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International Kinderschänder in Madrid in U-Haft

Er durfte die Freiheit nur kurz geniessen: Der von Interpol gesuchte Kinderschänder wurde in Spanien festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Zuvor hatte Marokkos König Mohammed VI. einen noch nie dagewesenen Rückzieher gemacht: Er hat die von ihm unterzeichnete Begnadigung widerrufen.

Legende: Video Pädophiler in Spanien wieder festgenommen abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.08.2013.

Der von Marokko zunächst begnadigte und freigelassene Kinderschänder ist nach seiner Festnahme in Spanien dem Richter überstellt worden. Nun sitzt der 63-Jährige wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, meldet die spanische Justiz.

Dort müsse er eine gerichtliche Entscheidung darüber abwarten, ob er an Marokko ausgeliefert wird.

Proteste gegen Begnadigung

Wegen der Vergewaltigung von elf Kindern im Alter von vier bis 15 Jahren war der Mann 2011 in Marokko zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Am Mittwoch war er aber im Rahmen einer Amnestie von König Mohammed VI. für 1044 Häftlinge auf freien Fuss gesetzt worden.

Nach zahlreichen Protesten widerrief Mohammed am Sonntag in einem noch nie dagewesenen Rückzieher den Gnadenerlass, den er wenige Tage zuvor selbst unterzeichnet hatte. Laut einer Mitteilung seines Palasts vom Sonntagabend war der Monarch nicht über die Verbrechen des Pädophilen unterrichtet.

Marokkanische Delegation in Madrid

Mit einem von Rabat ausgestellten internationalen Haftbefehl machte die spanische Polizei den Mann am Montag in Murcia dingfest.

Eine Delegation des marokkanischen Justizministeriums wollte heute nach Madrider Regierungsangaben den auch juristisch ungewöhnlichen und schwierigen Fall mit den Behörden in der spanischen Hauptstadt erörtern.

Vor dem Hintergrund der landesweiten Empörung in Marokko hoffen die Behörden des nordwestafrikanischen Landes, dass der Spanier den Rest seiner Strafe zumindest in einem spanischen Gefängnis absitzen muss. In Spanien darf ein Gnadenerlass allerdings im Prinzip nicht rückgängig gemacht werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Léonie Kaiser, Zürich
    Dass die Gesellschaft solch ungeheuerliche Machenschaften streng ahnden will, ist ein ganz wichtiges Zeichen. Sehr nachdenklich stimmt der Umstand, dass der jüngst fertiggestellte Dokumentarfilm des Oscar-Preisträgers Alex Gibney "Mea maxima culpa" über den sexuellen Missbrauch an über 200 gehörlosen Kindern zwischen 1960 und 1970 durch Geistliche der katholischen Kirche - insbesondere Pater Murphy, der seine Gebärdensprachkenntnisse schamlos ausnutzte - bis jetzt keinen Verleiher gefunden hat.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Schändung - ein Wort aus dem Mittelalter (oder aus unserem Strafgesetzbuch): Schändung = sexuelle Gewalt. Warum wird das Kind (in diesem Fall) oder jemand anders «geschändet»? Ist es nicht eine Schande für den Täter (oder die Täterin), dass er oder sie sowas tut? Ursprünglich so gedacht, dass eine vergewaltigte Frau keinen sozialen Wert mehr hat, d.h. Schande ist über sie gekommen. Sind wir immer noch dort?
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    1. Antwort von Mario Risch, St. Urban
      Sie werden es nicht glauben: Es gibt Wörter, die seit dem Mittelalter einen gewissen Bedeutungswandel durchgemacht haben. Wichtig ist heute nicht die Semantik des Mittelalters, sondern die heutige.
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    2. Antwort von H.G.I Lydia, sri lanka
      Ja, wenigstens hier in Sri Lanka ist das immernoch so. Wenn auch von der juristischen Seite eine Klage wegen Vergewaltigung möglich sein könnte. In der Praxis ist sie so gut wie unmöglich. Und wenn doch, gefährlich für die Frau.
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