Great Barrier Reef vor Ende? Kohle statt Korallen

Verletzliche Schönheit: Great Barrier Reef

  • Das Great Barrier Reef ist das grösste Korallenriff der Welt. Seine Existenz ist durch die Erwärmung der Ozeane stark bedroht.
  • Dem Schutz des Naturwunders wird keine Priorität eingeräumt. Die australische Regierung unterstützt den Bau neuer Kohleminen.
  • Um das Riff nachhaltig zu sichern, müsste der Verbrauch fossiler Energien eingeschränkt werden.

Neusten Erkenntnissen zufolge könnte schon die Hälfte aller Korallen am 2400 Kilometer langen Great Barrier Reef ausgebleicht sein. Das ist eine Folge des Klimawandels. Dieser ist wiederum unter anderem auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführen, vor allem Kohle. Kohle ist eines der wichtigsten Exportprodukte Australiens. Experten rechnen mit dem Tod des weltgrössten Riffs, wenn die globale Erwärmung der Atmosphäre und der Meere nicht sofort aufgehalten wird.

Warum sterben die Korallen eigentlich?

Physikalische Erklärung, kurz gefasst
Korallenriffe sind Lebensgemeinschaften von kleinen Tierchen (Polypen) und Algen. Die Polypen benötigen Kohlenhydrate als Energie zum Leben. In ihnen lebende Algen führen ihnen diese zu. Wird das Wasser zu warm, funktioniert die Kommunikation zwischen den beiden nicht mehr und die Korallen nehmen die Algen als Feinde wahr. Ihr Immunsystem bekämpft sie. Sind die Algen einmal weg, verhungert das Tierchen.

60'000 Menschen leben vom Riff

Die Tourismusindustrie Australiens anerkennt zwar, ein Problem zu haben. Aber sie scheint die wohl grösste Krise ihrer Geschichte auch zu verdrängen. Einige Touristiker kritisieren die Medien, die das Problem der Korallenbleiche übertreiben würden.

Doch die Realität ist, dass nicht nur einer der wichtigsten Attraktionen Australiens das Ende droht, sondern auch einem Milliardengeschäft. Zwei Millionen Menschen pro Jahr besuchen das Riff vor der Küste des Bundesstaates Queensland. Bis zu 60'000 Menschen leben direkt und indirekt vom Riff-Tourismus.

Er trägt mehr zur wirtschaftlichen Leistung Australiens bei als die Kohlewirtschaft. Trotzdem findet er kaum Gehör bei der Regierung. Jedenfalls nicht so viel, wie die Bergbauindustrie, wie Daniel Gschwind, Chef des Verbandes der Tourismusindustrie von Queensland, sagt.

Entweder Kohle oder Naturwunder

Die Bergbauwirtschaft ist über Spenden auch finanziell einflussreich. Regierung und Opposition stehen jedenfalls geschlossen hinter der Industrie, hinter dem Bau neuer Minen. Doch Wissenschaftler sagen: Kohle oder Riff. Beides zusammen sei nicht möglich.