Kosovo hat einen neuen Präsidenten

Hashim Thaçi ist zum neuen Staatspräsidenten gewählt worden. Die Wahl ging allerdings nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne.

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Bildlegende: Hashim Thaçi, der frühere Regierungschef (2008 bis 2014) löst jetzt Atifete Jahjaga an der Staatsspitze ab. Reuters

Trotz dichter Tränengasschwaden im Parlament in Pristina haben die Abgeordneten den amtierenden Aussenminister Hashim Thaçi zum neuen Staatspräsidenten des Kosovos gewählt. Für den früheren Regierungschef stimmten 71 Parlamentarier, bei zehn Gegenstimmen.

Thaçi dankte nach der Wahl seinen Unterstützern. «Ich verspreche, ein neues Kosovo aufzubauen, ein europäisches Kosovo», sagte er. Zudem wolle er «unsere Beziehungen zu den USA vertiefen».

Tränengaswolke im Parlament, Parlamentarier verlassen den Saal

Bildlegende: Wegen Tränengas musste die Sitzung des Parlaments unterbrochen werden. Reuters

Gewaltiges Polizeiaufgebot

Die Abgeordneten der Opposition hatten das Plenum noch vor der Abstimmung verlassen. Sieben Oppositionelle waren zuvor schon von der Sitzung ausgeschlossen worden, da sie im Saal Tränengas versprüht hatten.

Die Opposition blockiert mit ähnlichen Attacken seit Monaten das Parlament. Sie will erreichen, dass die Regierung zurücktritt und vorzeitige Wahlen ausschreibt, weil sie der serbischen Minderheit im Land zu viele Rechte eingeräumt habe. Sie wirft zudem Thaçi Korruption und eine Spaltung des Volkes vor.

Zuvor hatten um das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Pristina hunderte Oppositionsanhänger gegen eine Wahl Thaçis protestiert. Ein riesiges Polizeiaufgebot umringte das Parlamentsgebäude, um mögliche Angriffe der Demonstranten abzuwehren.

Thaçi hatte seine Anhänger zuvor bereits angewiesen, seine erwartete Wahl zu Hause zu feiern. Thaçis Demokratische Partei Kosovos (PDK) ist Juniorpartner der Demokratischen Liga Kosovos (LDK) in der Regierung von Isa Mustafa.

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Proteste im Kosovo

0:24 min, vom 26.2.2016

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Tränengas während einer Sitzung des Parlaments in Pristina am 26. Februar aus Protest gegen Premierminister Hashim Thaci, der erneut zum Staatspräsidenten gewählt werden soll.

    Hashim Thaci - umworben und umstritten

    Aus Echo der Zeit vom 26.2.2016

    Eigentlich hätte Hashim Thaci, der langjährige Regierungschef des Kosovo, am Freitag zum Staatspräsidenten gewählt werden sollen. Doch die Abstimmung wurde unterbrochen, weil die Opposition - einmal mehr - Tränengas einsetzte. Die Abstimmung musste unterbrochen werden.

    Woher kommt diese massive Ablehnung? Gespräch mit NZZ-Südosteuropa-Korrespondent Andreas Ernst.

    Samuel Wyss

  • Aufstand in Kosovo

    Aus Rundschau vom 24.2.2016

    Seit Wochen blockieren Aktivisten mit Tränengas-Attacken den Parlamentsbetrieb in Pristina. Eine aktive Rolle spielen Schweizer mit kosovarischem Hintergrund. Sie haben sich der Oppositionsbewegung Vetëvendosje angeschlossen und haben beste Beziehungen zur SP – eine Spurensuche im Kosovo.

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