Kosovo in Zahlen Kosovo – instabil, korrupt, arm

Das Land gilt selbst unter den Balkan-Staaten als Armenhaus. Fortschritte gibt es, aber in kleinen Schritten.

Bildlegende:Der Kosovo liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel. Er grenzt an Albanien, Montenegro, Serbien und Mazedonien. SRF

Bevölkerung: Die Republik Kosovo hat rund laut Volkszählung 2011 rund 1,8 Millionen Einwohner. Eine Frau bringt im Schnitt 2,3 Kinder zur Welt. Die Bevölkerung ist die jüngste innerhalb Europas: Über die Hälfte ist jünger als 25 Jahre alt. Die Lebenserwartung für Frauen beträgt 71, die der Männer 67 Jahre. Zusätzlich zu den rund 1,8 Millionen Einwohnern des Kosovo leben und arbeiten etwa 420’000 Kosovaren im Ausland, vor allem in Deutschland, den USA, Österreich und der Schweiz. In der Schweiz leben rund 170'000 Kosovo-Albaner.

Ethnische Struktur: Der Anteil der Kosovo-Albaner wuchs im Laufe des letzten Jahrhunderts an. Grund sind die hohen Geburtenzahlen der Kosovo-Albaner und die Abwanderung der Serben. Eine nicht-serbische Bevölkerungsmehrheit wies Kosovo aber bereits 1912 auf, als die osmanische Herrschaft endete. Schätzungen der Weltbank gehen von 88 Prozent Albanern, 7 Prozent Serben und 5 Prozent Übrigen aus. Vor allem der Norden Kosovos ist mehrheitlich von Serben besiedelt.

Sprachen: Amtssprachen sind Albanisch und Serbisch, in einigen Gemeinden auch Türkisch, Bosnisch und Romanes (Sprache der Roma).

Religion: Laut Verfassung ist Kosovo ein säkularer Staat, der neutral gegenüber religiösen Glaubensrichtungen ist. Die kosovarische Gesellschaft ist ebenfalls stark säkularisiert. Viele gehen mit der Religion locker um. 95,61 Prozent der Bevölkerung Kosovos sind Muslime. Die Serben gehören zumeist der Serbisch-Orthodoxen Kirche an.

Bildung: Bei den Frauen ist der Anteil an Analphabeten signifikant höher als bei Männern: 12,5 Prozent der Frauen und 3,4 Prozent der Männer können weder lesen noch schreiben. Die Jüngeren sind jedoch besser ausgebildet. Die Qualität der Bildung ist mangelhaft, für Reformen fehlt jedoch das Geld.

Konflikt: Sowohl die Serben als auch die Albaner beanspruchen Kosovo für sich. Der Konflikt geht auf die Zeit zurück, als das Osmanische Reich im 15. Jahrhundert Kosovo von Serbien eroberte. Im Balkankrieg 1912 eroberten die Serben das Kosovogebiet vom Osmanischen Reich zurück. Seither war es völkerrechtlich ein Bestandteil Serbiens. Seit Ende des 19. Jahrhunderts stellen die Kosovo-Albaner die Bevölkerungsmehrheit in diesem Gebiet.

Kosovokrieg: Der Kosovo-Konflikt dauerte vom Februar 1998 bis zum Juni 1999. Ziel der Nato war, die serbische Regierung Slobodan Miloševićs zum Rückzug der Armee aus Kosovo zu zwingen und so weitere serbische Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Ziel Jugoslawiens war der Schutz der serbischen Minderheit in Kosovo und die Abwehr der aus Miloševićs Sicht erfolgten Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. In den Konflikt waren die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), die jugoslawische Armee und serbische Ordnungskräfte sowie Nato-Streitkräfte unter Führung der USA verwickelt.

Unabhängigkeit: Der völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten. 2008 proklamierte Kosovo die Unabhängigkeit. 111 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen anerkennen das Land als unabhängig. Serbien betrachtet Kosovo formal als seine autonome Provinz, räumt jedoch ein, dass eine «serbische Souveränität über Kosovo praktisch nicht vorhanden ist» und die «wahren Grenzen» Serbiens in der Zukunft noch zu bestimmen seien.

Politik: Seit 2016 ist Hashim Thaçi (PDK) Präsident Kosovos. Die «Demokratische Partei des Kosovo» (PDK) vertritt teilweise sozialdemokratische Positionen und ist die wichtigste politische Nachfolgeorganisation der paramilitärischen Organisation UÇK.

Organisierte Kriminalität: Laut den USA ist Kosovo eine der wichtigsten europäischen Transitrouten für Heroin aus Afghanistan nach Westeuropa. Schon für die Finanzierung der UÇK in den 90ern war das Rauschgift wichtig.

Die Justiz ist bis heute schwach, die organisierte Kriminalität stark. Laut UNO machte der Drogenhandel 2008 etwa 15 bis 20 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Der Regierung werden enge Verbindungen zu den mafiösen Strukturen vorgeworfen. So konnte erst auf Druck der EU ein Antikorruptionsgesetz zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet werden.

Wirtschaft: Die Wirtschaft stützt sich zum einen auf kleinbäuerliche Betriebe sowie Privatunternehmen im Handels- und Bausektor. Die Wirtschaft hängt stark von den Hilfsgeldern der EU und den Kapitaltransfers der Emigranten ab. Die Überweisungen durch Gastarbeiter aus dem Ausland sind höher als die in Kosovo erwirtschafteten Werte. Alleine aus der Schweiz flossen im Jahr 2016 rund 175 Millionen Franken nach Kosovo. Ausländische Direktinvestitionen sind angesichts ungewisser politischer Zukunft und problematischer Gesetzgebung bei der Privatisierung gering.

Offizielle Währung ist der Euro. Kosovo ist jedoch kein Mitglied der Europäischen Währungsunion.

Eine Steuerverwaltung befindet sich erst im Aufbau. Im Januar 2012 wurden beispielsweise ganze 1,2 Millionen US-Dollar an Steuern eingezogen.

Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit sank in den letzten Jahren, von 2001 mit 57 Prozent auf 27,5 Prozent im 2016. Besonders die Jungen sind von Arbeitslosigkeit betroffen.

Armut: Nach Angaben der Weltbank aus dem Jahr 2009 leben 34 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Bei diesen Menschen war das Einkommen unter 1,37 Euro pro Tag und Erwachsener. 12 Prozent war gar unterhalb der Grenze extremer Armut. Bei ihnen war das Einkommen unter 0,93 Euro pro Tag und Erwachsener. Betroffen sind ländliche Regionen sowie Angehörige von Minderheiten wie den Roma.