Kerry: Kampf gegen IS wird Jahre dauern

Die IS-Terrormiliz kann immer wieder Erfolge im Irak und in Syrien verbuchen. Die internationale Koalition setzt im Kampf gegen die Dschihadisten auf Entschlossenheit – und langen Atem. Doch für den irakischen Regierungschef reicht das nicht. Er fordert mehr Waffen und bessere Unterstützung.

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Suche nach der richtigen Strategie gegen den IS

3:38 min, aus Tagesschau vom 2.6.2015

Die von den USA geführte internationale Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rechnet mit einem langfristigen Einsatz gegen die Dschihadisten im Irak und in Syrien.

US-Aussenminister John Kerry sprach in einer Telefonbotschaft an die Pariser Konferenz des Bündnisses nach US-Angaben von einem «mehrjährigen Kampf». Gleichzeitig betonte Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius nach dem Treffen die «völlige Entschlossenheit» der Koalition.

Waffen gefordert

Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi forderte erneut mehr militärische Unterstützung für die Bodentruppen seines Landes. Kerry sicherte dem Irak die Lieferung von Panzerabwehrgeschützen noch in dieser Woche zu. Sein Vize Antony Blinken betonte in Paris, die notwendigen Waffen sollten von den Koalitionspartnern kommen.

Vor Konferenzbeginn hatte Al-Abadi dem Bündnis mangelnde Unterstützung vorgeworfen und von «Versagen der internationalen Gemeinschaft» gesprochen. Sein Land erhalte zu wenig Waffen und Munition. «Wir haben nicht viel bekommen, fast nichts.» Irakische Truppen haben bereits mehrfach auf der Flucht vor IS-Milizen umfangreiche Waffenarsenale zurückgelassen.

Millionen für den Wiederaufbau

Auch nach Einschätzung von Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier ist im Kampf gegen die Terrormiliz erst ein «Teilstück» erreicht. «Niemand hat geglaubt, dass ein einfacher Sieg über Isis möglich ist. Es kommt darauf an, dass wir einen langem Atem behalten.»

Steinmeier kündigte bei dem Treffen an, dass Deutschland 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau in Gebieten zur Verfügung stellen wird, aus denen der IS vertrieben wurde. Zugleich forderte er andere Staaten auf, diesem Beispiel zu folgen.

Strategie festlegen

Die US-geführte internationale Koalition fliegt seit dem vergangenen Jahr Luftangriffe gegen die Islamistenmiliz im Irak und in Syrien. Dennoch konnten IS-Kämpfer kürzlich die strategisch wichtigen Städte Ramadi im Irak und Palmyra in Syrien erobern.

An der Konferenz in Paris nahmen mehr als 20 Minister und Vertreter internationaler Organisationen teil. Bei dem Treffen geht es um die Strategie der Koalition. Auf Bagdad sollte aber auch der Druck erhöht werden, sunnitische Bevölkerungsgruppen neben den Schiiten besser einzubinden.

Teheran bleibt an Assads Seite

Für den Krieg in Syrien versicherte der Iran gegenüber Machthaber Baschar al-Assad, dass Teheran weiter auf seiner Seite bleiben werde. «Das wird bis zum Ende der Fall sein», sagte Präsident Hassan Rohani bei einem Treffen mit dem syrischen Parlamentspräsidenten Mohammed al-Lahham in Teheran.

Der Plan einiger Länder, zusammen mit der IS-Terrormiliz in nur wenigen Monaten Damaskus zu erobern, sei auch nach vier Jahren nicht aufgegangen, sagte Rohani. Die Länder, die den Sturz des syrischen Präsidenten wollten, begingen eine «politische Fehlkalkulation».

Teheran vertritt seit Beginn der Syrien-Krise den Standpunkt, dass ein Sturz des Assad-Regimes nur den IS stärken und den Vormarsch der Terrormiliz in der ganzen Region erleichtern würde.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • «Diese Terroristen sind kaum zu stoppen»

    Aus Tagesschau vom 21.5.2015

    Der IS kontrolliert inzwischen rund die Hälfte Syriens. Und obschon die Extremisten viele Feinde haben, sind diese Feinde doch nicht schlagkräftig genug.

  • Menschen auf der Flucht vor den Extremisten des Islamischen Staates, die die irakische Stadt Ramadi belagern.

    Ist der IS wieder auf dem Vormarsch?

    Aus Echo der Zeit vom 19.5.2015

    Wer irgendwie kann, flieht aus der irakischen Stadt Ramadi. Dort marschieren derzeit die Extremisten des sogenannten Islamischen Staates ein. 25'000 Menschen versuchen, sich vor Gewalt und Terror in Sicherheit zu bringen.

    Bedeutet die Einnahme von Ramadi, dass der IS wieder auf dem Vormarsch ist? Ein Gespräch mit Stephan Rosiny, Nahostexperte beim GIGA-Institut.

    Simone Fatzer