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International Kitarovic: Katholisches Kroatien wählt eine Frau an seine Spitze

Die Aussenseiterin Kolinda Grabar-Kitarovic sorgt für eine politische Sensation in Kroatien. Sie wird als erste Frau an der Spitze des jüngsten EU-Mitglieds aufrücken. Sie löst den amtierenden Präsidenten ab. Kritiker unterstellen ihr programmatische Defizite.

Legende: Video Erste Frau an der Spitze Kroatiens abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 12.01.2015.

Sensation in Kroatien: Die konservative Oppositionspolitikerin Kolinda Grabar-Kitarovic ist überraschend als Siegerin aus der Präsidentschaftswahl in Kroatien hervorgegangen. Nach Auszählung fast aller Stimmen der Stichwahl kam sie auf 50,4 Prozent. Sie wird die erste Präsidentin des Landes.

Niederlage eingestanden

Amtsinhaber Ivo Josipovic kam auf 49,6 Prozent, wie die zentrale Wahlkommission am Sonntagabend nach der Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen mitteilte.

Auch im benachbarten Bosnien-Herzegowina durfte die kroatische Minderheit an der Präsidentenwahl teilnehmen. Die dortigen Kroaten würden traditionell für die HDZ stimmen, erklärten Wahlforscher.

Josipovic gestand seine Niederlage ein. «Kolinda Grabar-Kitarovic hat einen demokratischen Kampf gewonnen und ich gratuliere ihr», sagte er.

Ich verspreche euch, dass Kroatien ein wohlhabendes und reiches Land sein wird, eines der reichsten Länder der EU und der Welt.
Autor: Kolinda Grabar KitarovicKünftige Präsidentin Kroatiens

Präsident Ivo Josipovic wurde im Wahlkampf von der Regierung unterstützt. «Genau diese Regierung war aber ohne spürbare Erfolge im Kampf gegen die Wirtschaftsmisere», sagt SRF-Osteuropakorrespondent Walter Müller. Im Wahlkampf sei der amtierende Staatspräsident immer wieder für dieses Versagen mitverantwortlich gemacht worden.

Nur repräsentative Aufgaben

Die Konservativen konnten nun von der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage vieler Kroaten profitieren. Das Land, das seit Juli 2013 EU-Mitglied ist, steckt seit sechs Jahren in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 19 Prozent.

Die 46-jährige Diplomatin und frühere Aussenministerin Kitarovic trat mit ihrem Mann an ihrer Seite vor ihre Anhänger, die immer wieder ihren Namen riefen. «Ich verspreche euch, dass Kroatien ein wohlhabendes und reiches Land sein wird», sagte sie, «eines der reichsten Länder der EU und der Welt».

Der kroatische Präsident hat vor allem repräsentative Aufgaben. Experten gehen aber davon aus, dass ein Sieg den Konservativen der Oppositionspartei HDZ auch bei der kommenden Parlamentswahl nutzen wird. Dieser Meinung ist auch Walter Müller. Für ihn ist klar: «Faktisch hat der Wahlkampf bereits begonnen.»

Kitarovic hatte schon mehrere bedeutende Ämter inne. Die ehemalige kroatische Botschafterin in Washington wurde 2011 zur stellvertretenden Generalsekretärin der Nato berufen. Im Wahlkampf um das Präsidentenamt warf sie Amtsinhaber Josipovic vor, er sei mit dem Versuch gescheitert, die Regierung zu Reformen zu ermuntern. Bild in Lightbox öffnen.

Lächelnde, blonde Frau
Legende: Umjubelte Siegerin der Präsidentschafts-Stichwahl: Kretarovic feiert mit ihren Anhängern. Reuters

Rechtsrutsch wegen Parteizugehörigkeit

Mit der weltgewandten einstigen Aussenministerin zieht in Zagreb nach den meist recht hausbackenen Vorgängern erstmals eine Frau in den Amtssitz des Präsidenten ein – und mit ihr internationales Flair.

Doch selbst wohlmeinende Kritiker sehen bei der als Aussenseiterin gestarteten konservativen Politikerin grosse programmatische Defizite. So blieb sie im Wahlkampf klare Aussagen zur Rolle der Familie in dem streng katholischen Land schuldig. Kritiker warfen ihr vor, sich beim Umgang mit dem ungeliebten Nachbarn Serbien zu verzetteln.

Obwohl die Diplomatin politisch eher in der Mitte angesiedelt ist, geriet sie als Kandidatin der konservativen Oppositionspartei HDZ mehr und mehr nach rechts. Die künftige Präsidentin ist mit dem Seefahrtsprofessor Jakov Kitarovic verheiratet, der in seiner Karriere zurücksteckte, um seine Frau auf den zahlreichen Posten im Ausland zu begleiten. Das Paar hat zwei Kinder.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich kenne die Frau Grabar nicht aber ich freue mich sehr, dass sie als Frau gewählt worden ist. Hier ist sicher auch ein Dank an die Wählerinnen und wohl auch einiger Wähler auszusprechen. Ich wünschte mir, dass sie eine Frau mit hohen Gerechtigkeits-Werten ist und einen gesunden Menschenverstand besitzt. Alles Gute !
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  • Kommentar von C. Eugster, Bern
    Sie war 2008 bis 2011 kroatische Botschafterin in den Vereinigten Staaten, von 2011 bis 2014 stellvertretende Generalsekretärin der NATO mit Zuständigkeit für den Bereich Public Diplomacy. Noch Fragen?
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  • Kommentar von HP. Dietrich, Gümligen
    Ich hoffe nur, dass die kroatischen Bürger nicht so blind sind, dass sie diesen Blödsinn glauben was die frisch gewählte Präsidentin in ihrer Siegeseuphorie in die Welt herausposaunt. Ein reiches und wohlhabendes Land mit zur Zeit 19% Arbeitslosen!!! Ich hoffe auch, dass viele geflüchteten Kroaten und Kroatinen nun wieder in ihr geliebtes Heimatland zurückkehren werden und mithelfen diese Ziele zu erreichen.
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    1. Antwort von Thomas Schnell, Solothurn
      Dazu muss man aber auch sagen, dass die genannten "Flüchtlinge" dieses Land weder lieben noch als ihr Heimatland betrachten. Die neue, konservative Präsidentin wird daran auch nichts ändern - im Gegenteil! Insofern bleibt es meiner Meinung nach lediglich bei Ihrer Hoffnung.
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