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Russland stimmt Inspektion von AKW Saporischja zu
Aus Tagesschau vom 12.08.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Situation

Das ukrainische Militär hat über neue schwere russische Raketenangriffe im Osten des Landes berichtet. So seien die Stadt und die Region Charkiw massiv beschossen worden, teilten die ukrainischen Behörden am Samstag mit. Drei Menschen, darunter ein 13 Jahre alter Junge, seien im Gebiet Charkiw verletzt und ins Spital gebracht worden, hiess es.

Im Süden der Ukraine ist die Autobrücke des Staudamms Nowa Kachowka im Gebiet Cherson nach ukrainischen Angaben infolge mehrerer Angriffe nicht mehr zu befahren. Demnach gelang es der ukrainischen Armee nun, mittels weitreichender Raketensysteme die letzte der drei einzigen Flussquerungen zu zerstören. Damit soll der Nachschub der russischen Armee auf dem rechten Dnipro-Ufer verhindert und eine Rückeroberung ermöglicht werden.

Die Verwaltung der russischen Besatzer bestätigte den Beschuss. Zugleich warnte sie vor Schäden an der Staumauer, was zu einer Katastrophe führen könne. Unabhängig überprüfen liessen sich die Angaben zunächst nicht. Die Betreiber haben nach eigenen Angaben die Leistung des angeschlossenen Wasserkraftwerks auf Notbetrieb heruntergefahren. «Wir arbeiten in einem sehr gefährlichen Modus», sagte der Vizechef des Kraftwerks, Arseni Selenski, der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

In der Region Saporischja warnten die Behörden die Menschen davor, auf die Strasse zu gehen, weil russische Truppen in Richtung des Atomkraftwerks schiessen würden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Kiew und Moskau werfen sich seit Tagen gegenseitig vor, für den Beschuss des grössten Atomkraftwerks in Europa verantwortlich zu sein. Russland hat die weitläufige Anlage in der Stadt Enerhodar seit Monaten besetzt.

AKW Saporischja
Legende: Russland benutze das AKW Saporischja im Süden der Ukraine, um die Menschen in Angst zu versetzen sowie um die ukrainische Führung und die ganze Welt zu erpressen, sagte Präsident Wolodimir Selenski. Archiv Reuters/Alexander Ermochenko

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte in seinem Lagebericht den Raketen- und Artilleriebeschuss unter anderem in den Gebieten Charkiw und Cherson. Der Schwerpunkt lag demnach weiter im Gebiet Donezk, das im Zuge des russischen Angriffskriegs als nächstes Ziel Moskaus komplett der ukrainischen Kontrolle entrissen werden soll. Eingenommen worden sei nun der Donezker Vorort Pisky im Nordwesten der Grossstadt, hiess es. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite gab es zunächst nicht.

Einschätzungen aus Grossbritannien

Das russische Militär will nach britischer Einschätzung seine Truppen im Süden der Ukraine verstärken. Dazu habe es sich in der vergangenen Woche wohl auf eine Umgruppierung von Einheiten fokussiert, teilt das Verteidigungsministerium in London in seinem täglichen Geheimdienstbericht auf Twitter mit.

Im Osten starteten die von Russland unterstützten Separatisten-Truppen weiterhin vom Norden aus Angriffe auf die Regionalhauptstadt Donezk. Hier liege der Vorort Pisky in der Nähe des Donezker Flughafens im Zentrum besonders schwerer Kämpfe. Russland versuche zudem, die Kontrolle über die Fernstrasse M04 zu erlangen und damit über den Hauptzugang nach Donezk von Westen her.

Sorge um AKW Saporischja

Angesichts der Kämpfe um das AKW Saporischschja hat Präsident Wolodimir Selenski den Westen zu Sanktionen gegen Russlands Atomindustrie aufgerufen. Die Strafmassnahmen müssten die Nuklearindustrie des Aggressor-Staates treffen, sagte er in einer Videoansprache. Russland benutze das Atomkraftwerk im Süden der Ukraine, um die Menschen in Angst zu versetzen sowie um die ukrainische Führung und die ganze Welt zu erpressen.

Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell hat einen sofortigen Abzug russischer Truppen aus dem besetzten AKW gefordert. Er unterstütze Forderungen nach einer Demilitarisierung der Anlage und dringe auf einen Besuch von Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). «Russland muss sofort die Kontrolle an die Ukraine als dem rechtmässigen Besitzer zurückgeben», schrieb Borrell auf Twitter.

Das unter anhaltendem Beschuss stehende ukrainische AKW ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) momentan noch kein Sicherheitsrisiko. An der von Russland einberufenen Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates wurden in der Nacht auf Freitag aber kaum Ergebnisse erzielt.

IAEA-Chef Rafael Grossi forderte Moskau und Kiew auf, einen Besuch internationaler Experten schnell zu ermöglichen. Beide Seiten stimmen einer IAEA-Mission zu, stellen indes unvereinbare Bedingungen. Russland hat eine Übergabe des AKW Saporischja an ein internationales Verantwortungsgremium oder an die Ukraine selbst bislang ausgeschlossen.

Militärische Unterstützung

Grossbritannien kündigt am Donnerstag die Lieferung weiterer Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine an, deren Geschosse eine Reichweite von bis zu 80 Kilometer haben. Diese «jüngste Tranche militärischer Unterstützung» werde es der Ukraine ermöglichen, sich «weiterhin gegen die russische Aggression» und den «willkürlichen Einsatz von Langstreckenartillerie» zu verteidigen, sagt Verteidigungsminister Ben Wallace.

Auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat der von Russland angegriffenen Ukraine bei einem Besuch in Lettland am Mittwoch die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert. «Wir sind entschlossen, der Ukraine zu helfen, der Ukraine die Ausrüstung und Fähigkeiten bereitzustellen, die es ihr ermöglichen, ihr Hoheitsgebiet zu verteidigen», sagte der Pentagon-Chef in Riga nach einem Treffen mit dem lettischen Verteidigungsminister Artis Pabriks.

Die US-Regierung hat unterdessen weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine in Milliardenhöhe angekündigt. In dem eine Milliarde US-Dollarschweren Hilfspaket seien unter anderem zusätzliche Munition für die Raketenwerfersysteme des Typs Himars und Nasams und 1000 Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin enthalten, teilte das Pentagon mit.

Nahrungsmittel-Transporte werden fortgesetzt

Der jüngst wieder aufgenommene Agrar-Export aus ukrainischen Schwarzmeer-Häfen geht nach türkischen Angaben weiter. Am Freitag und Samstag haben vier weitere Schiffe die Ukraine verlassen.

UNO erwartet steigende Getreideausfuhren

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Nach dem Getreide-Deal zwischen Moskau und Kiew erwarten die Vereinten Nationen steigende Ausfuhren aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Eine Reihe von Schiffen würden momentan auf die Genehmigung zur Fahrt in Richtung der ukrainischen Häfen warten «und wir erwarten einen grossen Aufwärtstrend bei den Anträgen für den Transit», sagte der UNO-Koordinator für die Ausfuhren, Frederick Kenney, in New York.

Die Ausfuhren aus den ukrainischen Häfen waren bis zu einer von der Türkei vermittelten Einigung von den russischen Streitkräften blockiert worden. Insgesamt haben seit der Vereinbarung 16 Schiffe die Ukraine verlassen.

Kriegsopfer

Armeeangehörige: Ein genaues Bild über Todesopfer – sowohl auf russischer wie auf ukrainischer Seite – gibt es nicht. Die Angaben und Schätzungen gehen weit auseinander. Die Ukraine geht davon aus, dass 43'400 russische Armeeangehörige ihr Leben verloren haben (Stand 13. August). Westliche Experten zweifeln diese Zahl an.

Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums auf russischer Seite 70'000 bis 80'000 Menschen getötet oder verletzt worden. Die russische Armee habe ausserordentliche Verluste gemacht, weil das ukrainische Militär gut funktioniere und viel Unterstützung bekommen habe, sagte der Pentagon-Spitzenbeamte Colin Kahl.

Derweil kündigte der Chef der Separatistenverwaltung der Region Donezk, Denis Puschilin an, Hunderten Kämpfern des Asow-Regiments aus Mariupol «noch in diesem Sommer den Prozess zu machen». Das Asow-Regiment erlangte internationale Aufmerksamkeit durch seinen Widerstand gegen die russische Belagerung des Stahlwerks von Mariupol. 

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Zivile Opfer: Gemäss ukrainischen Polizeiangaben sind bisher über 12'000 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen. Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bisher 5237 getötete und 7035 verletzte Zivilisten durch den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine gezählt (Stand 25. Juli). Man gehe jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher seien.

Flüchtende: Mehr als 10.6 Millionen Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen. Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Auch innerhalb der Ukraine befinden sich mehrere Millionen Menschen auf der Flucht.

In der Schweiz haben bis Freitag 62'351 Geflüchtete aus der Ukraine den Schutzstatus S beantragt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Twitter bekannt gab. 60'198 Personen haben bisher diesen Status erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 10.08.2022, 12:45 Uhr;

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