Kolumbien: Nach zehntausenden Verschwundenen suchen

Die Regierung und die Farc-Rebellen in Kolumbien haben sich auf ein Vorgehen im Zusammenhang mit verschwundenen Menschen geeinigt. Verschwundene sollen gesucht und identifiziert werden.

Die Verhandlungsdelegation der Armee und der Farc gibt an einem langen Tisch sitzend die Übereinkunft bekannt.

Bildlegende: Die gemeinsame Basis wird grösser: Die Verhandlungsdelegation der Armee und der Farc gibt die Übereinkunft bekannt. Reuters

Nach dem Durchbruch bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc-Guerilla haben die Konfliktparteien eine weitere Detaileinigung erzielt.

Beide Seiten sind am Samstag übereingekommen, «erste Massnahmen zur Suche, Identifizierung und Rückgabe von sterblichen Überresten» verschwundener Menschen zu ergreifen. Bei der Suche nach den Verschwunden soll das Rote Kreuz helfen. Das teilten kubanische und norwegische Diplomaten mit. Letztere vermitteln im Konflikt. Darüber hinaus soll längerfristig eine Ermittlungsgruppe zu Verschwundenen eingesetzt werden.

Ambitionierte Pläne in den Friedensgesprächen

Die linksgerichtete Farc und die Regierung hatten am 23. September ihre Einigung auf den juristischen Rahmen zur Aufarbeitung ihres jahrzehntelangen Konflikts bekannt gegeben. Sie vereinbarten unter anderem Regelungen zum strafrechtlichen Umgang mit den Beteiligten an dem Konflikt in dem südamerikanischen Land.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und der Farc-Kommandant Timoleón Jiménez alias Timochenko verabredeten zudem, die Friedensgespräche bis März 2016 zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

220'000 Tote zu beklagen

Die Farc-Guerilla hatte im Jahr 1964 den bewaffneten Kampf gegen Grossgrundbesitzer und die kolumbianische Regierung aufgenommen. Sie zählt heute rund 7000 Kämpfer. In dem ein halbes Jahrhundert dauernden Konflikt, an dem auch andere linke Rebellengruppen, ultrarechte Paramilitärs und Drogenhändler beteiligt waren, wurden nach offiziellen Angaben etwa 220'000 Menschen getötet. Sechs Millionen Menschen flohen vor der Gewalt.