Kim Jong Un: Wer wagt, gewinnt

Hat Kim Jong-Un es tatsächlich geschafft, einen funktionierenden Satelliten ins All zu schiessen? Das spielt keine Rolle. Denn die Botschaft ist klar: Nordkorea fürchtet sich nicht. Eine Einschätzung.

Nordkoreas Führer Kim Jong Un unterzeichnet Dokumente am Schreibtisch.

Bildlegende: Nordkoreas Führer Kim Jong Un unterzeichnet Dokumente zum Raketenstart. (Aufnahme unverifiziert) Reuters

Die empörten Reaktionen aus aller Welt unterscheiden sich allenfalls im Kleingedruckten. UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon bedauert zutiefst, Frankreichs Präsident François Hollande spricht von sinnloser Provokation,

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilt scharf. Verantwortungslos sei der Abschuss, tönt es aus Berlin; unentschuldbar, heisst es in Japan; untolerierbar, in Südkorea.

Trotz Ankündigung noch keine scharfen Sanktionen

Auf eine ähnliche Formulierung dürfte sich auch der UNO-Sicherheitsrat einigen. Passieren wird auch diesmal nichts. Einen Monat nach Nordkoreas viertem Atomtest konnte sich die UNO noch immer nicht auf scharfe Sanktionen verständigen – obgleich genau solche Anfang Januar angekündigt wurden und zwar sehr rasch. Auch jetzt, nach dem Raketentest, wird nichts beschlossen werden, das Pjöngjang erzittern liesse.

Diktator Kim Jong Un provoziert einmal mehr. Denn dabei ist es unerheblich, ob es ihm gelang, tatsächlich einen funktionierenden Erdbeobachtungssatelliten ins All zu schiessen. Was vermutlich nicht der Fall ist. Genauso wenig wie es sich beim jüngsten Atomtest wirklich, wie behauptet, um eine superpotente Wasserstoffbombe gehandelt hat.

China hat andere, eigene Prioritäten

Dem Potentaten reicht die Botschaft: Wir treiben unser Atom- und unser Raketenprogramm voran. Wir machen Fortschritte und zwar weitgehend aus eigener Kraft. Bereits beschlossene Sanktionen hindern uns daran nicht oder kaum. Und neue Boykotte fürchten wir nicht. Wir sind unangreifbar.

Das Kim-Regime schätzt die angespannte weltpolitische Lage völlig richtig ein. Zwar weiss es, dass es mit seinem jetzigen Langstreckenraketentest auch seinen wichtigsten Bündnispartner China verärgert. Peking wird dreist gezeigt, wie beschränkt sein Einfluss auf die Entscheidungen in Pjöngjang ist.

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Nordkorea und die Langstrecken-Rakete

0:52 min, aus Tagesschau am Mittag vom 7.2.2016

Doch Kim Jong Un weiss, dass die chinesische Führung zwar sein Säbelrasseln hasst. Aber weitaus wichtiger ist für China zu verhindern, dass das nordkoreanische Regime kollabiert, dass Südkorea die ganze Halbinsel beherrscht und damit bald US-Truppen an der Grenze zu China stünden.

Keil zwischen USA und China

Kim weiss ausserdem, dass wegen der aktuellen Ost-West-Spannungen zurzeit auch Russland nicht Hand bietet für energische Massnahmen, wie sie der Westen wünscht.

Und ganz entscheidend: Nordkorea treibt mit seinen Provokationen einen Keil zwischen die Weltmächte USA und China. Die USA wollen nun in Südkorea ein hochgezüchtetes Raketenabwehrsystem stationieren – durchaus verständlich. Ebenso verständlich ist, dass das die Chinesen zutiefst verärgert, da sie darin eine Bedrohung sehen.

Kim pokert gerne – und er pokert erfolgreich.