Kinder als «Kanonenfutter»

Verstümmelt, getötet oder als Selbstmordattentäter eingesetzt. Hunderte Kinder sollen von der Terrormiliz Islamischer Staat umgebracht worden sein, berichten die Vereinten Nationen. Mehr Schutz für Heranwachsende in Kriegssituationen fordert die Schweiz.

Ein Mann trägt ein verletztes Kind

Bildlegende: Immer wieder werden Kinder Opfer in Kriegen - auch in Syrien. Die Schweiz fordert besseren Schutz. Reuters

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat nach UNO-Angaben hunderte Kinder im Irak getötet. Bis zu 700 Kinder seien seit Jahresbeginn getötet oder verstümmelt worden, darunter auch in standesrechtlichen Hinrichtungen.

Bagdad rekrutiert Kindersoldaten

Einige Kinder würden auch als Selbstmordattentäter eingesetzt, sagte die für Kinder und bewaffnete Konflikte zuständige UNO-Gesandte Leila Zerrougui dem UNO-Sicherheitsrat in New York. Knaben von kaum 13 Jahren müssten Waffen tragen, strategische Orte bewachen und Zivilisten festnehmen.

Auch mit der irakischen Regierung verbündeten Milizen warf die UNO-Gesandte vor, im Kampf gegen IS Kindersoldaten zu rekrutieren. Die irakische Regierung habe zudem zahlreiche Kinder festgenommen, von denen unklar sei, wo sie festgehalten würden.

Saudische Waffen für Islamisten

Aus einem in London vorgelegten Bericht geht derweil hervor, dass die IS-Kämpfer über US-Waffen verfügen, die ursprünglich an die irakische Armee oder moderate syrische Rebellen im Kampf gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad geliefert wurden. Der Bericht beruft sich auf von kurdischen Kämpfern im Kampf gegen IS sichergestellte Waffen. Die Waffen wurden demnach bei der Einnahme von verlassenen Posten der irakischen Armee durch die Terrormiliz IS erbeutet.

Die Dschihadisten sollen unter anderem auch Panzerabwehrraketen nutzen, die identisch seien mit Modellen, die Saudi-Arabien an die Freie Syrische Armee geliefert habe.

Kinder mit Waffen jubeln

Bildlegende: Bewaffnete palästinensische Kinder feiern im Gazastreifen den vermeintlichen Sieg über Israel Reuters

Schweiz: UNO gefordert

Weltweit werden hunderttausende Kinder durch bewaffnete Konflikte in Mitleidenschaft gezogen, erklärte die Schweiz in einer offenen Debatte im UNO-Sicherheitsrat. Sie forderte den besseren Schutz für Kinder in Kriegen.

UNO-Botschafter Paul Seger wies in seiner Rede in New York auf die Situation von Kindern in Konfliktregionen wie dem Südsudan, Syrien, der Zentralafrikanischen Republik und dem Gaza-Streifen hin. In Nigeria nehme die terroristische Gruppe Boko Haram systematisch Schulen als Angriffsziele ins Visier. Im Irak habe das Ausmass der Gewalttaten an Zivilpersonen in den vergangenen Wochen eine beispiellose Schreckensstufe erreicht.

Seger sagte, vor allem auch nichtstaatliche Akteure müssten dazu gebracht werden, sich dem Völkerrecht zu verpflichten. 51 der 59 Täterorganisationen, die in einem neuen Bericht des UNO-Generalsekretärs über Kinder in bewaffneten Konflikten genannt werden, seien nichtstaatliche Gruppierungen. Die UNO stehe vor der Herausforderung, diese Gruppen an internationales Recht zu binden.

Strafgerichtshof einschalten

Der Schweizer Botschafter forderte ein Ende der Straflosigkeit der Täter. Würden schwere Verbrechen gegen Kinder nicht geahndet, verschlimmere sich das Klima der Gewalt und die Verwundbarkeit der Kinder nehme zu. Seger schlug vor, solche systematischen Übergriffe an Kindern an den Internationalen Strafgerichtshof ICC zu verweisen.

Nach Ansicht der Schweiz sollte der Sicherheitsrat für alle seine Missionen im Feld Bestimmungen für den Schutz von Kindern erlassen. Friedenstruppen sollten in Kinderschutzfragen ausgebildet werden.

DOK: Syriens Kinder im Krieg

DOK: Syriens Kinder im Krieg

Die achtjährige Farah hilft ihrem Vater Bomben zu bauen. Die fünfjährige Sara Ali erzählt, sie habe geträumt, man habe sie erschossen. Die Kinder Syriens zahlen einen hohen Preis für den Krieg ihrer Väter. Ein «DOK»-Film zeigt am Mittwoch, 10. September, 22.55 Uhr, wie Kinder den Alltag im Krieg überleben. Mehr.