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International Knesset trennt Araber in zwei Kategorien

Christliche Araber sind gute, muslimische Araber schlechte Araber. Dieser rassistische Gegensatz liege dem jüngsten Beschluss des israelischen Parlaments zu Grunde, kritisieren Vertreter der Opposition. Das neue Gesetz unterscheidet erstmals offiziell zwischen Arabern verschiedener Religionen.

Ein Gesetz in Israel unterscheidet erstmals offiziell zwischen Arabern christlichen und Arabern muslimischen Glaubens. Vertreter der Opposition in Jerusalem kritisieren, der Beschluss des israelischen Parlaments basiere auf einem rassistischen Gegensatz.

Ein Fünftel der israelischen Bevölkerung sind Palästinenser oder israelische Araber, wie sie in der jüdischen Öffentlichkeit genannt werden. Die allermeisten dieser israelischen Araber sind Muslime, ein Zehntel von ihnen aber sind Christen.

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Und diese Christen werden künftig vom israelischen Staat als solche identifiziert und von den Muslimen unterschieden. Das die Konsequenz aus dem jüngsten Beschluss des israelischen Parlaments.

Die eigentliche Neuerung scheint auf den ersten Blick banal. Im Beirat für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt haben die israelischen Araber nicht mehr nur eine Stimme, sondern es wird eine besondere Vertretung geschaffen für die Christen unter diesen Arabern. Gleiches gilt auch für andere Minderheiten wie etwa Drusen oder ultra-orthodoxe Juden. Damit werde der Beirat repräsentativer.

Und es entstehe Gerechtigkeit für diese Minderheiten, argumentierte der Abgeordnete aus Premier Benjamin Netanjahus Likud-Partei, von dem der Gesetzesvorschlag stammt. Doch die Neuerung war hoch umstritten. Oppositionsabgeordnete sagten, es gebe kein spezifisches Problem für christliche Araber auf dem israelischen Arbeitsmarkt, das diese besondere Vertretung notwendig machen würde. Es gebe höchstens ein generelles Problem für alle Araber, egal ob Christen oder Muslime.

Christen sind gegen das neue Gesetz

Auch die Chefin der zuständigen Chancengleichheits-Kommission machte deutlich, dass sie danach gar nie verlangt hatte. Die öffentliche Kritik war mit am vehementesten im Lager jener, die von dem Gesetz eigentlich profitieren sollten: den Vertretern der christlichen Minderheit.

Ein paar junge Männer schwingen Israel-Fahnen.
Legende: Jeder zehnte israelische Araber ist Christ – auf dem Papier zumindest. Keystone

Viele Christen identifizieren sich als Palästinenser, genau wie ihre muslimischen Landsleute. Und sie kämpfen gemeinsam mit ihnen gegen die Marginalisierung in der israelischen Gesellschaft.

Spaltung der Palästinenser als Ziel

Christliche Abgeordnete warfen dem Likud-Vertreter denn auch vor, es gehe ihm nicht um Chancengleichheit, sondern darum, die palästinensische Seite zu spalten und diese so insgesamt zu schwächen. Der Vertreter aus Netanjahus Regierungspartei bestritt dies im Grunde nicht. Sein Gesetz markiere eine historische Wende, sagte er.

«Wir teilen viel mit den Christen. Sie sind unsere natürlichen Verbündeten, ein Gegengewicht zu den Muslimen, die Israel zerstören wollen», so der Abgeordnete wörtlich in einem Interview. Den Christen im Judenstaat solle deshalb künftig in möglichst vielen Bereichen jene Sonderbehandlung zukommen, die ihnen gegenüber den muslimischen Arabern zustehe, sagte er auch noch.

Die liberale Zeitung «Haaretz» kommentierte, das Gesetz stelle Muslime unter Generalverdacht, sei rassistisch und rüttle an den Grundfesten der israelischen Demokratie. Es wurde gleichwohl verabschiedet.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Rein nüchtern betrachtet gibt es in Israel tatsächlich zwei Sorten von Arabern. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die Bombenattentate und alle anderen Terrorakte bis heute zu 100% von Moslems verübt wurden, während die Christen bis heute gewaltlos waren und sich auch nicht an den beiden Intifadas beteiligt haben. Natürlich sehen sich auch die Christen als Pal., weil sie das wohl müssen, aber im Grund wissen auch sie, dass dieses neue Gesetz ihnen mehr Luft verschafft.
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    1. Antwort von A. Guant, Sunnybeach
      Sie behaupten dieses Gesetz verschaffe den christlichen Palästinensern mehr Luft,aber Sie verschweigen damit,dass es sich dabei um einen Luftentzug handelt,der Israel den Palästinensern seit über 60 Jahren mittels Willkür,illegaler Besatzung,Gettoisierung u.MenschenRechtsverweigerung mittels militärischer Gewalt,aufzwingt.Die Twitter-Revolutionen werden auch Israel erfassen u.zu komplizierten innerjüdischen Zerreissproben führen,schlimmsten Falls zu Bürgerkrieg inkl.Spaltung des WeltJudentums
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Sie haben etwas verpasst, sonst würden Sie wissen, dass die christlichen Araber und auch die Drusen, die sich selber nicht als ethnische Araber betrachten und einen eigenen Islam pflegen, auch deshalb von diesem neuen Gesetz profitieren werden, weil sie sich immer besser in den Staat integriert haben. Dazu gehört auch, dass immer mehr von ihnen bereit sind, in der Armee zu dienen. Die innerjüdischen Zerreissproben gibt es schon jetzt, weil immer mehr den orthodoxen Druck bekämpfen.
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    3. Antwort von A. Guant, Sunnybeach
      @Stump:Sie sagen nur die halbe Wahrheit, wenn Sie behaupten,dass die moslemischen Palästinenser immerzu Terroranschläge verüben,dabei verschweigen Sie bewusst,dass es die jüdischen Untergrundorganisationen gewesen sind,die zahlreiche Bombenanschläge auf die palästinensische Zivilbevölkerung verübt hatten inkl.ethnische Säuberungen,sowie über 60 Jahre Besatzung in Palästina,Sie anerkennen bewusst nur Sachverhalte die Ihrer Sache dienen,alles andere reden Sie klein oder verschweigen Sie gänzlich
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  • Kommentar von A. Guant, Sunnybeach
    Anstatt, dass Israel auf die Palästinenser friedlich u. zivilisiert zugehen würde, versucht Israel mittels Ungleichbehandlung der Palästinenser den innerpalästinensichen Frieden zu vergiften..Das Wunschbild der israelischen Besatzungspolitik wäre es,wenn die Palästinenser unter einander sich die Köpfe einschlagen würden,so dass Israel sich wieder vor der ganzen Welt als Opfer von Terroristen profilieren zu dürfen,anstatt als Kriegsverbrecher, wie es heute der Fall ist..
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  • Kommentar von G.Riedo, Bern
    Glaubensgemeinschaften und Palästinenser sind keine Rassen und so kann das Gesetz nicht rassistisch sein. Ich verstehe Israel zu gut, dass man versucht den friedfertigen Teile der Palästinenser einen festen Platz in der Gesellschaft und in Israel zu bieten. Leider fallen hauptsächlich Muslime in grossen Teilen der Welt und speziell in Israel durch ihre Terroraktivitäten und Kompromisslosigkeit auf und genau dort liegt das Problem. Die Religion wird als politisches Steuerungsmittel missbraucht.
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @G. Riedo: der Begriff Rassismus beschränkt sich keineswegs nur auf eigentliche Rassen. Eine Gruppe aufgrund ihres Glaubens zu benachteiligen ist ebenfalls rassistisch. - Ihre Aussage, dass die Muslime in Israel durch "Terroraktivität und Kompromisslosigkeit" auffallen würden, ist eine Behauptung ohne jede Grundlage. Ihr letzter Satz hingegen trifft den Nagel auf den Kopf; er beschreibt exakt die Verwerflichkeit des neuen israelischen Gesetzes.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Würz - Sie können sich gerne empören, aber Israel weiss aus 65 Jahren Erfahrung, warum man arabischen Christen trauen kann und vielen Mohammadanern eben nicht. Nicht vergessen: Die sog. Palästinenser werden sowohl in Gaza als auch in der West Bank von Terroristen angeführt (auch wenn Abbas sehr geschickt den Staatsmann mimt). Für die Hamas, die Gaza regiert, ist die Vernichtung Israels Staatsdoktrin, nachzulesen in ihrer Charta, Artikel 7, die auf einer jihadistischen Hadithe basiert.
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    3. Antwort von A. Guant, Sunnybeach
      Der Iran z.B. diskriminiert seine jüdischen Mitbürger nicht, die jüdischen Mitbürger im Iran fühlen sich als Iraner, weil sie Iraner sind. Die Israelis leiden an einem Trauma aus ihrer Vergangenheit u. Gegenwart, leider anerkennen die Israelis nur Leid, das ihnen von aussen zugefügt worden ist. Über das Leid was die Israelis sich selbst zufügen schweigen sie, die Unterdrückung der Palästinenser verstösst gegen fundamentale jüdische Grundsätze, ganz zu schweigen von den Menschenrechten...
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