Kind mit Sprengstoffgürtel im Irak gestoppt

Bevor er seine Bombe zünden konnte, ist im Nordirak ein minderjähriger Selbstmordattentäter aufgehalten worden. Den tödlichen Auftrag erhielt er offenbar von seinem Vater. Bilder des kurdischen TV-Kanals Rudaw zeigen die Polizeiaktion.

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Polizei hält minderjährigen Selbstmordattentäter auf (unkomm.)

0:49 min, vom 23.8.2016

Erst am Samstag sprengte sich ein Kind in der Türkei in die Luft und riss über 50 Menschen mit in den Tod. Im Nordirak hätte sich womöglich beinahe eine ähnliche Tragödie ereignet. Am Sonntag haben zwei Polizisten einen Minderjährigen gefasst, der einen Sprengstoffgürtel trug.

Dem kurdischen TV-Kanals Rudaw zufolge hielten die Beamten den Jungen mehr als 20 Minuten an den Armen fest, bis ein weiterer Uniformierter die Bombe entschärfen konnte.

Auf Verlangen des Vaters

Verhaftung des Jungen

Bildlegende: Der Bub wurde aufgehalten, bevor er die Bombe zünden konnte. Sein Vater hatte ihn offenbar zu der Tat aufgefordert. Reuters

Das Alter des Festgenommenen wird nicht angegeben. Er dürfte aber nicht älter als 14 oder 15 Jahre alt sein. Die Bombe trug er unter einem Fussballtrikot des spanischen Spitzenclubs Barcelona mit dem Namenszug des argentinischen Stürmerstars Lionel Messi. Rudaw zufolge sollte er einen Anschlag auf eine schiitische Moschee verüben.

Bei der Polizei habe der Junge ausgesagt, sein Vater habe ihm den Auftrag für das Attentat gegeben, meldete der Sender weiter. Dem Jungen zufolge hatte sich bereits sein Bruder bei einem Selbstmordanschlag in Kirkuk in die Luft gesprengt.

Rekrutierung Minderjähriger nimmt zu

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) missbraucht im Irak und anderen Ländern regelmässig Minderjährige für Attentate. Die Georgia State University in Atlanta kommt zum Ergebnis, dass die Zahl minderjähriger IS-Selbstmordattentäter im vergangenen Jahr gar deutlich zugenommen hat.

Die Forscher werteten 89 Fälle aus, in denen Kinder im Namen des IS ums Leben kamen. Davon sprengten sich fast 40 Prozent mit Autos oder Lastwagen selbst in die Luft.

Kinder sind «wertvolle» Attentäter

Der IS hat eigene Rekrutierungsbüros eingerichtet, die möglichst viel Nachwuchs für seine sogenannten «jungen Löwen» anwerben sollen. Immer wieder gibt es Berichte über die Zwangsrekrutierung Minderjähriger, etwa von Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden im Irak.

Als Selbstmordattentäter seien Kinder für den IS wertvoll, «weil sie generell weniger ängstlich als Erwachsene sind und Situationen durch frühere Erfahrungen nicht überanalysieren», heisst es in einer Studie der Quilliam Foundation aus London.

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Kindersoldaten: Sie lernen zu töten – und zu sterben

5:36 min, aus 10vor10 vom 22.8.2016

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Der IS setzt auf minderjährige Selbstmordattentäter

    Aus 10vor10 vom 22.8.2016

    Die Terrormiliz IS soll in der letzten Zeit die Rekrutierung von Kindersoldaten intensiviert haben. Vermutet wird, dass sich beim Anschlag in der Türkei am Samstag ein Knabe in die Luft gesprengt hat.

  • Verheerender Anschlag auf Hochzeitsgesellschaft

    Aus Tagesschau vom 21.8.2016

    Bei einem Selbstmordanschlag auf eine kurdische Hochzeitsgesellschaft in der türkischen Stadt Gaziantep sind mindestens 51 Menschen getötet worden. Verübt wurde der Anschlag offenbar durch ein Kind zwischen zwölf und vierzehn Jahren. Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Ruth Bossart.