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Klimakonferenz in Bonn Musterschüler Schweiz – oder etwa doch nicht?

Am Montag startet in Bonn die 23. UNO-Klimakonferenz. Auch die Schweiz nimmt daran teil. Wie sieht es mit dem CO2-Ausstoss hierzulande aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

SRF News: Was hat sich die Schweiz bezüglich Klimawandel vorgenommen?

Klaus Ammann: Der Ausstoss von Treibhausgasen soll bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent gesenkt werden im Vergleich zu 1990. Bisher unverbindlich strebt der Bundesrat zudem an, den Treibhausgasausstoss bis 2050 um 70 bis 85 Prozent zu reduzieren. Der Ausstoss pro Kopf der Bevölkerung soll langfristig nicht mehr als 1,5t CO2 betragen (2015: 5,8t/Kopf).

Ist die Schweiz auf dem richtigen Weg im Kampf gegen die Klimaerwärmung?

Die Schweiz befindet sich in einer relativ guten Ausgangslage. Dank Wasser- und Kernkraftwerken kommt die Stromproduktion praktisch ohne CO2-Ausstoss aus. Das Tempo, mit dem die Schweiz die Treibhausgase reduziert, ist allerdings vergIeichsweise langsam. Laut verschiedenen Berechnungen muss die Schweiz ihre Ambitionen deutlich steigern, damit sie auf Kurs ist, um zum Ziel des Pariser Abkommens beizutragen, die Klimaerwärmung weltweit deutlich unter zwei Grad zu halten.

Welche Rolle spielt sie an der Klimakonferenz in Bonn?

Die Schweiz ist mit einer vergleichsweise kleinen Delegation von rund 15 Personen vor Ort. Sie spielt jedoch erfahrungsgemäss eine sehr aktive Rolle. So hat sich die Schweiz im Zuge der Aushandlung des Abkommens von Paris der Gruppe der «hoch ambitionierten Länder» angeschlossen. Wie schon an den vergangenen Klimakonferenzen wird sie sich auch in Bonn insbesondere für klare Regeln und möglichst grosse Transparenz bei der Umsetzung des Abkommens von Paris stark machen.

Wie viel macht der Beitrag der Schweiz aus? Kann sie als Musterschüler auftreten?

Der Schweizer Treibhausgasausstoss pro Kopf ist zwar bereits vergleichsweise tief (2015: 5,8t/Kopf). Insgesamt werden in unserem Land nur 0,14 Prozent der weltweiten Emissionen ausgestossen. Allerdings sind in diesem Wert die Emissionen, welche die Schweizer Bevölkerung durch ihren Konsum in anderen Ländern verursacht, noch nicht eingerechnet. Kommt dazu, dass die Schweizer Klimaziele, wie beschrieben nicht genügen, um die Ziele das Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Was könnte die Schweiz gegen den Klimawandel unternehmen?

Legende: Video Extremer Gletscherrückgang abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus SRF News vom 30.10.2017.

Klimaschützer fordern von der Schweiz vor allem mehr Engagement im Bereich Verkehr. CO2-Abgaben auf Treibstoffe würden sowohl im Luft- als auch im Strassenverkehr zu geringeren Emissionen führen. Auch im Gebäudebereich hat die Schweiz noch viel Potential: Ölheizungen könnten durch klimafreundlichere Heizungen ersetzt werden und Häuser besser isoliert werden.

Die Schweizer Industrie hat ihre Emissionen in den letzten bereits deutlich reduziert – teilweise allerdings durch Auslagerung von energieintensiven Prozessen. Doch auch in diesem Bereich sind noch deutliche Verbesserungen möglich. Ausserdem plant die Schweiz auch im Ausland Treibhausgas zu reduzieren und diese Einsparungen dann den eigenen Anstrengungen unter dem Pariser Abkommen anrechnen zu lassen.

Das Gespräch führte Deborah Onnis.

Wie sinnvoll sind Klimaziele?

Jedes Land legt selber fest, wie viel Treibhausgas es reduzieren will. Ist das der richtige Ansatz, um den Klimawandel aufzuhalten? Die Meinungen gehen auseinander.

Mann mit Krawatte, an Schreibtisch sitzend
Legende: Der Gegner: Silvio Borner, emeritierter Wirtschaftsprofessor der Universität Basel. Keystone

Silvio Borner: «Weil der Klimawandel ein globales Umweltproblem ist, braucht es einen globalen Lösungsansatz. Die Pariser Versprechen sind in den Kostenfolgen sehr unterschiedlich. So dürfen mit dem Pariser Klimaabkommen Länder wie China und Indien ihren Treibhausgas-Ausstoss vorläufig sogar noch erhöhen. Viel besser als die vom Abkommen verlangten Ziele der einzelnen Länder ist ein global organisierter Handel mit Rechten für den CO2-Austoss. Man muss sich dann einigen, wie viel Ausstoss noch tragbar ist. Die Emissionszertifikaten müssen dann frei international handelbar sein. Das führt dann eben dazu, dass dort reduziert wird, wo es ökonomisch am billigsten ist, also am wenigsten Schaden anrichtet.»

Lucas Bretschger Professor für Ressourcen-Ökonomie an der ETH Zürich
Legende: Der Befürworter Lucas Bretschger, Professor für Ressourcen-Ökonomie an der ETH Zürich. Keystone

Lucas Bretschger:«Ein globaler Emissionshandel wäre ein Ziel. Im Endstadium wäre es eine Möglichkeit, die Politik so auszugestalten. Man kann aber auch mit Umweltsteuern oder Verboten zum Beispiel gewisser Verbrennungsmotoren usw. operieren. Das steht den einzelnen Ländern offen. Es ist ein Vorteil des Pariser Abkommens, dass die Massnahmen nicht genau vorgeschrieben sind. Aus dem Stand ist das Ziel aber nicht zu erreichen. Das Pariser Klimaabkommen ist mit seinen länderspezifischen Reduktionszielen deshalb der richtige erste Schritt.»

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Klimakonferenz in Bonn

Am 6. November beginnt in Bonn die UNO-Klimakonferenz. Dort soll mit der technischen Realisierung des 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzabkommens begonnen werden. Es geht darum, ein sogenanntes Regelbuch für die Umsetzung auszuhandeln. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

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