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International Kerry redet Iraks Premier ins Gewissen

Der US-Aussenminister will sich in Irak für eine Versöhnung der Bevölkerungsgruppen einsetzen. Bei einem überraschenden Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten bespricht Kerry zudem eine mögliche Unterstützung im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis.

Legende: Video «Blitzbesuch in Bagdad» abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.06.2014.

US-Aussenminister John Kerry ist überraschend zu einem Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Er wolle in Bagdad mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki über die Krise im Land sprechen, heisst es aus Washington. Dabei gehe es auch um US-Hilfe für den Irak.

Des weiteren wolle sich John Kerry für eine Versöhnung zwischen den irakischen Bevölkerungsgruppen einsetzen. Das Land müsse eine Regierung haben, die die Interessen aller Bürger vertrete.

Kerry hatte am Sonntag erklärt, die USA würden nicht über die Regierung in Bagdad bestimmen. Allerdings seien Kurden, Sunniten und manche Schiiten mit der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki unzufrieden. Die Iraker müssten eine Regierung haben, die die Macht teile.

Al-Maliki steht seit langem in der Kritik, weil seine von Schiiten dominierte Regierung die Sunniten im Irak diskriminiert. Nach dem Vormarsch der sunnitischen Islamistenmiliz Isis im Norden und Westen des Landes steigt im In- und Ausland der Druck auf den schiitischen Ministerpräsidenten, sein Amt aufzugeben. Der Regierungschef lehnt einen Rücktritt bislang jedoch ab.

Sunniten fühlen sich diskriminiert

Vor allem die sunnitische Minderheit fühlt sich von der Regierung diskriminiert, die von Schiiten geführt wird. Auch Maliki selbst ist Schiit. Die Krise hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, weil die sunnitischen Isis-Extremisten immer grössere Teile des Landes beherrschen. Sie wollen einen islamistischen Staat errichten und betrachten Schiiten als Ungläubige.

Zuletzt hatte das geistliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, die USA und andere Staaten vor einer Einmischung im Irak gewarnt. Die Iraker seien selbst in der Lage, die Gewalt zu stoppen. Der Iran ist schiitisch geprägt und gilt als Schutzmacht der schiitischen Mehrheit im Nachbarland.

Vor seiner Ankunft in Bagdad hatte John Kerry Ägypten und Jordanien besucht. In Kairo verwies er auf die Unzufriedenheit der Sunniten, Kurden und auch einiger Schiiten mit der Regierung Al-Malikis. Zur Lösung der Krise müssten konfessionelle Interessen in den Hintergrund rücken, mahnte Kerry.
Die USA hatten angekündigt, das irakische Militär im Kampf gegen die Terrormiliz zu unterstützen. Washington setzt dabei unter anderem auf einen möglichst kurzen Einsatz von rund 300 Soldaten, die als Militärberater in den Irak geschickt werden sollen.

Weiterreise nach Europa

Nach Angaben des State Departments reist der US-Aussenminister anschliessend nach Europa weiter, wo er unter anderem in Brüssel am Treffen der Nato-Aussenminister am Dienstagabend und Mittwoch teilnimmt.

Die Aussenminister der 28 EU-Staaten wollen am Montag in Luxemburg die Gewalt der Islamisten verurteilen und eine Regierung fordern, in der Sunniten und Schiiten gleichermassen vertreten sind.

Isis auf dem Vormarsch

Die Isis hat eine strategisch wichtige Stadt im Nordwesten des Irak vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die Aufständischen eroberten Tal Afar und den Flughafen der Stadt. Ein Grossteil der Bevölkerung ist geflohen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    In Europa hat man noch nicht begriffen, dass der Mittlere Osten für die USA kein Problem mehr darstellt. Flüchtlingsboote stranden nicht an der US-Küste und Gas und Öl fördert man selbst genug. Europa ist im Mittleren Osten nun allein zu Hause. Und die Problemzonen reichen bereits von Weissrussland bis nach Tunesien und in den Irak. Hillary Clinton brachte die neue US-Strategie in einem Interview auf den Punkt: "Zuerst ist jetzt Europa dran!"
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Professor Francis Boyle wollte gegen Bush (und Obama) eine Amtsenthebungsverfahren erwirken unter anderem wegen Aggressionen gegen den Irak. Leider ist er gescheitert und er musste feststellen, dass in den Staaten nichts mehr gegen diktatorische Präsidenten hilft. ISIS wie auch ObL wurden im Ursprung von den USA instruiert! Im Umkreis von Kerry fiel schon die Frage: Wiese Atomwaffen bauen und sie nicht benützen!
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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Die Geister, die die Amis im Irak und anderswo riefen, werden sie nun nicht mehr los. Aber was soll's? Sie haben grundlos den Irak zerstört, dort amerikahörige und korrupte Diktatoren installiert, das Erdoel gestohlen, hunderttausende unschuldige Menschen ermordet oder verstümmelt. Und jetzt sucht man wie üblich, einen Schuldigen für diese grässlichen Untaten. So richtig amerikanisch ist das.
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      O. Toneatti. Die USA will nicht das Erdöl vom Irak. Die USA will, dass die Rohstoffe in US Dollar gehandelt werden. Hussein hatte verkündet, dass er das Öl in Zukunft in EURO verkaufe. Im Irak verkauft der Staat das Öl. Es werden nur Förderrechte, welche der Staat bezahlt, vergeben. Der grösste Hohn ist ja, dass die Iraker das zerbomben ihres Landes als Schulden zurückbez. müssen. Einkauf Kriegsmaterial aus dem Geld des verkauften Öls.
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    2. Antwort von O. Toneatti, Bern
      Helfer@ Glauben sie denn tatsächlich, dass die USA diesen Oelkrieg, allein, ohne Grund oder UNO-Beschluss begann, nur weil Hussein sagte, dass er das Oel in Zukunft in EURO verkaufen wolle? Es sind zurzeit immer noch einige tausend US-Soldaten dort im Irak, um den Diebstahl des Oels durch die USA zu überwachen. Und das wird so bleiben, bis nichts mehr dort übrigbleibt. Ein Irak ohne Oel ist für den Westen nicht mehr interessant. Das nächste Oel-Opfer könnte der Iran sein. Meinen Sie nicht auch?
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