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International Kiew nimmt Donezker Flughafen wieder ein

Nach heftigen Gefechten mit pro-russischen Separatisten haben ukrainische Regierungstruppen den Flughafen von Donezk zurückerobert. Bodentruppen wurden dabei von Kampfjets, Militärhelikoptern und Fallschirmjägern unterstützt.

Legende: Video Lage im Osten der Ukraine spitzt sich zu abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2014.

Die ukrainische Armee hat den Flughafen von Donezk offenbar zurückerobert. In einem Grosseinsatz gingen Bodentruppen – unterstützt von Kampfjets, Militärhelikoptern und Fallschirmjägern – gegen die pro-russischen Separatisten vor.

Der Flughafen sei wieder «vollständig» unter der Kontrolle der Armee, teilte Innenminister Arsen Awakow mit. Die pro-russischen Milizen hätten bei den Kämpfen «schwere Verluste erlitten». Soldaten seien dagegen nicht getötet worden.

Nach Angaben von Donezks Bürgermeister Alexander Lukjantschenko wurden bei den Gefechten insgesamt 40 Menschen getötet, neben Separatisten und Soldaten auch zwei Zivilisten. Die Separatisten beklagten nach eigener Darstellung mehr als 50 Tote.

Bürgerkriegsähnliche Zustände

Zwei Tage nach dem Sieg des Milliardärs Petro Poroschenko verschärft die pro-westliche Führung in Kiew die «Anti-Terror-Operation» im Osten massiv. «Wir werden diese Operation fortsetzen, solange sich auch nur ein Terrorist auf dem Territorium der Ukraine aufhält», betonte Vizeregierungschef Witali Jarema.

Poroschenko hatte gleich nach seinem Wahlerfolg einen effektiveren Einsatz verlangt. Aber der künftige Staatschef sei nicht in die aktuellen Entscheidungen eingebunden, beteuerte Vizeregierungschef Jarema. In Donezk herrscht Angst, nur wenige Menschen trauen sich auf die Strassen.

Kindergärten und Schulen sind geschlossen, wie auch der Flughafen und ein Teil des Bahnhofs. Separatisten zündeten die Arena des örtlichen Eishockeyvereins an, weil Clubchef Boris Kolesnikow einen Aufruf zum Widerstand gegen die pro-russischen Machthaber unterstützt. Gleichzeitig rückt die Bevölkerung enger zusammen. «Allein heute wollten etwa 300 Menschen Blut für die Verletzten spenden», sagt eine Ärztin.

Russland weiss von den Kämpfern

Die Machthaber der selbst ernannten «Volksrepublik Donezk» scheinen bereit, bis zum letzten zu gehen. Und sie erhalten Unterstützung: Von den Gesinnungsgenossen aus dem Nachbargebiet Lugansk. Und: Es seien erneut mehrere Lastwagen mit Bewaffneten von Russland aus ins Land eingedrungen, berichtet der ukrainische Grenzschutz.

Beobachter betonen, dass solche Aktionen kaum ohne Kenntnis der russischen Behörden möglich seien. Viele der Kämpfer stammen aus dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien, wo der kremlnahe Machthaber Ramsan Kadyrow herrscht. Einige der Opfer in Donezk stammten aus den tschetschenischen Städten Grosny und Gudermes, sagen die Behörden.

Die Fronten sind verhärtet, auf beiden Seiten ist der Hass auf die Gegner gross. Erfolgsmeldungen der Regierung von der «Vernichtung» pro-russischer Kämpfer werden im Internet bejubelt. «Prachtkerle», «Ehre den Helden», schreiben Nutzer. Dabei hat der künftige Präsident Poroschenko einen Dialog mit den Bewohnern der Krisenregionen angekündigt.

OSZE-Beobachter «vermisst»

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat nach eigenen Angaben den Kontakt zu einer Gruppe von Beobachtern im Osten der Ukraine verloren. Unter den Vermissten ist auch ein Schweizer. Die Gruppe war bei Donezk unterwegs, als der Kontakt abbrach. Lesen Sie hier mehr.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Ich dachte, die EU sei ein "Friedensprojekt" und nun unterstützt sie eine halb gewählte Regierung, die Krieg gegen die Bürger führt - in Europa. Aufwachen Leute!
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    1. Antwort von Susanne Lüscher, Gossau
      Aufwachen Leute ist gut gesagt. Leider sind die meisten Leute lieber bereit Lügen zu glauben als der unangenehmen Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
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    2. Antwort von Nicole En, Bern
      Herr Eddy, ich helfe bei der Sammlung Humanitäre Hilfe für Donbass, können Sie mich bitte bei Facebook kontaktieren?
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  • Kommentar von René Wagner, Möriken
    "Luftschläge statt Dialog: Blutige Gewalt in der Ostukraine". Der neue Machthaber Poroschenko startet zwei Tage nach seiner Wahl mit einer dreisten Lüge: Er spricht von Dialog und macht das Gegenteil: Er verstärkt den Bürgerkrieg gegen die Ostukraine. Diese blutige Politik stürzt das Land vollends ins Elend. Da können die Nationalisten noch so inbrünstig den Schlachtruf des Faschisten Banderas brüllen. Es wird keine Ehre und keinen Ruhm geben für den doppelzüngigen Poroschenko!
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Poroschenko tritt sein Amt erst in 10 Tagen nach seiner Wahl an. Es ist die Übergangsregierung in Kiew, welche weiterhin auf Gewalt setzt. Irgendwie scheint das Motto dieser zu sein: Man übergebe dem neuen Präsidenten einen "sauberen Laden". Man fegt ihn sozusagen noch rasch durch Waffengewalt vor seinem Antritt aus. Handelt diese im Auftrag des neuen Präsidenten? Man weiss es nicht.
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    2. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Doch, doch E.W. Poroschenko steht voll & ganz hinter diesen brutalen Aktionen. Er hat es öffentl. gesagt. Die Kriegsverbrecher aus Kiew mussten einfach zuerst sicher sein, dass sie keine Konsequenzen befürchten müssen. Er will ja auch alle Ostukrainer, welche zur Waffe gegriffen haben vor Gericht zerren. Es liegt übrigens ein Gesetzesentwurf v. März auf dem Tisch. Einführung der Todesstrafe f. Dessidenten, Deserteure u Terroristen. Die Zukunft für das Volk sieht nicht gut aus.
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  • Kommentar von A. Schulz, Paderborn
    Hintergrund der Expansion unter massiven Militäreinsatz gegen die Volksrepublik Lugansk und Donezk: Wohlstandsgefälle vom reicheren industriellen Osten und ärmeren landwirtschaftlich geprägten Westen. [wikip] Hintergrund für das Hinwegsehen der EU über den Bürgerkrieg und Unterstützung der neuen Regierung in Kiev auf ihrem Westkurs: Was soll die EU nur noch mit den armen Regionen?! Kurzum: Die neue Regierung in Kiev braucht das Land im Osten, aber nicht die dort anders-denkenden Menschen.
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Die EU will die UK gar nicht als Mitglied. Die EU will die UK lediglich wirtschaftlich u politisch AN sich binden. Die USA/NATO will aber unbedingt in die UK und dafür braucht sie die EU.
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