Konfliktregion Dagestan: Fast täglich kommt es zu Anschlägen

Eine kleine Republik im Nordkaukasus macht diese Tage wegen der Bombenexplosionen in Boston plötzlich Schlagzeilen: Dagestan. Die mutmasslichen Täter gingen dort zur Schule. Was ist das für ein Land, in dem es fast täglich zu Anschlägen kommt?

SRF-Korrespondent Peter Gysling ist vor zehn Tagen von einer Reportage aus Dagestan zurückgekehrt. Er kennt das Land, das nur wenig grösser ist als die Schweiz. Das Land, das seit den Anschlägen während des Boston-Marathons traurige Berühmtheit erlangte.

Die beiden verdächtigten Brüder Zarnajew sind ethnische Tschetschenen. Als tschetschenische Vertriebene sind sie in Kirgistan aufgewachsen. 2001 ist die Familie in den russischen Nordkaukasus zurückgekehrt. In der tschetschenischen Nachbarrepublik Dagestan sind die Brüder zur Schule gegangen. Später ist die Familie in die USA ausgewandert.

Von Tamerlan Zarnajew, dem verstorbenen Bruder, weiss man, dass dieser im vergangenen Jahr für einige Zeit in den russischen Nord-Kaukasus zurückgekehrt ist. Offenbar hatte er in Dagestan und Tschetschenien Kontakte zu extremistischen islamistischen Gruppierungen gesucht.

Häufiger Verstoss gegen die Menschenrechte

Extremistische Islamisten verstünden es im russischen Nordkaukasus immer mehr, arbeitslose Jugendliche für einen «Heiligen Krieg» zu motivieren, erklärt Gysling. Diese kämpfen dort mit beinahe täglichen Anschlägen für einen von Russland unabhängigen Staat. Sie wollen ein islamisches Emirat.

Russische Sondertruppen ihrerseits gingen bei ihren Anti-Terroraktionen äusserst rigoros auch gegen Unschuldige vor und verletzten dabei immer wieder die Menschenrechte.

Trotzdem ist Gysling der Meinung, dass die Anschläge in Boston kaum zum Ziel hatten, den kaukasischen Sezessionskampf in die USA zu exportieren.