Zum Inhalt springen

Header

Video
Krim: Explosionen auf russischer Luftwaffenbasis
Aus Tagesschau vom 10.08.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 40 Sekunden.
Inhalt

Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Situation

Laut Angaben der russischen Armee toben heftige Kämpfe um die ostukrainische Stadt Pisky. Ein Beamter der von Russland unterstützten Donezker Volksrepublik sagte, Pisky, an der Frontlinie nur 10 km nordwestlich der Provinzhauptstadt Donezk, sei unter Kontrolle der russischen und separatistischen Kräfte. Ukrainische Offizielle bestreiten dies.

In der Nacht auf Donnerstag sollen mehr als 120 Raketen in der Gegend um die Stadt Nikopol eingeschlagen haben. Zuvor wurden in der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk durch russischen Beschuss 13 Menschen getötet und 11 verletzt, sagte der Chef der Militärverwaltung in der genannten Region, Walentyn Resnitschenko. Getroffen wurde der Bezirk Nikopol und die Kleinstadt Marhanez, wie er über die Nachrichten-App Telegram mitteilte.

Durch russischen Artilleriebeschuss auf die Stadt Bachmut im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens sieben Zivilisten getötet worden. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Kiew wurden Hochhäuser, Einfamilienhäuser und Läden im Stadtzentrum getroffen. Russland habe Mehrfachraketenwerfer des Typs Uragan eingesetzt.

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben durch Raketenbeschuss eine Brücke beim Staudamm von Nowa Kachowka im Süden der Ukraine unbrauchbar gemacht. «Der Treffer war akkurat, aber wirksam», teilte das Armeekommando Süd per Facebook mit. Von der Besatzungsverwaltung gab es dazu bisher keine Informationen.

Auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim explodierte lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt. Dabei kam nach russischen Angaben eine Person ums Leben.

Ursache weiterhin unklar

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Rauch steigt auf, nachdem Explosionen aus der Richtung eines russischen Militärflughafens in der Nähe von Nowofedoriwka auf der Krim zu hören waren. (Bild vom 9. August 2022) Reuters ZVG

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Saki nördlich von Sewastopol (Krim) hatte Russland Bomber vom Typ Suchoi Su-24 und Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-30 stationiert. Von der Basis aus wurden viele Angriffe auf Ziele im Süden der Ukraine geflogen. Erste, noch nicht verifizierte Videos von dem Stützpunkt zeigten zahlreiche ausgebrannte Autos, aber auch eine zerstörte Su-24.

Während das russische Verteidigungsministerium am Dienstag davon sprach, es sei durch Fahrlässigkeit Munition explodiert, berichtete die «New York Times» von einem ukrainischen Angriff. Dabei sei eine von der Ukraine neu entwickelte Waffe eingesetzt worden, zitierte die Zeitung einen ranghohen ukrainischen Militär. Bei der Attacke hätten auch Partisanen, die loyal zur Ukraine stehen, eine Rolle gespielt.

Es wäre die erste militärische Attacke auf Ziele auf der Schwarzmeer-Halbinsel, die Russland 2014 annektiert hatte. Symbolisch wäre es für die Moskauer Führung ein ähnlich schwerer Schlag wie Mitte April das Versenken des Kreuzers «Moskwa», des Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte.

Mögliche Referenden in besetzten Gebieten

Box aufklappen Box zuklappen

Die von Russland eingesetzten Verwaltungsbehörden der südukrainischen Region Saporischschja unternehmen einem Medienbericht zufolge weitere Schritte für eine Volksabstimmung über einen Anschluss an Russland. Der Verwaltungschef der Region habe ein Dekret für ein solches Referendum unterzeichnet, meldete die Nachrichtenagentur «Ria Nowosti».

Am Sonntagabend entgegnete der ukrainische Präsident Selenski daraufhin harsch, jedes «Pseudo-Referendum» über den Anschluss besetzter Gebiete seines Landes an Russland würde die Möglichkeit von Gesprächen zwischen Moskau und seinen ukrainischen Partnern oder deren Verbündeten ausschliessen.

Russland betrachtet die Halbinsel als sein Staatsgebiet und hat für den Fall ukrainischer Angriffe mit massiver Vergeltung gedroht.

Einschätzungen aus Grossbritannien

Der britische Geheimdienst berichtet im Briefing vom Donnerstag, dass Russland seine Auslandsaufträge in der Rüstungsindustrie nicht mehr in vollem Umfang erfüllen könne. «Russland ist höchstwahrscheinlich nicht in der Lage, einige seiner Exportaufträge für gepanzerte Fahrzeuge auszuführen», hiess es in dem täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London.

Hintergrund seien die aussergewöhnliche Nachfrage für gepanzerte Kampffahrzeuge für Russlands eigene Streitkräfte in der Ukraine und der zunehmende Effekt westlicher Sanktionen, so die Mitteilung weiter.

Sorge um AKW Saporischja

Das staatliche ukrainische Energieunternehmen Energoatom meldet den erneuten russischen Beschuss des AKW in Saporischja. Nach Angaben von Energoatom wurde das Gelände des Kraftwerks mehrfach beschossen, auch in der Nähe des Lagerorts für radioaktive Stoffe. Niemand sei verletzt worden und die Situation im Kraftwerk sei unter Kontrolle. Demnach gab es keinen Brand und auch keine erhöhten Radioaktivitätswerte.

Russland beschuldigt die Ukraine, das Atomkraftwerk unter Beschuss genommen zu haben. Dies berichtet die amtliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die örtlichen, von Russland eingesetzten Behörden.

Die Sorge um einen atomaren Zwischenfall in Europas grösstem Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beschäftigt auch die Vereinten Nationen. Auf Antrag Russlands stand am Donnerstag in New York eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrats auf dem Programm. UNO-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer Atomkatastrophe.

Die Internationale Atombehörde (IAEA) sah nach dem Beschuss des AKW keine unmittelbare Bedrohung der nuklearen Sicherheit. Das teilte IAEA-Chef Rafael Mariano Grossi am Sitz der Behörde in Wien mit. Die Ukraine habe die IAEA informiert, dass es zwar Schäden gebe, die Strahlungsmessungen aber weiterhin auf normalem Niveau lägen. Russland stellte einer IAEA-Mission einen Besuch in dem Werk in Aussicht.

Militärische Unterstützung

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat der von Russland angegriffenen Ukraine bei einem Besuch in Lettland die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert. «Wir sind entschlossen, der Ukraine zu helfen, der Ukraine die Ausrüstung und Fähigkeiten bereitzustellen, die es ihr ermöglichen, ihr Hoheitsgebiet zu verteidigen», sagte der Pentagon-Chef in Riga nach einem Treffen mit dem lettischen Verteidigungsminister Artis Pabriks. Dies werde so lange wie nötig erfolgen. 

Die US-Regierung hat unterdessen weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine in Milliardenhöhe angekündigt. In dem eine Milliarde US-Dollarschweren Hilfspaket seien unter anderem zusätzliche Munition für die Raketenwerfersysteme des Typs Himars und Nasams und 1000 Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin enthalten, teilte das Pentagon mit. Es handle sich um die bisher grösste Waffenlieferung aus US-Beständen an die Ukraine.

Nahrungsmittel-Transporte werden fortgesetzt

Der jüngst wieder aufgenommene Agrar-Export aus ukrainischen Schwarzmeer-Häfen geht nach türkischen Angaben weiter. Am Dienstag legten zwei weitere Schiffe im Hafen Tschernomorsk ab, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte. Die «Ocean Lion» ist demanch mit 64'720 Tonnen Mais auf dem Weg nach Südkorea. Die «Rahmi Yagci» transportiert 5300 Tonnen Sonnenblumenmehl nach Istanbul.

UNO erwartet steigende Getreideausfuhren

Box aufklappen Box zuklappen

Nach dem Getreide-Deal zwischen Moskau und Kiew erwarten die Vereinten Nationen steigende Ausfuhren aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Eine Reihe von Schiffen würden momentan auf die Genehmigung zur Fahrt in Richtung der ukrainischen Häfen warten «und wir erwarten einen grossen Aufwärtstrend bei den Anträgen für den Transit», sagte der UNO-Koordinator für die Ausfuhren, Frederick Kenney, in New York.

Die Ausfuhren aus den ukrainischen Häfen waren bis zu einer von der Türkei vermittelten Einigung von den russischen Streitkräften blockiert worden. Mit den beiden Transporten vom 9. August haben seit der Vereinbarung zwölf Schiffe die Ukraine verlassen.

Kriegsopfer

Armeeangehörige: Ein genaues Bild über Todesopfer – sowohl auf russischer wie auf ukrainischer Seite – gibt es nicht. Die Angaben und Schätzungen gehen weit auseinander. Die Ukraine geht davon aus, dass 43'000 russische Armeeangehörige ihr Leben verloren haben (Stand 11. August). Westliche Experten zweifeln diese Zahl an.

Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums auf russischer Seite 70'000 bis 80'000 Menschen getötet oder verletzt worden. Die russische Armee habe ausserordentliche Verluste gemacht, weil das ukrainische Militär gut funktioniere und viel Unterstützung bekommen habe, sagte der Pentagon-Spitzenbeamte Colin Kahl.

Derweil kündigte der Chef der Separatistenverwaltung der Region Donezk, Denis Puschilin an, Hunderten Kämpfern des Asow-Regiments aus Mariupol «noch in diesem Sommer den Prozess zu machen». Das Asow-Regiment erlangte internationale Aufmerksamkeit durch seinen Widerstand gegen die russische Belagerung des Stahlwerks von Mariupol. 

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Box aufklappen Box zuklappen
Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Zivile Opfer: Gemäss ukrainischen Polizeiangaben sind bisher über 12'000 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen. Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bisher 5237 getötete und 7035 verletzte Zivilisten durch den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine gezählt (Stand 25. Juli). Man gehe jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher seien.

Flüchtende: Mehr als 10.5 Millionen Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen. Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Auch innerhalb der Ukraine befinden sich mehrere Millionen Menschen auf der Flucht.

In der Schweiz haben bis Donnerstag 62'142 Geflüchtete aus der Ukraine den Schutzstatus S beantragt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Twitter bekannt gab. 60'056 Personen haben bisher diesen Status erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

Box aufklappen Box zuklappen

In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 10.08.2022, 12:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen