Zum Inhalt springen
Inhalt

Krieg in der Ostukraine Aufflammende Kämpfe fordern Tote

Das Kriegsgebiet der Ostukraine hat die schlimmste Woche in diesem Jahr hinter sich. Insgesamt zehn Personen starben bei Kämpfen.

Legende: Audio Moskaukorrespondent David Nauer über die Lage in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
03:46 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.05.2018.

Es wird wieder geschossen: Im Osten der Ukraine häufen sich Verstösse gegen die Waffenruhe. Zwei ukrainische Soldaten, ein Kämpfer der prorussischen Separatisten und ein Zivilist wurden nach Angaben beider Seiten jüngst bei Kämpfen getötet. Damit stieg die Zahl der Toten innerhalb von fünf Tagen auf zehn. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) spricht von der «bislang schlimmsten Woche in diesem Jahr».

Kampf um ein Dorf als Auslöser: «Die ukrainische Armee ist in eine kleine Ortschaft vorgerückt, die im Niemandsland zwischen den Fronten lag», beschreibt SRF-Moskaukorrespondent David Nauer den Beginn der Zwischenfälle. Die Bewohner seien laut ukrainischen Angaben von den Separatisten drangsaliert worden, deshalb hätte die Armee sie befreien müssen. Jetzt versuchten die Separatisten, die ukrainischen Soldaten wieder hinauszudrängen, so Nauer weiter. Die Folge: Heftige Gefechte mit Todesopfern und Verletzten.

Symbolbild: Ukrainische Soldaten feuern im Gegenlicht eine Kanone ab.
Legende: Die Waffenruhe wird ständig verletzt: Ukrainische Soldaten feuern ein Geschütz ab. Keystone Archiv

Kämpfe flammen auf: Die Stellungen der ukrainischen Truppen und der Separatisten entlang der sogenannten Demarkationslinie liegen jeweils sehr nahe beieinander. «Das sorgt für enorme Nervosität», so Nauer. «Ein sich lösender Schuss kann sofort zu einem Artillerieduell eskalieren» Auch wenn OSZE-Beobachter vor Ort sind und diese Verstösse gegen die vereinbarte Waffenruhe festhalten: Meist ist nicht feststellbar, wer mit einer Schiesserei begonnen hat. So sei das wohl auch im aktuellen Fall: «Von einem Brennpunkt der Kämpfe breitet sich die Gewalt über die ganze Front aus.»

Krieg ohne Ende: Mit den neuen Kämpfen geht eine Phase der relativen Ruhe zu Ende. In der Region stehen sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten seit 2014 gegenüber. Die im Minsker Vertrag von 2015 unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs vereinbarte Waffenruhe ist sehr fragil, sie wird täglich irgendwo gebrochen. Die OSZE zeigt sich angesichts der Entwicklung besorgt. Ihre Beobachter registrierten allein in der letzten Woche 7700 Verstösse gegen die in Minsk vereinbarte Waffenruhe.

Panzerparade entlang einer Strasse.
Legende: Prorussische Kämpfer präsentieren ihre schweren Waffen in Lugansk. Keystone

Kein stabiler Frieden in Sicht: Ein Ende des Konfliktes im Osten der Ukraine ist nicht absehbar. Zwar wurde schon vor vier Jahren eine Waffenruhe vereinbart, doch seither sind keine Fortschritte erzielt worden. Das Problem: «Hinter den Separatisten steht Russland, hinter der Ukraine stehen die EU und die USA», beschreibt Nauer die Situation. Diese beiden Blöcke müssten sich auf eine politische Lösung verständigen. Anders sei die Ostukraine nicht zu befrieden, ist der Korrespondent überzeugt.

Grösste Mission der OSZE: Die OSZE hat in der Ostukraine fast 700 Beobachter aus über 40 ihrer Mitgliedstaaten postiert, die die Einhaltung des Waffenstillstands kontrollieren sollen. In dem Konflikt sind nach UNO-Angaben bislang mehr als 10'000 Menschen getötet worden, Millionen sind geflüchtet. Die Krise begann nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Die russischsprachigen Gebiete um Donezk und Lugansk im Osten der Ukraine wollten sich daraufhin von Kiew abspalten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Interessant wie auf der ganzen Welt die Kriesenherde angeschuehrt werden in den letzten Monaten. Man zeigt gross auf die Russen, welche von den Grossmaechten bei weitem das kleinste Ruestungsbudget haben; und sich wohl die Fussball WM selber vermasseln wollen. Ich frage mich immer, wer hat am meisten zu verlieren, respektive zu gewinnen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von SRF News
      Sehr geehrter Herr Grossrieder Sie haben recht, dass dem Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine die Ereignisse auf dem Maidan vorangingen. Allerdings geht es in diesem Text nicht um eine Aufarbeitung der jüngeren ukrainischen Geschichte, sondern um die jüngste Eskalation der Kämpfe. Diese Entwicklung ist sachlich richtig und ausgewogen dargestellt. Aus meiner Sicht ist es deswegen zulässig, die Entstehung des Konflikts nur summarisch zusammenzufassen. Falls Sie sich für die Ukraine interessieren, empfehle ich Ihnen übrigens meine Radio-Sendung «International», die Sie unter folgendem Link nachhören können. https://www.srf.ch/sendungen/international/international-die-ukraine-und-ihr-steiniger-weg-nach-westen Mit freundlichen Grüssen David Nauer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von O. Raiski (O.R.)
    Es sieht so aus, dass herr Nauer hier ein Stück von Historie neu definieren will? Ich würde noch mal prüfen wie das ganze situation in UA chronologisch gelaufen ist ? Zeitpunkt wenn die Ukrainer richtung osten gegen eigene Volk angegriffen haben war früher als Volksabstimmung in Krim.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von David Neuhaus (Um Neutralität bemüht)
      Sie haben natürlich recht O.Raiski, jeder der daran interessiert ist kann denn genauen Ablauf, die begangenen Greueltaten wie auch die noch offenen Verbrechen (Odessa/Maidan/Attentat auf Stromversorgung Krim/Morde an oppositionelle Politiker und Journalisten in Kiew etc.) nachlesen. Nur für einige unserer Journalisten scheint dies anscheinend zu schwierig zu sein!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Tellerwäscher)
    Stalin hatte halt mit seinen verbrecherischen Aktionen nach dem 2. Weltkrieg kein Glück und hinterlässt ein beleidigtes Russland. Aber diese Zeiten sind vorbei, nur Putin hat das noch nicht begriffen. Die Ukraine ist ein freies Land, egal ob den Putinverstehern das passt oder nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Wenn das Land so frei sein soll. dann lasst es auch frei. Ohne US Militärberater, US Waffen, US Raketen usw. Scheinbar wollen halt nicht alle, für sie werter Herr Schmidlin total unverständlich?, in die EU und NATO. Darum wäre eine Abspaltung wie in Serbien / Kosovo die beste Lösung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen