Kerry entschuldigt sich für Fehlen an Solidaritätsmarsch

Mit Aussenminister John Kerry ist erstmals seit den Vorfällen ein US-Spitzenpolitiker in Frankreich eingetroffen. Gleichzeitig sind in der Nacht rund zehn Verdächtige zu den islamistischen Anschlägen von letzter Woche befragt worden. Acht davon befinden sich weiterhin in Gewahrsam.

Kerry und Hollande umarmen sich.

Bildlegende: John Kerry hat sich nicht nur entschuldigt. Er sprach mit François Hollande auch über den Anti-Terror-Kampf. Keystone

US-Aussenminister John Kerry ist in Frankreich eingetroffen. Er bat Staatspräsident François Hollande um Verständnis für sein Fehlen beim grossen Solidaritätsmarsch vom letzten Sonntag für die Opfer der islamistischen Terroranschläge. Der amerikanische Spitzenpolitiker erklärte, ihn hätten Verpflichtungen in Indien von der Teilnahme abgehalten. Deswegen habe er nicht kommen können.

Eine Botschafterin war zu «tiefes Profil»

Das Fehlen eines US-Spitzenpolitikers beim Solidaritätsmarsch war vor allem in den USA selbst kritisiert worden. Der Sprecher von Präsident Barack Obama räumte ein, dass jemand mit einem «höheren Profil» hätte teilnehmen müssen. Die USA waren nur durch eine Botschafterin vertreten gewesen.

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Kerry legt Kranz vor Supermarkt nieder (unkomm.)

0:26 min, vom 16.1.2015

Kerry traf am Morgen in Paris zunächst seinen französischen Amtskollegen Laurent Fabius zu Gesprächen über den internationalen Kampf gegen den Terror. Danach besuchte er die Schauplätze der islamistischen Terroranschläge und legte gemeinsam mit Fabius Blumen nieder.

Zuvor hatte der Amerikaner mit Präsident François Hollande über den Kampf gegen den Terror diskutiert. Die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den USA solle weiter verstärkt werden, kündigte Hollande danach an. Details wurden allerdings nicht genannt.

Acht mögliche Komplizen verhört

Derweilen sind im Grossraum Paris in der Nacht zwölf Personen festgenommen worden. Sie stünden im Verdacht, die Attentäter logistisch unterstützt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Den Angaben zufolge könnten sie die Attentäter mit Waffen und Autos versorgt haben. Bei den im Grossraum Paris Festgenommenen handelt es sich um neun Männer und drei Frauen. Mehrere Wohnungen in verschiedenen Pariser Vorstädten wurden durchsucht, wie die Polizei sagte.

Zwei schwer bewaffnete Attentäter hatten in der vergangenen Woche die Redaktion der Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» gestürmt und dort zwölf Menschen getötet. Bei einem weiteren Anschlag tötete ein Attentäter in einem jüdischen Supermarkt in Paris vier Geiseln, nachdem er zuvor bereits eine Polizistin erschossen hatte. Alle drei Attentäter wurden von der Polizei erschossen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Hommage à Charlie

    Aus Rundschau vom 14.1.2015

    Stéphane Charbonnier. Georges Wolinski. Jean Cabut. Bernard Verlac. Philippe Honoré. Fünf von 17 Toten in der vergangenen Terror-Woche von Paris. Es sind die Namen der fünf Zeichner, die auf der Redaktion von Charlie Hebdo ihr Leben im Kugelhagel lassen mussten. Die Attentäter wollten sie zum Schweigen bringen - aber erreicht haben sie das Gegenteil. Die ermordeten Karikaturisten und der Hashtag "JeSuisCharlie" sind zu einem weltweiten Symbol geworden. Für Solidarität. Für Freiheit. Für Toleranz. Für Demokratie. Eine Hommage

  • Tag des Abschieds in Paris

    Aus Tagesschau vom 13.1.2015

    Nach den Terroranschlägen von Paris hat Frankreich und dessen Präsident Hollande Abschied genommen von den drei getöteten Polizisten. Die Opfer werden posthum in die französische Ehrenlegion aufgenommen.

  • Sommaruga an der Kundgebung in Paris

    Aus Tagesschau vom 11.1.2015

    Auch die offizielle Schweiz war an der Solidaritätskundgebung durch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vertreten. Einschätzungen von SRF-Sonderkorrespondent Urs Wiedmer aus Paris.