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International Kreml-Kritiker Nemzow in Moskau beerdigt

Unter einem massiven Polizeiaufgebot haben Tausende Menschen in Moskau Abschied genommen vom ermordeten Kreml-Kritiker Boris Nemzow. Am offenen Sarg des Oppositionellen überwog die Trauer. Willkommen waren aber nicht alle.

Legende: Video Emotionaler Abschied von Nemzow abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.03.2015.

Der ermordete Kremlkritiker Boris Nemzow ist in Moskau beigesetzt worden. An der Beerdigung auf dem Trojekurowo-Friedhof im Westen der russischen Hauptstadt nahmen rund 600 Menschen teil. Zuvor waren am Vormittag Freunde und Weggefährten mit roten Rosen in den Händen am offenen Sarg des 55-jährigen Oppositionellen vorbeigezogen.

Trauernde warteten stundenlang in der Kälte

Der Leichnam des ermordeten Boris Nemzow war in den Räumen des Sacharow-Zentrums aufgebahrt. Vor dem Gebäude warteten die Trauernden stundenlang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und leichtem Schneefall. Die Menschenschlange zog sich Hunderte Meter die Strasse entlang.

Kreml-Chef Wladimir Putin, der erneut versicherte, alles für die Aufklärung des «zynischen Mordes» zu tun, war nicht vor Ort. Stattdessen reihte sich der stellvertretende Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch in die Schlange der Trauernden ein. Auch der Politiker, der zu den zunehmend an den Rand gedrängten Liberalen im Kreml gehört, trug einen Strauss roter Blumen.

Unmut wegen Einreiseverboten

Mehreren Politikern aus EU-Staaten, die von Nemzow Abschied nehmen wollten, war die Einreise nach Russland verweigert worden. So reichte etwa das polnische Aussenministerium eine Protestnote ein, weil Senatspräsident Bogdan Borusewicz nicht zur Trauerfeier kommen durfte. Auch die lettische EU-Abgeordnete Sandra Kalniete wurde nach eigenen Angaben an der Grenze abgewiesen.

Nemzow war am vergangenen Freitagabend in unmittelbarer Nähe des Kremls auf offener Strasse erschossen worden. Der Täter entkam unerkannt. Nemzows Begleiterin blieb unverletzt. Die 23-Jährige verliess Moskau am Montagabend nach tagelangen Verhören der russischen Ermittler in ihre ukrainische Heimat.

Freiheitsorden von der Ukraine

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den getöteten Boris Nemzow mit dem Freiheitsorden gewürdigt. Das ist die höchste Auszeichnung seines Landes. «Für uns Ukrainer wird Boris für immer ein Patriot Russlands und Freund der Ukraine bleiben. Er zeigte mit seinem Leben, dass man das vereinen kann, man muss lediglich wollen», so Poroschenko.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Dass in der UA viel falsch gelaufen. Dafür sind die Schuldigen in der UA zu suchen. Nur darf diese Feststellung nicht mit der Schuldfrage hinsichtlich des Krim-Anschlusses in der Ostukraine vermischt werden. Ein Jahr nach der Flucht von Janukowitsch aus der UA nach RUS befindet sich das Land in einer verzweifelten Situation. Es hätte Ruhe und Zeit gebraucht, um die Ideen und Motive, welche die Maidan-Bewegung antrieben, in Reformpolitik zu übersetzen. Das hat vor allem V. Putin verhindert.
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  • Kommentar von Markus bach, Basel
    Mit dem Tod Nemzow stirbt auch ein Teil Russlands - und zwar die Zukunft des Landes. Möge der/die nächste starke Mann/Frau sich erheben und gegen diese ganzen Missstände ankämpfen!
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Erinnere ja ungern an die Geschichte Russlands. Die ganzen Zarenfamilie hingerichtet, haben Revolutionäre/Regime-Gegner die Macht in Russland übernommen. Wohin es Russland führte, steht auch in der Geschichte. Auf alle Fälle nicht in die Freiheit & die Missstände waren danach grösser als vorher. Macht verändert leider jeden Menschen. Vermutlich hätte sie auch Nemzow verändert, er, der schon jetzt auch nicht grad ein Chorknabe gewesen ist.
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Dja lieber Boris, vielleicht wird es in Russland einmal so wie Sie es gerne gehabt hätten. Aber im Moment hat keiner das Recht frei zu Denken und schon gar nicht zu Sprechen! Solange dieser Autokrat im Amt ist wird alles nur noch schlimmer.
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    1. Antwort von Hz. imBoden, Ringgenberg
      Klare Worte von Autokrat Boris? Der Konflikt werde so lange andauern, wie sich die "Ukrainer nicht untereinander einig werden", sagte Putin. Die Regierung in Kiew müsse "auf ihr Volk hören" und eine Übereinkunft mit "allen politischen Kräften und Regionen des Landes" finden.
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