Kim Jong Un serviert engsten Vertrauten ab

Er gehörte zum innersten Zirkel der Macht in Nordkorea, nun ist er komplett von der Bildfläche verschwunden: Jang Song Thaek. Warum er in Ungnade fiel, darüber spekuliert SRF-Mitarbeiter Martin Fritz.

Kim Jong Un salutierend neben dem Sarg seines Vater. Im Hintergrund Jang Song Thaek.

Bildlegende: Nicht mehr im Schatten von Kim Jong Un: Jang Song Thaek (ganz links). Keystone


Gespräch mit Asien-Mitarbeiter Martin Fritz

5:29 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.12.2013

Der bisher einflussreiche Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un, Jang Song Thaek, ist offenbar entmachtet worden. Jang sei nicht mehr öffentlich gesehen worden, nachdem zwei seiner Vertrauten hingerichtet worden seien, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Dies werde als Hinweis für die Entmachtung Jangs gewertet. Jang war vor drei Jahren zum Vizevorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission befördert worden – dem wichtigsten Entscheidungsgremium des kommunistischen Regimes.

Innenpolitisch unerbittlich, aussenpolitisch auf Zick-Zack-Kurs

Eine offizielle Bestätigung aus Nordkorea für das Kaltstellen von Thaek gibt es bisher nicht. Dennoch glaubt Martin Fritz, SRF-Mitarbeiter in Tokio, dass sich Kim Jong Un in diesem internen Machtkampf durchgesetzt habe.

Kim Jong Un salutierend neben dem Sarg seines Vater. Im Hintergrund Jang Song Thaek.

Bildlegende: Nicht mehr im Schatten von Kim Jong Un: Jang Song Thaek (ganz links). Keystone

Auch wenn die genauen Hintergründe noch immer unklar seien, so geht Fritz davon aus, dass der Diktator vermutlich seinen Vormund loswerden wollte, der ihm vom Vater zuvor an die Seite gestellt worden war.

Jong Un verfolge ohnehin eine kluge Strategie. «Innenpolitisch zieht er die Zügel stark an und gleichzeitig zeigt er nach aussen hin immer wieder Zeichen von gutem Willen», so Fritz.

So treibe er wirtschaftliche Reformen voran und plane weitere Sonderwirtschaftszonen. «Andererseits wird die Öffnung nicht so weit gehen, dass er seine Macht verlieren könnte», so der SRF-Mitarbeiter.