Willen hier stehen. Sie sagen, dass die Regierung in Kiew nicht ihre Interessen vertrete.»

Der Journalist glaubt, dass auch pro-russische Organisationen im Spiel seien. Zudem gebe es die Vermutung, dass die lokale Elite, die durch die aktuelle Zusammensetzung der Regierung in Kiew ihre Machtposition gefährdet sieht, Interesse an den Protesten habe.

Und schliesslich gebe es auch die Vermutung, wonach Russland hinter den Protesten stehe. «Ich habe aber bisher keinen einzigen russischen Aktivisten gesehen», so Gathmann. Die Grenzen würden im Moment sehr streng kontrolliert, es sei für Russland nicht einfach, direkt Einfluss zu nehmen. Vielmehr unterstütze Russland die Protestler an der «Propaganda-Front».

Vergleich der Ostukraine mit Krim-Krise hinkt

Aus Moskau hiess es am Dienstag, ein hartes Vorgehen der ukrainischen Sicherheitskräfte könnte einen Bürgerkrieg verursachen. Das töne zwar wie eine Drohung, sagt Gathmann. Doch handle es sich hier eher um einen weiteren Schritt im Propaganda-Krieg.

«Denn es gibt eine ganz klare Landesgrenze zwischen der Ukraine und Russland. Die ukrainische Armee hat sich positioniert», so der Journalist. Die Situation sei nicht mit der auf der Halbinsel Krim zu vergleichen, wo sich aufgrund der russischen Marinebasis bereits russische Soldaten vor Ort befanden.

Mehr Nato-Kampfjets

Wegen der Ukraine-Krise verdreifacht die Nato die Zahl ihrer Kampfflugzeuge im Baltikum. Damit will das Militärbündnis die Verteidigungskraft in Osteuropa verstärken. Gewöhnlich sind vier Kampfflugzeuge in der Region stationiert. Die Jets stehen bereit, um auf mögliche Verletzungen des Luftraums Lettlands, Estlands und Litauens zu reagieren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Geschichte wird bekanntlich immer von den Siegern geschrieben. Das war schon bei den Römern nicht anders. Aber halten wir uns doch an völkerrechtliche Grundlagen: Noch nie ist einem Land solange die Unterzeichnung eines Friedensvertrags verweigert worden wie DE. Dass man mit den Totschlagkeulen links- oder rechtsextrem abgestraft wird, wenn man auch nur auf desen Umstand hinweist, lässt tief blicken. Was meinen Sie warum Fr. Merkel jede Demütigung seitens der US (NSA) lächelnd schlucken muss?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Die Russenphobie einiger Forenschreiber in allen Ehren. Aber die devote Haltung dem Westen gegenüber mutet eher wie die Treue unserer Vierbeiner an, die sich auch nach Schlägen und Misshandlungen durch ihren Halter nicht von ihrer Loyalität abbringen lassen. Die Angst, dass der Fressnapf nicht mehr gefüllt werden könnte, führt zu zwanghaftem Ausblenden unbequemer Tatsachen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Von einer Russenphobie kann keine Rede sein, im Gegenteil, bis zur Krim-Krise hatten die Russen hier immer eine gute Presse, nicht zuletzt auch durch die OS in Sotschi. Ob Sie es glauben oder nicht, auch ich mag die Russen immer noch, aber ich habe etwas gegen die russische Machtpolitik, die sich immer mehr zu zeigen scheint. Es wurde schon einmal halb Europa von ihnen besetzt,1945 noch nach einem "Verteidigungskrieg" über die alten Grenzen hinaus - und was kommt jetzt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      Im Gegensatz zu den Russen halten die US-Streitkräfte Deutschland bis heute besetzt. Dass dies als demokratisch und freiheitlich dargestellt und auch verbreitet so akzeptiert wird, ist einer sehr effektiven Propaganda zuzuschreiben. Fakt ist aber: Deutschland ist noch immer in einem Waffenstillstand und hat eine von den Besatzern installierte Verwaltung. Dass sie diese aus Landsleuten rekrutiert versteht sich im Sinne einer Verschleierung der Tatsachen von selber.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Dass DE mit mehr als 80 Mio. von den US-Streitkräften "besetzt" sein soll, behaupten neben den Linksextremen nur noch die Neonazis, die sich mit den Roten immer handelseinig sind, wenn es gegen die USA geht. Tatsache ist, dass diese "Besetzung" laut verschiedenen Umfragen von der Mehrheit in DE immer noch gewünscht wird, und noch etwas: Die US-Truppen waren seit 1945 immer nur im Süden von DE stationiert, im Norden waren die Briten und im Westen die Franzosen - als FREUNDE.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Und sofort wird wieder Links-/Rechtsextremismus ins Spiel gebracht. Wenn die anderen Parteien nichts sagen, heisst das überhaupt nichts. Es zeigt nur deren Ignoranz. Natürlich haben die Amis mit ihren Militärbasen Europa fest im Griff, das ist Fakt. Nennen Sie bitte mal so eine Studie, kann mir nicht vorstellen das eine Mehrheit dafür ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Christina Bernegg, Horw
      ...Die ganze Schreiberei hier geht mir total auf den Keks.Seit Stunden hole ich mir Nachrichten,was in der Ukraine abgeht und habe einige Video-Clips gefunden.Es läuft was,Panzer und andere Geschütze sind unterwegs in den Osten und sie werden aus Kiew geschickt.Und es ist die USA und die EU die diese Sauerei unterstützt.Und die Deutschen sind auch voll dabei,aber sie werden auf der Schleimspur ihre USA-Politik geradewegs abstürzen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von m.mitulla, wil
      @J. Stump. Es gibt "Freunde", die tragen Uniform und Waffen. Und es gibt richtige Freunde, die keine Waffen brauchen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Von der Weltöffentlichkeit unbeachtet trug sich im Jahr 1991 in einer estnischen Kleinstadt unweit von Narwa, also in "russischem" Gebiet, Folgendes zu: Da stürmten mehrere hundert prosowjetische Aktivisten gewaltsam den Sitz der Bürgermeisterin, die paar Dutzend - überwiegend russischen - Polizisten konnten nichts dagegen tun. Die Bürgermeisterin konnte über den Rundfunk noch um Hilfe rufen, innert einer Stunde kamen mehr als 10'000 Leute von überall her und umstellten das Haus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Schade, dass der zweite Teil meiner Erzählung hier nicht veröffentlicht worden ist. Dann hättet ihr erfahren, dass die Besetzer des Rathauses sich nach stundenlangen Verhandlungen bereit erklärten, friedlich abzuziehen, und seitdem diese durch einen Korridor, den die Umstellenden gebildet hatten, tatsächlich abgezogen sind, herrscht in dieser Kleinstadt Ruhe. Es geht also auch ohne Gewalt, wenn beide Seiten dazu bereit sind. Warum also nicht wieder dieses estnische "Modell" anwenden?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen