Zum Inhalt springen
Inhalt

International Kobane: Luftangriffe auf IS zeigen offenbar Wirkung

Die Kämpfe um Kobane werden mit unverminderter Härte fortgeführt. Doch es gibt Hoffnung für die bedrohten Kurden: Offenbar wurden die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von den Luftangriffen der internationalen Allianz zurückgedrängt.

Legende: Video Erste Erfolge der US-Luftschläge abspielen. Laufzeit 01:07 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.10.2014.

Die Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) haben sich offenbar zumindest zu Teilen aus der umkämpften nordsyrischen Stadt Kobane zurückgezogen. «Sie stehen nun wieder vor den Toren der Stadt», verkündete ein Politiker des Bezirks.

Der Beschuss und das Bombardement seien sehr effektiv gewesen. «Das ist ihr grösster Rückzug, seit sie in die Stadt eingedrungen sind», so der Behördenvertreter. Er fügte an: «Wir können davon ausgehen, dass das der Beginn ihres Rückzuges aus der Region ist.»

Unterschiedliche Lagebeurteilungen

Zuvor hatte bereits der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz vermeldet. Er schätzte die Lage allerdings zurückhaltender ein. Infolge der internationalen Luftangriffe hätten die IS-Kämpfer Viertel im Osten und am Südwestrand der Stadt verlassen. Sie seien jedoch weiterhin im Ort.

Legende: Video Ruth Bossart zur Lage an der syrischen Grenze abspielen. Laufzeit 01:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.10.2014.

Unvermindert heftige Kämpfe

Tatsächlich war im Westen der an der Grenze zur Türkei gelegenen Stadt am Morgen eine schwere Explosion zu hören – eindeutige Klarheit über deren Urheberschaft gab es aber nicht. So kursierten auch unbestätigte Informationen über einen Selbstmordanschlag durch die Dschihadisten.

SRF-Korrespondentin Ruth Bossart stand am Nachmittag an der Grenze, rund einen Kilometer von Kobane entfernt. «Man hörte anhaltendes Maschinengewehrfeuer und Bombenexplosionen und man sah schwarze Rauchsäulen». Leute vor Ort versicherten ihr, dass sich die Kämpfe klar intensiviert hätten. Das merke man auch an der geringen Zahl von Flüchtlingen, die auf der türkische Seite eintreffen. Offenbar seien sie in Kobane eingekesselt. Wer es über die Grenze geschafft habe, hause derzeit in Zelten oder anderen improvisierten Unterkünften, sagte Bossart in der «Tagesschau».

Internationale Koalition intensiviert Luftschläge

Die US-Streitkräfte bestätigten derweil die intensivierten Luftschläge gegen die Terrormiliz. Bei sechs Angriffen aus der Luft seien am Dienstag und Mittwoch unter anderem ein Transportpanzer und Artilleriegeschütze der IS-Kämpfer zerstört worden.

Insgesamt gab es demnach in Syrien innerhalb von zwei Tagen neun Luftschläge, an denen sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligten. Zudem habe man zusammen mit Grossbritannien und den Niederlanden IS-Ziele im Irak angegriffen.

Türkei als Nato-Bündnisfall?

Der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird am Donnerstag in der Türkei erwartet. Vor dem Hintergrund des IS-Vormarsches auf Kobane will Stoltenberg den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen. Sollte die Terrormiliz IS in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen und damit die Unterstützung der Nato.

Die Lage in der umkämpften Stadt, insbesondere im Hinblick auf allfällige zivile Opfer, bleibt indes unübersichtlich. Der kurdische Aktivist und Journalist Mustapha Ebdi berichtete bei Facebook, die Strassen des Maktala-Viertels im Südosten Kobanes seien «voller Leichen von IS-Kämpfern». Er warnte, die humanitäre Lage für die Hunderten in der Stadt verbliebenen Zivilisten sei sehr schwierig.

Aus der Region Kobane sind mittlerweile 180'000 Menschen in das Nachbarland Türkei geflohen. Dort mehren sich die Proteste der kurdischen Bevölkerung gegen die Regierung in Ankara. Diese leistet zwar humanitäre Hilfe und lässt Panzer an der Grenze auffahren, hat sich bislang aber nicht in den Kampf gegen den IS eingeschaltet.

Kampf um Kobane

Kampf um Kobane

Die türkische Regierung will der kurdischen Bevölkerung helfen, hält jedoch mit einem Militäreinsatz in Syrien zurück. Journalist Kurt Pelda rechnet mit dem Schlimmsten, wenn der IS die Stadt erobert. Hier mehr.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von martin kappeler, Bern
    QTamer Aboalenin: Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie die Kreutzzüge, des Mittelalters und die Kolonialherrschaft des Westens, Kritisieren und beschuldigen! Doch die grausamen Fehler, der Vergangenheit, wiederholen sich in der IS! Und das geht absolut nicht!!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      Eben Herr Kappeler, und deshalb soll man nicht abwarten bis ein IS o.ä auftauchen, sondern man soll die Ursachen von Xenoophobie , Terrorismus und Extremismus bekämpfen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Kappeler - wenn Sie schon mit der ewig alten Kreuzzug-Leier kommen, wäre es schön, wenn wenigstens erwähnt würde, dass der 1. Jihad gegen Europa bereits im Jahr 711 stattfand, also fast 400 Jahre vor dem 1. Kreuzzug nach Jerusalem - im übrigen eine Reaktion auf den islamistischen Imperialismus im östlichen Mittelmeerraum. Man sollte nie vergessen, dass all diese Völker, die wir heute als Araber bezeichnen, zwangsarabisiert und islamisiert wurden; die Heimat der Araber ist die arab. Halbinsel.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @B. Christen: Ich muss noch eine kleine Korrektur anbringen. Das erste bewaffnete Zusammentreffen zwischen christlichen und islamischen Truppen fand bereits in den Jahren 668/669 statt, als Zehntausende von "Gotteskriegern" zum ersten Mal versuchten, Konstantinopel zu erobern. Im Gegensatz zum Christentum, das bis zur Zeit Konstantins 300 Jahre lang KEINE Waffengewalt anwendete, taten das die Radikalen unter den Muslimen von Anfang an. DAS muss auch wieder einmal klargestellt werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    "Sollte die Terrormiliz IS in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen und damit die Unterstützung der Nato." - Ein Hohn sondergleichen. Da lässt dieser zynische Hund Erdogan die Kurden in Kobani elendig im Stich und tut nix gegen die ISIS, aber sobald die ISIS Richtung Türkei marschiert, soll die NATO eingreifen?! Schmeisst dieses Land endlich aus der NATO und macht auch in Sachen EU-Beitritt die Türe zu. Das ist ja unerträglich!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tamer Aboalenin, Bern
    "Diejenigen, die friedliche Revolution unmöglich machen, machen gewaltsame Revolution unausweichlich." sagte J.F. Kennedy schon im Jahr 1962 und wir sehen es immer wieder wie der Westen gewaltsame und blutige Krisen vorprogrammiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @T. Aboalenin: Das trifft auf die Ziele der IS sicher nicht zu. Die IS war niemals bereit eine friedliche Revolution durchzuführen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @Girschweiler, IS ist die Resultate von den Westliche Politik in der Region.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von p.keller, kirchberg
      Sehr einfache Denkweise!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Tamer Aboalenin: Falsch sondern der undurchsichtigen Politik u. Lavierens von Qatar und der Türkei. Die Türkei wird für diesen Fehler bitter bezahlen. Seit 3 Jahren ist die türkische Politik ein Lavieren von einem Desaster zum nächsten. Sie werden bald sehen, dass ich recht habe. Nur die Schuld dem Westen zuzuschieben ist zu einfach, als sich besser selbst einmal bei der Nase zu nehmen. Die TK-Politik hat versagt bei den Armeniern, Christen, Yesidis und immer wieder bei den Kurden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Tareq Abdulkareem, Los Aengeles
      @Girschweiler, du hast noch nicht begriffen, dass die westliche Politik in der Region jede friedliche Revolution zu einem blutigen Kampf umgewandelt?? niemand hat gesagt dass die IS friedlich war, ist oder wird, weil sie ein Frucht von versagte westliche Politik in der Region ist. hätte der Westen den Assad nicht unterstützt , dann könnte die IS NIE Anhänger bekommen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @Girschweiler, mit vollem respekt zu Ihre Meinung, bitte recherchieren Sie richtig und gut, was die Türkei und andere islamische Länder in de letzten 3 Jahren gewarnt haben, was Navi Pillay und paulo pinheiro vor dem UNO gesagt haben . Alle waren einig, dass ein schweigen des Westens über das geschehen in Syrien zu Katastrophen führen, die wir jetzt gerade erleben. Es ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, sondern um endlich richtig zu handeln und von den Fehlern zu lernen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Tareq Abdulkareem: Der Hauptverbündete Syriens ist seit Jahren Russland, Iran, Hisbollah im Libanon. Die Einflussmöglichkeiten des Westens auf Syrien sind seit 1967 nur sehr beschränkt. Im Mittleren Osten ist noch keine Revolution friedlich verlaufen. Weder in Aegypten, Jemen, Lybien, oder Irak. Eine Ausnahme bildet möglicherweise Tunesien, wo es aber ebenfalls zu Opfern kam.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    8. Antwort von B. Bucher, Wikon
      T.A.: Man kann es tausend Mal wiederholen, aber auch dadurch wird das Argument "IS sei das Resultat westlicher Politik" nicht wahrer. Natürlich wurden Fehler gemach, aber deshalb werden aus normalen friedlichen Menschen nicht plötzlich mordende Banden, die Andersgläubigen den Kopf abhacken und das Ganze in hochauflösenden Videos veröffentlichen. Nein, so einfach ist es mit Sicherheit nicht...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    9. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @ Bucher, wenn man die Analysen und die zahlreichen akademische und Studien und detaillierte UNO Berichte über Terrorismus und wie es entsteht, dann kann man schon ja erfahren, mit verschiedenen Beispiele aus der Weltgeschichte, die man Terroristen erzeugen kann. Europa hat nie zu gegeben während ihre schreckliche koloniale Zeiten, dass sie Fehler macht. Im Gegenteil man war damals stolz darauf. erst später habt ihr zu gegeben, dass es schrecklich war. und die Geschichte wiederholt sich jetzt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    10. Antwort von Amira Salem, Zürich
      wissen schon die Herrschaften hier, wann die Schweiz zugegen hat, dass sie Fehler wahrend des 2. Weltkrieg und mit dem Apartheid Regime in Süd Afrika begegnet hat??????
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    11. Antwort von martin kappeler, Bern
      @ tamer Aboalenin! Isa sagt: " Liebe GOTT von ganzem Herzen,mit all Deiner Seele und mit all Deiner Kraft ! Und er sagte. " Liebe deinen Nächsten, wie Dich selbst! An einem anderen Ort, sagte ER; " Liebe Deine Feinde? Tut Wohl denen, die euch hassen und vergebt, so wird auch euch vergeben werden, am Tage des Gerichts!!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    12. Antwort von u.felber, luzern
      @Tamer Meines Wissens waren die USA immer gegen Asad. Vielmehr waren es die Russen die diesen Schlächter immer wieder beschützt und aufgerüstet haben, oder sehen sie westliche Rüstungsgüter beim Asad Regime ? Ich sehe Mig's, T-72/80, BMP's und eine Hülle von Kalaschnikovs. Auch haben die Russen beim Ausbruch des Krieges sämtliche Resolutionen des UN Sicherheitsrates mit ihrem Veto gebodigt. Also eher ein versagen der östlichen Politik, oder ? ;)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    13. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Tamer Aboalenin: Der Westen war mit ganz wenigen Ausnahmen, wie z.B. Kuwait, Trucial Staates (U.A.E.) Aden und Schutzmacht über den Vizekönig in Aegypten die Engl. keine Kolonialmächte im Mittleren Osten. Das osmanische Reich jedoch schon. Schon vergessen wie die Osmanen in blutigsten Vernichtungsfeldzügen versuchten die arabische Halbinsel zu erobern? Ich kenne offenbar die Geschichte eben noch ein wenig besser
      Ablehnen den Kommentar ablehnen