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Asean-Gipfel Konflikt um Meeresgebiete spaltet Südostasien

Der philippinische Präsident Duterte eröffnet den Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean. Dominierendes Thema: Der Konflikt im südchinesischen Meer zwischen China und den Asean-Staaten. Diese sind sich aber nicht einig, wie dem chinesischen Druck begegnet werden soll.

Zwei Männer enthüllen Plakat
Legende: Die Philippinen unter Präsident Duterte (links) haben in diesem Jahr den Vorsitz der Asean. Keystone

Noch vor einem Jahr sagte Rodrigo Duterte im Wahlkampf vollmundig, er werde mit einem Jetski auf die von China besetzten Inseln im südchinesischen Meer fahren. Dort werde er dann die philippinische Flagge hissen.

Als Präsident hat er bei diesem Thema aber eine Kehrtwendung vollzogen. Denn bereits im Oktober, bei seinem ersten Staatsbesuch in China, klang es ganz anders. «Ich kam nicht hierher, um über das Südchinesische Meer zu sprechen», sagte er. «Ihr fragt: Kann das warten? Natürlich kann das warten. Es wird eine Zeit geben, wenn wir darüber sprechen müssen, weil auch andere Staaten vom selben Problem betroffen sind. Aber jetzt ist nicht die Zeit zu Streiten.»

Schwenk Richtung China

Duterte suche eine bilaterale Lösungen mit China und nicht eine in Übereinstimmung mit allen Asean-Ländern, so Jay Batongbacal, Direktor des Instituts für Seerecht und Meeresangelegenheiten der University of the Philippines.

Duterte machte einen Schwenk Richtung China. Und China dankte es ihm, in dem es Verträge, Infrastruktur- und Hilfsprojekte im Wert von 24 Milliarden Dollar unterzeichnete. China erlaubte danach philippinischen Fischern in die Fischgründe des Scarborough-Riff zurück zu kehren – ein Gebiet, das China vor fünf Jahren annektiert hatte, das jedoch auch von den Philippinen beansprucht wird.

Philippinen erhielten Recht

Sechs Asean-Länder stellen Hoheitsansprüche im südchinesischen Meer. China jedoch beansprucht es beinahe ganz für sich und schafft klare Fakten. So liess es in den Spratly Inseln sieben Riffe zu künstlichen Inseln aufschütten. Diese wurden inzwischen in regelrechte Marinebasen umgebaut, ausgestattet mit Flugabwehrraketen.

Diesem aggressiven Vorgehen wollten die Philippinen unter dem letzten Präsidenten einen Riegel schieben und legten eine Beschwerde am Den Haager Schiedsgericht ein. Und dieses gab den Hoheitsansprüchen der Philippinen im vergangenen Juli in den meisten Punkten Recht.

China jedoch ignoriert dieses Urteil und baut die künstlichen Inseln weiter aus. Das wiederum verärgert nicht nur einige Asean-Staaten, sondern auch die USA. Amerikanisch-chinesische Drohgebärden mit Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen haben schon zu heiklen Situationen geführt.

In Zukunft könnte das Spiel mit dem Feuer noch explosiver werden, wie Donald Trumps zukünftiger Aussenminister Rex Tillerson kürzlich vor einem Senatsausschuss ankündigte: «Wir werden China ein klares Signal senden: Hört auf, künstliche Inseln zu bauen – denn ihr werdet keinen Zugang mehr bekommen zu diesen Inseln». Wie das genau geschehen soll, liess Tillerson aber offen.

Mit Milliarden-Projekten gekauft

Offen ist mittlerweile auch, welche Position die Asean einnimmt. Denn der Verband der südostasiatischen Nationen ist kein homogener Block mehr: Längst hat China Mitgliedsländer wie Kambodscha und Laos, die selber keine Ansprüche im südchinesischen Meer stellen, mit Milliarden-Projekten gekauft und damit die Asean-Länder gespalten.

Unter Präsident Rodrigo Duterte sind nun auch die Philippinen eingeknickt. Der philippinische Vorsitz der Asean kann deshalb nur eines bedeuten: Auch in diesem Jahr werden die südostatischen Ländern dem Druck aus Peking und dem Ausbau der künstlichen Inseln im südchinesischen Meer nichts entgegen setzen können, weil sie nicht mit einer Stimme sprechen. China wird sich freuen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Der AsiatischeRaum zeigt einmal mehr; werden RegionalVerhandlungen von Aussen nicht sabotiert, gibts immer friedliche Lösungen. (So wie zB das heutige gemeinsame Communiqué von China und Vietnam) - Ob die andern Abkommen als "gekauft" oder "verhandelt" zu bewerten sind; ist wohl Ansichtssache.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Und wer gießt Öl ins Feuer und heizt die Stimmung zu seinen Gunsten an. Der selbsternannte, Weltpolizist. Die USA hat hier als mehrfacher Täter und Zerstörer nichts, aber auch gar nichts verloren. Asien kann die Sache unter sich regeln. Vielleicht wird uns nicht alles gefallen. Doch sie müssen damit leben. Imperialpolitik braucht es nun wirklich nicht mehr.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Der dritte US-Flugzeugträger ist bereits auf dem Weg ins südchinesische Meer... wahrscheinlich für eine "Friedensmission".
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Es sieht ganz danach aus, als ob die südostasiatischen Staaten diese Angelegenheit unter sich und ohne militärische Auseinandersetzungen zu regeln imstande sind. Die USA sollen sich raushalten, ansonsten gibt es einen weiteren Kriegsherd, und der nützt niemandem in der Region! Wenn China seine Ansprüche auf wirtschaftlicher Ebene abgelten kann, ist das legitim. In Frage gestellt werden sollte hingegen die Legitimität der US-Präsenz im südostasiatischen Raum.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Was die Legitimität betrifft, so hat es da in Hawaii begonnen und mit Hiroshima und Nagasaki geendet. Den Rest können Sie ua. auch in Wikipedia nachlesen.
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