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Kooperation statt Konkurrenz Jetzt kommt der europäische Kampfjet

In der Nato-Luftwaffe zeichnet sich das Ende einer absurden Konkurrenz ab: Frankreich und Deutschland spannen zusammen.

Legende: Audio Gemeinsamer Kampfjet für Frankreich und Deutschland abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
04:05 min, aus Rendez-vous vom 28.05.2018.

Das Problem ist altbekannt. Bloss gelöst wurde es nie. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg formuliert es so: «Die USA leisten sich ein Infanterie-Kampffahrzeug, die übrigen Nato-Staaten 19 verschiedene Typen. Drei Luft-Luft-Raketentypen sind es in den USA, 13 in Europa und bei den Fregatten besitzt Washington vier Typen, die restliche Nato 29.»

Der deutsche Nato-General Gert-Johannes Hagemann sieht deshalb die Zusammenarbeit im Bündnis unnötigerweise erheblich eingeschränkt. Er fordert: «Wir müssen bei zukünftigem Gerät dafür sorgen, dass es mit den Nachbarn kompatibel ist.»

Heute stehen auf dem Rollfeld noch ein Eurofighter und ein Rafale nebeneinander. In Zukunft wird es ein Flugzeug für beide Nationen geben.
Autor: Ursula von der LeyenDeutsche Verteidigungsministerin

Konkret: Die Nato-Staaten bezahlen für ihr militärisches Gerät unnötig viel. Solange es etwa mehrere verschiedene Panzer- oder Kampfflugzeugtypen gibt, müssen die inzwischen horrend hohen Entwicklungskosten auf geringe Stückzahlen umgelegt werden. Der einzelne Rafale, der einzelne Eurofighter oder Gripen kostet also viel zu viel.

Ende der luxuriösen Selbstversorgung

Das wissen alle. Dennoch hegte und pflegte bisher jedes Land eifersüchtig seine heimische Rüstungsindustrie. Und keine nationale Militärführung kaufte einfach eine Fregatte oder einen Panzer von der Stange, sondern vielfältige, aber eben teure Sonderanfertigungen.

Dies obschon staatliche Mittel zunehmend knapp sind, jedoch die Aufgaben der Streitkräfte ständig steigen, wie die französische Verteidigungsministerin Florence Parly sagt. Doch nun wächst offenkundig der politische Druck mit dem Luxus aufzuhören, dass sich jedes Land sein Rüstungsmenü autonom bestellt.

Angela Merkel.
Legende: Angela Merkel plädiert angesichts gemeinsamer Herausforderung für eine gemeinsame Rüstungspolitik. Reuters

Ein erster Schritt wurde bereits mit dem Kooperationsprojekt Eurofighter getan. Doch dessen Erfolg, vor allem auf den Exportmärkten, hält sich in Grenzen. Vor zwei Jahren folgte die Fusion des französischen Panzerbauers Nexter mit dem deutschen Anbieter Krauss-Maffei.

Und nun kommt ein wirklich grosser Schritt: Deutschland und Frankreich entwickeln ihr künftiges Kampfflugzeug gemeinsam und zwar mitsamt einem umfassenden Luftverteidigungssystem mit Drohnen, Satelliten und Lenkwaffen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte neulich auf der Luftfahrtmesse in Berlin: «Wir beschaffen gemeinsam Luftfahrzeuge, wir bilden gemeinsame Staffeln, wir führen gemeinsame Auslandmissionen durch.»

Aus Konkurrenten werden Partner

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nimmt schon Abschied von der Gegenwart: «Heute stehen auf dem Rollfeld noch ein Eurofighter und ein Rafale nebeneinander. In Zukunft wird es ein Flugzeug für beide Nationen geben.»

Konkurrenten – Airbus und der französische Rüstungskonzern Dassault – werden zu Partnern. Laut Dassault-Konzernchef Eric Trappier könne man nur so den Amerikanern die Stirn bieten, welche die europäische Rüstungsindustrie und die europäische Rüstungszusammenarbeit bekämpften.

Von der Leyen spricht vor Eurofighter mit dem estnischen Verteidigungsminister.
Legende: Zeitenwende in der europäischen Rüstungspolitik? Die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen will sich vom alten Konkurrenzdenken verabschieden. Reuters

Die Marschrichtung ist nun vorgegeben. Offen bleibt, ob der Schulterschluss zwischen Paris und Berlin die Briten, die Italiener oder die Spanier ausschliesst? In Grossbritannien, wo sich der Sitz des Rüstungsriesen BAE-Systems befindet, ist das ein grosses Thema.

Deutsch-französische Dominanz?

BBC-Wirtschaftsreporter Theo Leggett bleibt zuversichtlich: «Europäische Verteidigungsvorhaben sind auf viele Partnerschaften angewiesen, das zeigt die Geschichte.» Entwicklungs- und Produktionszyklen im Rüstungsbereich sind enorm lang.

Der neue deutsch-französische Kampfjet wird kaum vor dem Jahr 2035 fertig und wohl erst 2040 serienmässig ausgeliefert. Bis wirklich Kosteneinsparungen und Kampfkraftsteigerungen erzielt werden, dauert es also noch.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Hauser (Nyota)
    Eigentlich ist eine Kooperation gut. Aber eine negative Entwicklung sehe ich trotzdem. F und D zusammen haben das drittgrösste Militärbudget weltweit (44 + 57 Milliarden). Das ist extrem viel. Speziell Deutschland, denen nach dem zweiten Weltkrieg Rüstungsauflagen gemacht wurden, sind nun wieder voll am Angriffsrüstung zu produzieren. Panzer, Flugzeuge usw. Die EU mischt sich jetzt schon in jeden zweiten Konflikt weltweit ein und mit dieser Flugzeug / Drohnen Kooperation wird es bestimmt mehr!!
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  • Kommentar von Johannes Rösinger (JohMuc)
    Ein weiteres F und D Projekt, sehr schön. So arbeiten Freunde zusammen, selbst wenn man früher die größten Feinde war. Eine Wandel und eine Freundschaft die Vorbildcharakter haben sollte. Da die Schweiz gerade Flieger "sucht", könnte man hier auch ein "Dreiländer Eck Flieger" gemeinsam bauen. Würde bestimmt ein sehr guter Flieger mit Wissen und Können aus den drei Ländern. Auch ein gemeinsames Abwehrsystem macht für mich durchaus Sinn. Und nein ich spreche nicht von der EU, Nur von CH, F und D.
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  • Kommentar von Frank Henchler (Fränki)
    HK. Relativ zur Bevölkerung ist die CH in Europa mit vorne dabei, wenn es um Waffenexporte geht. Nicht nur das. Es wird sogar darüber diskutiert in Bürgerkriegsländer zu exportieren. Also schön Ball flach halten.
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