Kleiner Knigge für Griechenland-Touristen

Die Ferien in Griechenland hat man schon vor Längerem gebucht. Nun befindet sich das Land in der Krise. Wie verhält man sich da als Schweizer Tourist? Und worauf sollte man sonst noch achten?

Schweizer T-Shirt-Träger mit Bierflasche

Bildlegende: Wie soll man als Schweizer in Griechenland auftreten? Keystone

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) arbeitet ähnlich wie eine Prüfstelle. Die Nachrichtenlage wird stets von neuem erhoben und eingeschätzt. Vor manchen Ländern wird dann abgeraten, dort Ferien zu verbringen. Wie sieht das nun für Badeferien in Griechenland aus? «Die Lage ist stabil», aber auch: «Gewaltausbrüche und Zusammenstösse mit den Sicherheitskräften sind möglich». Das hört sich weniger nach Traumferien an.

Stefan von Below, EDA-Mediensprecher, warnt insbesondere vor Demonstrationen in Griechenland. Die solle man meiden. Von Below empfiehlt hingegen, eine Reiseversicherung abzuschliessen und sich auf itineris.ch zu registrieren. Dieses Portal dient der Lokalisierung und alarmiert den Abonnenten, «wenn sich im Ausland eine schwere Krise» ereignet. Er bekommt eine Mitteilung, wenn sich in einem Gebiet die Sicherheitslage unerwartet markant verschlechtert.

Altstadtbummel weniger ratsam

Als Schweizer Griechenland-Tourist beschleicht einen ein mulmiges Gefühl. Kann man sich da noch unbesorgt an die schönen Strände legen? Birgt der Besuch bei der Akropolis Risiken?

Da fragt man am besten Schweizer, die schon lange in Griechenland leben. Zum Beispiel Ernst Killer. Er wohnt seit bald 30 Jahren auf Kreta und betreibt dort Velotouren. Killer beruhigt: «Viele Griechen richten ihre Wut gegen die Deutschen, aber nicht gegen uns Schweizer.» Schweizer seien beliebt in Griechenland und würden dort einen grossen Bonus geniessen. Killer rät: Schweizer sollten sich als solche zu erkennen geben. Trotzdem rät er davon ab, abends in der Athener Altstadt zu bummeln. Man wisse ja nie.

Ein anderer Schweizer, der seit ein paar Jahren in Athen lebt, warnt vor der Kleinkriminalität. Touristen, die in Athen ankommen, sollten mit dem Taxi und nicht mit der Metro in ihre Hotels fahren. Dort wimmle es von Dieben.

Wie soll man als Schweizer Tourist im Krisenland auftreten? Im Gespräch mit den beiden Schweizern wird klar: In der Mitte fährt man am besten. Mit einem überhöhten Trinkgeld «aus Mitleid» beleidige man die Kellner, mit dem Zeigen von Luxusuhren und prallem Portemonnaie locke man Taschendieben an. Andererseits dürfe man in den Läden auch feilschen und muss da kein schlechtes Gewissen haben. In Griechenland sei Handeln normal.

Nur mit kleinen Scheinen bezahlen

Geld ist aber generell ein schwieriges Thema. In Griechenland können die Bewohner vorerst nur 60 Euro pro Tag abheben. Für ausländische Touristen gilt diese Begrenzung nicht. Hält der Ansturm auf die Bankomaten allerdings an, droht bald eine Geldknappheit an manchen Geldautomaten. Deswegen rät das EDA, genügend Euro-Scheine nach Griechenland mitzuführen. Ab 10'000 Euro muss man das Geld allerdings verzollen.

Die beiden Schweizer in Griechenland weisen in Sachen Geld auf weitere Details hin:

  • Nicht mit 100- oder 200-Euro-Scheinen bezahlen. Vielen Geschäften mangelt es bald an Wechselgeld.
  • Das Bargeld gleich im Hotelsafe aufbewahren.
  • Nur soviel Geld wie nötig mit sich tragen.

Die beiden Schweizer berichten aber auch von Hamsterkäufen in den Lebensmittelläden. Katzenfutter sei beispielsweise nicht mehr zu kaufen. Muss man jetzt auch noch Lebensmittel nach Griechenland mitbringen? Nein, ist die Antwort. Lebensmittel seien noch lange vorhanden. Eine anderes Thema: Manche Medikamente, die in Griechenland knapp werden könnten. Man soll sich also vor der Reise gut eindecken.

Touristen sind willkommen

Beide Schweizer betonen aber, dass der Tourismus ein sehr wichtiges Standbein für die griechische Wirtschaft sei. Insgesamt könnten Schweizer Touristen ohne grosse Sorgen nach Griechenland reisen. Die Gefahr sozialer Unruhen bestehe einzig in Athen, weil dort die Probleme deutlich grösser seien als auf den Inseln.

Angst – muss ich bezahlen?

Peter Brun, Mediensprecher Kuoni Group: «Grundsätzlich ist Angst kein Annulierungsgrund. Sollte jemand von seinem Vertrag zurücktreten wollen, sind die Zahlungen gemäss den vertraglichen Fristen geschuldet. So halten es alle Schweizer Reiseveranstalter.»

Keine politischen Diskussionen

Ernst Killer warnt davor, in der Öffentlichkeit politische Diskussionen anzuschneiden. Sollte das Gespräch doch auf die Politik kommen, solle unbedingt ein anderes Thema gewählt werden. Manche Griechen geraten bei politischen Diskussionen oft in Rage.