Kerry wirbt für Klimavertrag – auch mit Selbstkritik

Kurz vor Abschluss ringt die UNO-Konferenz in Peru um den Entwurf für einen Weltklimavertrag. An vorderster Front US-Aussenminister Kerry, der auch die schwache Rolle seines Landes beim Namen nennt. Von den Entwicklungsländern fordert er ebenso Taten. Denn die Hälfte der Treibhausgase gehe auf sie.

US-Aussenminister John Kerry in Lima.

Bildlegende: US-Aussenminister John Kerry: «Jedes Land muss seinen Teil beitragen.» Keystone

Katastrophen sind sein Alltag. US-Aussenminister John Kerry kam nach Lima, um vor dem Weltuntergang zu warnen. Der Klimawandel beschäftigt ihn seit Jahrzehnten. Heute sei das eine Bedrohung der Menschheit. Ganz selbstverständlich kritisiert Kerry auch sein eigenes Land.

«Wenn eine grosse und entwickelte Nation nicht führt, ist sie selbst Teil des Problems», sagte Kerry in einer flammenden Rede. Es sei auch absolut klar, dass die Grossen in diesem Kampf mehr zur Lösung beitragen müssten – «inklusive die USA».

Das hat man lange nicht mehr gehört. Vertretern der Entwicklungsländer an der Konferenz mag das gefallen, aber Kerry verschont auch sie nicht. Jedes einzelne Land müsse seine Last tragen, betont er und erinnert daran, dass die Hälfte der heutigen Treibhausgase aus Entwicklungsländern komme.

Er habe Verständnis für diese Länder und deren Schwierigkeiten, sagt Kerry und versucht sie dann mit den Verheissungen eines neuen Energiemarktes zu locken. Der aber steht noch lange nur den heute Reichen offen. Auch darum kommen die Verhandlungen in Lima nur schleppend voran.

Kerry: Klimavertrag dringend notwendig

Kerry bleibt Antworten schuldig. Er setzt heute ganz auf Pragmatismus und will der Konferenz und der Weltöffentlichkeit vor allem eines sagen: Es ist uns ernst, wir wollen nächstes Jahr in Paris einen Klimavertrag unterzeichnen. Das sei nicht bloss eine Option, sondern eine dringende Notwendigkeit. Der Saal applaudiert. Aber draussen wollen viele zuerst noch mehr Taten sehen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • US-Aussenminister John Kerry ruft an der Klimakonferenz in Lima zum Handeln auf.

    Klima: Kerrys flammender Appell

    Aus Echo der Zeit vom 12.12.2014

    Die Klimakonferenz in Lima geht in die Verlängerung. In einer flammenden Rede rief US-Aussenminister John Kerry alle Länder dazu auf, sich der Gefahr durch den Klimawandel bewusst zu sein und sich zu einem Vertrag durchzuringen.

    Nur, was für ein Vertrag? Und was würde ein allfälliges Abkommen bringen?

    Martin Durrer und Thomas Häusler