Kleiner Staat ganz gross: Montenegro wählt, und viele schauen zu

Seit 25 Jahren bestimmt Regierungschef Djukanovic die Politik im Land. Die heutigen Parlamentswahlen könnten aber womöglich seinen Abgang besiegeln. Ob Djukanovic reüssiert oder scheitert, interessiert auch andere Staaten. Insbesondere der Kreml will den pro-westliche Politiker weg haben.

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Gleiches Recht für alle: Djukanovic gibt (s)eine Stimme ab

0:22 min, vom 16.10.2016

Im kleinen Adriastaat Montenegro hat am Sonntagmorgen die Parlamentswahl begonnen. Rund entscheiden dabei vor allem über die Zukunft von Regierungschef Milo Djukanovic.Der 54-Jährige steht seit einem Vierteljahrhundert ununterbrochen als Präsident oder Ministerpräsident an der Staatsspitze.

Bisher fest im Sattel

Die zerstrittene Opposition konnte Djukanovic bisher nichts anhaben. Sie wirft ihm Korruption und kriminelle Machenschaften im grossen Stil vor.

Da ihm die Sozialdemokraten als langjähriger Juniorpartner in der Regierung den Rücken gekehrt haben, könnte es für Djukanovic diesmal aber eng werden.

Djukanovic-Anhänger mit USA-Fahne

Bildlegende: Die Anhänger von Djukanovic sind westlich orientiert. Reuters

Die Opposition hat sich auf zwei Parteienbündnisse geeinigt und könnte nach Umfragen erstmals mehr Stimmen als Djukanovics Sozialisten erhalten. Die Wahllokale schliessen um 20 Uhr.

Montenegro in Nato und EU?

Der Kleinstaat Montenegro an der südlichen Adria dürfte – zum Missfallen Moskaus – das nächste Nato-Mitglied werden. Auch Fortschritte in den Verhandlungen um einen EU-Beitritt sind messbar: 24 von 33 Beitrittskapitel sind bereits geöffnet.

Russland hat für den Fall eines Nato-Beitritts Montenegros mit Konsequenzen gedroht und sich als Investor aus dem Land schon seit Jahren zurückgezogen.